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Schüleraustausch : Warschauer Jugendliche wollen kommende Woche Sylt besuchen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Spurensuche geht weiter: Um der deutschen NS-Vergangenheit nachzuspüren, sind Sylter Schüler letztes Jahr nach Polen gereist. Jetzt kommen die Warschauer Jugendlichen auf die Insel.

Schüler aus Polen besuchen am kommenden Mittwoch für zwei Tage die Insel. 20 polnische Jugendliche, drei Begleiter sowie ein Politiker werden dann auf Sylt erwartet, teilt Organisatorin Anna Raspé mit. 17 Schüler des Sylter Schulzentrums waren gemeinsam mit ihren Lehrern im Dezember 2014 nach Warschau gereist, um sich mit der deutschen NS-Vergangenheit auseinander zu setzen – jetzt ist der Gegenbesuch geplant.

„Die Kontakte beim Besuch in Warschau waren so intensiv, dass die Schüler schnell ein erneutes Wiedersehen in Deutschland organisierten – geplant war diese Fortsetzung ursprünglich nicht“, sagt Lehrerin Raspé (35). Eine ganz besondere Oberstufenfahrt sei diese Reise „auf den Spuren der Vergangenheit“ gewesen. Die Schüler aus Deutschland waren damals sehr bewegt von dem Ausflug ins Nachbarland, der bei vielen einen bleibenden Eindruck hinterließ. „Ich werde mich für immer an diese Reise erinnern. […]Ich hatte nicht erwartet, dass diese Reise für mich psychisch und auch physisch so belastend wird“, schrieb die Sylter Schülerin Joanna Siudak im Winter nach ihrer Rückkehr in Deutschland.

Vier polnische Schüler werden die 18-Jährige und ihre Familie in der kommenden Woche in Wenningstedt aufnehmen. Verständigungsprobleme wird es hier, zumindest sprachlich, nicht geben – denn ihre Eltern Arletta und Leszek Siudak stammen aus Polen, auch die auf Sylt geborene Tochter spricht die Muttersprache fließend. „Wir freuen uns sehr auf die Gäste“, sagt der Vater. Bis dahin müssen aber noch der Kühlschrank gefüllt und die Betten gemacht werden – die drei Jungs und ein Mädchen übernachten in der Ferienwohnung von Freunden der Siudaks.

Auch in der Schule laufen die Vorbereitungen seit Wochen auf Hochtouren. Drei Lehrer kümmern sich um die Organisation, aber auch die Schüler helfen mit. „Die Jugendlichen sind sehr engagiert, sie erarbeiten das Programm und gestalten Abendtermine“, berichtet Lehrerin Anna Raspé. In einer Whatsapp-Gruppe tauschen sie sich aus und schreiben jeden Tag unzählige Nachrichten.

Bis zur Rückreise nach Warschau am Sonnabend, 12. September, sind verschiedene Veranstaltungen geplant. Höhepunkt des Programms, das den jungen Leuten und ihren Begleitern auf Sylt geboten wird, ist am Donnerstag ein Empfang im Rathaus mit Bürgermeister Nikolas Häckel. Anschließend findet ein Workshop – „Wie sollte Sylt künftig mit dem Fall Reinefarth umgehen? – mit dem Zeitzeugen Ernst-Wilhelm Stojan statt. Außerdem stehen unter anderem eine Stadtführung zur Sylter NS-Geschichte und ein Spaziergang über dem Neuen Friedhof mit Silke von Bremen auf der Agenda. Zum Abschluss soll dann am Freitagabend, gemeinsam mit Bürgermeister Häckel, in der Vogelkoje Kampen gekocht und gefeiert werden.

Finanziert werden die Programmkosten zum größten Teil von der Gemeinde Sylt, ein weiterer Teil aus Spenden. Wohnen werden alle polnischen Gäste bei Sylter Familien, nur die Reisekosten müssen die Gäste selbst übernehmen. Bereits am morgigen Sonntag fahren die Sylter Oberstufenschüler nach Berlin, um die 20 jungen Polen dort zu treffen. Gemeinsam werden sie dann – nach drei gemeinsamen Tagen in der Hauptstadt – weiter auf die Insel fahren.

Das Motto im vergangenen Jahr lautete „Von Westerland nach Warschau – eine Spurensuche zur nationalsozialistischen Vergangenheit von Heinz Reinefarth“. Schwerpunkt der Reise damals: Die Taten des NS-Generals Reinefarth, der während des Zweiten Weltkrieges den Warschauer Aufstand brutal niederschlagen ließ. In der Nachkriegszeit wurde Reinefarth Bürgermeister der Stadt Westerland und saß zeitweise auch als Landtagsabgeordneter im Landeshaus in Kiel.

 

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erstellt am 05.Sep.2015 | 05:31 Uhr

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