zur Navigation springen
Sylter Rundschau

24. Oktober 2017 | 13:35 Uhr

Hörnum : Vor diesen Aufgaben steht Hörnum

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wohnungsbau, Hafen oder Hörnumer Odde: Im Gespräch mit der Sylter Rundschau spricht Bürgermeister Rolf Speth über Baustellen im Inselsüden.

von
erstellt am 12.Jan.2014 | 14:35 Uhr

So frustriert und zornig Rolf Speth beim Hörnumer Neujahrsempfang Anfang der Woche klang, so zufrieden ist der Bürgermeister eigentlich mit der allgemeinen Situation und Stimmung in seiner Tausend-Seelen-Gemeinde. Wenn da nicht diese Abhängigkeit von höheren Behörden wäre, könnte 2014 ein gutes Jahr für den Inselsüden werden. Die politische Stimmung in der Gemeinde habe sich deutlich verbessert und auch Zeiten in denen die Gemeinde so gut wie pleite war, sind Dank Hapimag und Budersand vorbei. „Wir sind mit unseren beiden großen Investoren sehr glücklich – der eine bringt der Gemeinde viel Geld, die andere hat viel für das Image des Ortes getan.“

Wobei diese Entwicklung auch ihren Preis hat. Und der liegt im Anstieg der Grundstückspreise auf rund 700 Euro pro Quadratmeter und dem in Hörnum noch vor kurzem unbekannten Anstieg von Zweitwohnsitzen (über 400) zu Lasten von Dauerwohnraum. Laut insularem Wohnraumentwicklungskonzept braucht Hörnum in den nächsten zehn Jahren 156 neue Wohnungen, um zumindest den heutigen Status Quo halten zu können. Flächen dafür gebe es laut Speth in Hörnum durchaus, allerdings nicht in eigenem Besitz und in aller Regel außerhalb bereits überplanter Bereiche. In beiden Fällen lehnt die Landesplanung bislang den Bau von Dauerwohnraum ab. „Wir müssen jetzt einen Gesamtplan aufstellen, wo wie viele Wohnungen gebaut werden sollen, aber das dauert natürlich wieder.“

Der Gemeinde gehören mitten im Ort 7 000 Quadratmeter, die sie vor einigen Jahren vom Bund erworben hat. Allerdings müsste sie im Falle einer Bebauung mindestens 150 Euro pro Quadratmeter nachzahlen. Diese Verpflichtung endet erst in sieben Jahren. Auf der einzigen Fläche, die völlig unkritisch ist, sollen in diesem Jahr zwischen Edeka-Markt und Hafen für rund 1,8 Millionen Euro neun Wohnungen entstehen. „Das ist zwar nicht viel, aber im Verhältnis etwa so, als würden in Westerland 130 Wohnungen gebaut“, sagt der Bürgermeister, der seit Sepp Springer im Jahr 1975 der erste wäre, der wieder gemeindlichen Wohnungsbau betreibt.

Offen ist lediglich noch, ob das Projekt mit öffentlichen Fördermitteln (und den damit verbundenen Auflagen) oder frei finanziert wird. In zwei Jahren sollen dann die nächsten 30 bis 35 Wohnungen an der Rantumer Straße entstehen. „Und wir kriegen ja noch das Belegungsrecht für die fünf Wohnungen, die gerade von privat auf dem Gelände der alten Feuerwache gebaut werden, für das wir 230 000 Euro bekommen haben.“ Ärgerlich findet er, dass Hörnum für 400 Quadratmeter, die durch das gemeindliche Bauprojekt versiegelt werden, 10 000 Euro Ausgleichszahlung leisten muss. „Für Wald, der gar nicht da ist, und eine Graudüne unter dem Wald“, sagt Speth und schlägt den Bogen zum größten Ärgernis der Gemeinde: „Aber wenn an der Odde über Nacht 20 000 Quadratmeter weggehen, interessiert das beim Land niemanden. Das ist doch auch Lebensraum für Tiere und Pflanzen.“

Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Küstenschützer des Landes von ihrer Haltung abzubringen, die einer Aufgabe der Südspitze der Insel gleichkomme. „Alleine schaffen wir in Hörnum das nicht. Darum möchte ich erreichen, dass sich auch die Insel- und Halligkonferenz dafür stark macht, die Odde durch ein Sonderprogramm zu erhalten.“ Speth schwebt dafür eine Aufspülung vor, für die der Sand von den nahen Sandbänken genommen werden könne. „Jeder Fischer und Schiffsbesitzer weiß, dass die Sände durch die Abbrüche an der Odde immer größer werden. Wenn man diesen Sand zurückholt, haben wir für Jahre Ruhe.“ Erreichen könne man das aber nur gemeinsam mit Umweltministerium und Küstenschützern.

Nicht mit dem Land, sondern mit dem Bund ringt die Gemeinde seit dreieinhalb Jahren um den Hörnumer Hafen. Mittlerweile kann sich der Bürgermeister nicht vorstellen, dass private Interessenten wie Reeder Sven Paulsen gemeinsam mit dem Hotel Budersand oder auch die Muschelfischer überhaupt noch Interesse haben. „Und aus meiner Sicht kommt es auch für die Gemeinde nicht mehr in Frage, ihn zu kaufen.“ Der Grund ist zum einen der offenkundig eher bei acht als den bisher angenommenen fünf Millionen Euro liegende Reparaturstau. Zum anderen müsste ein privater Käufer die Wasserflächen zusätzlich vom Land erwerben, das sich mit dem Thema jedoch erst nach erfolgtem Verkauf befassen würde.

Speth: „Ein Privater würde also die Katze im Sack kaufen und hätte es auch noch mit einem von der Gemeinde aufgestellten B-Plan zu tun, der kaum Entwicklung zulässt.“ Für ihn kann es daher nur eine Lösung geben, wenn sich der Bund unbedingt vom Hafen trennen will: „Die BImA gibt ihn ans Verkehrsministerium zurück, von dem ihn die Gemeinde dann instand gesetzt und kostenfrei übernimmt. Alles andere wäre ein finanzielles Abenteuer.“ Dass der Bund den Hafen stattdessen lieber ganz schließt, um die Sanierungskosten zu sparen, ist für Speth nicht vorstellbar. „Das käme einer Bankrotterklärung des Bundes gleich.“

Ein anderes heißes Eisen, bei dem weder Bund noch Land eine Rolle spielen, würde der Bürgermeister in diesem Jahr am liebsten nicht anfassen: das Grundstück der ehemaligen Grundschule. „Es wäre sicherlich gut, die Sporthalle und andere Räume für die Allgemeinheit zu erhalten, was sonst damit geschieht, muss sich zeigen. Persönlich hätte ich kein Problem damit, einen Teil des Grundstücks auch für den Wohnungsbau auf Erbpachtbasis zu verwenden.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen