Vor der Sperrung: Nur ein Auto auf dem letzten Sylt-Shuttle

In ihrem blauen VW-Bus hatten Anja Müller-Guthof, Thomas Urmersbach und Sohn Marlon den letzten Sylt Shuttle für sich allein.
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In ihrem blauen VW-Bus hatten Anja Müller-Guthof, Thomas Urmersbach und Sohn Marlon den letzten Sylt Shuttle für sich allein.

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05. März 2017, 13:46 Uhr

Kuriose Situation an der Autoverladung in Niebüll am Sonnabendnachmittag kurz nach 17 Uhr: Es fuhr um 17.35 Uhr, also vor der Sperrung der Strecke bis gestern Mittag noch ein DB Shuttle auf die Insel – doch niemand wollte mit.

Doch, halt, gegen 17.12 Uhr rollte noch ein blauer Lieferwagen heran. Das gut gelaunte Insassen-Trio hätte sogar beinahe noch den verspätet gestarteten DB Shuttle um 17.05 Uhr erreicht. Nun standen Anja Müller-Guthof, Thomas Urmersbach und Sohn Marlon plötzlich im Mittelpunkt des Medieninteresses. Die Rantumer Familie war zum Geburtstagsbesuch in Kiel gewesen. Die Fragen waren leicht zu beantworten. „Natürlich wussten wir aus Presse, Rundfunk oder Fernsehen, dass der Damm ab 17.30 Uhr für Autos gesperrt ist“, sagte Thomas Urmersbach. „Wir haben uns darauf eingestellt und waren ja auch rechtzeitig da. Und beinahe hätten wir sogar noch den vorletzten Zug erreicht.“ So hatten die fröhlichen Drei Zeit für einen Klönschnack. Für einen war es etwas Besonderes: Marlon freute sich, dass der Zug exklusiv für seine Familie fahren sollte: „Das ist toll!“

Als vorletzte Sylt-Shuttle-Nutzer war ein Pärchen aus Köln auf den 17.05-Uhr-Autozug gerollt, Drittletzte war die Sylterin Janine Gennemann in ihrem Kleinwagen. „Ich habe bei meinem Bruder gefeiert und bin nun rechtzeitig wieder zurück.“ Mit der Matratze im Gepäck sauste die gut gelaunte junge Frau davon und erreichte zu ihrer eigenen Überraschung noch den vorletzten DB-Shuttle.

Tagsüber war es an der Autoverladung Niebüll relativ ruhig gewesen. Einige Autofahrer bekannten, dass sie früher als üblich unterwegs waren. „Wir haben von der Sperrung gehört und sind früher los“, berichtete das Ehepaar Wessels aus Köln. Auch die anderen Autofahrer zeigten sich auf Nachfrage gut informiert. „Es war ja überall zu lesen und zu hören“, betonte ein Pärchen aus Berlin.

Sylt wieder einmal in den Schlagzeilen – das gefällt nicht jedem. Zu viel Rummel war es für Thomas Urmersbach. „Ich finde, dass das diesmal alles übertrieben wird. Es ist doch kein Notstand ausgebrochen. Man hatte doch alle Möglichkeiten, die Insel zu erreichen.“ Ein wenig mehr Gelassenheit wünschte sich der Nordfriese und fuhr winkend als Einziger auf den Autozug. Ganz allein waren die Rantumer übrigens doch nicht. Am Ende des Zuges, auf dem letzten Transportwagen, befindet sich ein so genannter Steuerwagen, in dem der Zugführer sitzt. Und einen Lokführer gab es natürlich auch noch.

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