zur Navigation springen

Strecke Niebüll-Sylt : Waggons repariert, jetzt sind Loks dran

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die DB muss auf der Strecke zwischen Hamburg und Sylt weiter improvisieren. Der Grund: Bei den Loks gibt es Störungen.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 11:37 Uhr

Niebüll | Die Freude bei den Pendlern und Reisenden auf der Marschbahnstrecke war leider nur von sehr kurzer Dauer. Kaum wurde am Donnerstagnachmittag bekannt, dass nach mehr als einem Jahr alle defekten Kupplungen der 90 ehemaligen NOB-Waggons endlich repariert sind (wir berichteten), da kam kurze Zeit später die nächste Hiobsbotschaft. Die Deutsche Bahn muss auf der Strecke von Hamburg über Niebüll und den Hindenburgdamm nach Sylt weiter improvisieren. Der Grund: „Bei den Loks gibt es leider weiterhin Störungen“, teilte Dennis Fiedel, Sprecher der Nahverkehrsgesellschaft Nah.SH mit.

„Vier Loks der Baureihe BR 245 stehen der DB Regio im Moment nicht zur Verfügung, weil sie repariert werden müssen oder planmäßig in der Instandhaltung sind.“ Bereits Ende September hatte die Sylter Rundschau berichtet, dass die erst 2015 in Betrieb genommenen Lokomotiven dieser Bombardier-Baureihe eine erhebliche Zahl an Mängeln aufweisen – darunter Öllecks, verstopfte Rußpartikelfilter aufgrund von Softwarefehlern und Kühlwasserverluste. Diese Mängel verursachen Ausfälle der Motoren, weshalb es regelmäßig zu Verspätungen kommt.

Bis zum Sommer 2018 sollen nun alle Fahrzeuge der Baureihe BR 245 eine so genannte Rollkur durchlaufen – also einen Reparaturprozess, bei dem die immer wieder auftauchenden Fehler beseitigt werden, damit sie künftig stabiler fahren. „Die Loks werden nacheinander in diese Rollkur geschickt, der Prozess dauert jeweils etwa vier Wochen“, sagte Fiedel. „Fünf Loks haben ihn bereits hinter sich. Die sechste Lok soll in dieser Woche fertiggestellt werden.“ Verantwortlich für die Rollkur sei der Hersteller Bombardier, es handele sich um Gewährleistungsmängel.

Um die Engpässe abzufedern, habe DB Regio drei Ersatzloks beschafft: eine vom Sylt Shuttle Plus, eine aus Ulm und eine vom Bahntechnik-Unternehmen Vossloh. Mit den 15 Loks der Baureihe BR 245 von Paribus stünden für den Betrieb auf der Marschbahn damit grundsätzlich 18 Loks zur Verfügung. Für einen stabilen Betrieb auf der Strecke seien zwölf Loks erforderlich, so der Nah.SH-Sprecher, drei dienten dann als Reserve.

„Wir gehen momentan davon aus, dass die gerade stattfindende Rollkur an den Bombardier-Loks der Baureihe 245 dazu führen wird, dass die Loks verlässlicher werden“, erklärte auch Egbert Meyer-Lovis. Gleichzeitig würde aber auch das gesamte Instandhaltungskonzept der Deutschen Bahn optimiert, so der DB-Pressesprecher. Allerdings hätten Zugausfälle und Verspätungen oft weitere Gründe: „So können Störungen an der Infrastruktur – zum Beispiel an Weichen oder Bahnübergänge – auftreten und Unfälle oder Sturmschäden zu Einschränkungen führen.“

Die Waggons betreffend sei der zwölfte von insgesamt 15 Marschbahnzügen mit den nunmehr reparierten Kupplungen in den Betrieb zurückgekehrt, betonte Dennis Fiedel von Nah.SH. „Damit stehen insgesamt schon wieder 68 von 90 Wagen zur Verfügung. Für den Betrieb benötigt DB Regio eben genau diese zwölf Marschbahnzüge, die drei noch fehlenden Züge dienen als Reserve.“ Der nächste Marschbahnzug soll laut Fiedel voraussichtlich Ende dieser Woche wieder auf die Strecke gehen. DB Regio könne für den Betrieb neben fünf bereits länger vorhandenen Ersatzzügen nun auch auf einen Ersatzzug vom BahnTouristikExpress (BTE) zurückgreifen. Einige Fahrten würden im Störungsfall gegebenenfalls auch vom Sylt Shuttle Plus übernommen. Im Großen und Ganzen wäre der Betrieb auf der Marschbahn vergangene Woche wieder stabil verlaufen, sagt der Nah.SH-Sprecher. „Teilweise kommt es jedoch wegen der Fahrzeugprobleme weiter zu Schwierigkeiten im Betrieb, die sich dann schnell auf mehrere Fahrten auswirken.“

Der reguläre Fahrplan könne „grundsätzlich vollständig“ gefahren werden, ergänzt Egbert Meyer-Lovis. Bei den kurzfristig notwendig gewordenen alten Ersatzzügen komme es allerdings zu Einschränkungen und Ausfällen. Um einen geregelten Verkehr zu gewährleisten, habe DB Regio über 100 Wagen älterer Bauart aus dem gesamten Bundesgebiet angemietet. Dadurch könnten wesentlich mehr Züge und mehr Kapazität als im NOB-Ersatzkonzept angeboten werden, so der Sprecher der Deutschen Bahn AG. Allerdings wäre das Ersatzkonzept der DB Regio „sehr anspruchsvoll“, weil die diversen verschiedenen Fahrzeugtypen nicht immer untereinander kompatibel seien. „Die Zugbildung ist daher sehr aufwändig. Zudem sind die älteren Fahrzeuge sehr störanfällig, wodurch auch mehr disponiert und rangiert werden muss. Durch Störungen an den Wagen kann es auch zu kürzeren Zügen kommen. Unser primäres Ziel ist es, in der Hauptverkehrszeit die maximale Kapazität anzubieten. Komforteinbußen sind allerdings nicht zu vermeiden“, betonte Meyer-Lovis.

Der DB-Pressesprecher räumte darüber hinaus Defizite in der Kommunikation ein: „Leider hat die Fahrgastinformation vor allem bei kurzfristigen Störungen nicht immer perfekt funktioniert. DB Regio steuert hier deshalb noch einmal nach.“ Die Zahl verspäteter oder ausgefallener Züge könnte die Deutsche Bahn leider noch nicht nennen. „Auch wir sind mit der Betriebsqualität nicht zufrieden. Wir wissen, dass wir einzelne Tage mit sehr schlechten Pünktlichkeitswerten hatten. Wir gehen aber davon aus, dass mit steigender Verlässlichkeit von Waggons und Loks auch die Qualität insgesamt wieder stimmen wird.“ Abschließend verwies Meyer-Lovis auch auf die Möglichkeit der Nutzung eines InterCity als Entlastung: „DB Fernverkehr und das Land haben sich ja auf die Freigabe des IC um 15.26 Uhr ab Westerland für Nahverkehrskunden mit Zeitkarten verständigt“, so der Bahnsprecher. „Dieser Zug hilft den Pendlern wirklich. Die anderen IC fahren nicht zu Pendlerzeiten.“




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen