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Warmer Winter : Vor der Biike: Grünkohl-Flaute auf Sylt

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Schreck für alle Grünkohl-Fans: Zum diesjährigen Biike-Brennen gibt es das Gemüse nur in der Dosen- oder Tiefkühl-Variante.

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erstellt am 05.Feb.2015 | 05:04 Uhr

Es ist wie Ostern ohne Eier, Silvester ohne Berliner oder Geburtstag ohne Torte: Die Sylter Biike ohne Grünkohl. In 16 Tagen feiern die Sylter das offizielle heidnische Fest zur Vertreibung des Winters und damit auch die inoffizielle gastronomische Feier des Grünkohls. Doch wer sich schon auf das frisch gekochten Kraut gefreut hat, wird in diesem Jahr enttäuscht: „Gibt nichts mehr“, heißt es unisono von den Gemüse-Großhändlern. Die norddeutsche Grünkohlsaison ist vorbei.

„Es lohnt sich nicht mehr, das bisschen, was noch auf den Feldern steht, zu ernten“, sagt Ingrid Brötzmann, vom Kieler Gemüse-Großhändler Köhn & Brötzmann, der auch die Insel beliefert. Der Grund für die mickrigen Reste: Dieser Winter war zu Beginn sehr warm und feucht – das ist dem Grünkohl nicht gut bekommen. „Was jetzt noch übrig ist, genügt unseren Qualitätsansprüchen nicht mehr“, so Brötzmann weiter. Die Ernte sei auch nicht mehr rentabel: Fünf bis sechs Euro müsste der mühsam zusammengeklaubte Rest-Grünkohl pro Kilogramm kosten, normalerweise sind es gut drei Euro.

Auf Sylt wäre die Chance nicht ganz gering, dass ein gut betuchter Gourmet auch diesen Kilopreis zahlen würde. Doch auf der Suche nach wenigstens einem Restbestand der schmackhaften Blätter wird unsere Zeitung auf der Insel nicht fündig. Ein paar Schrebergärtner, heißt es in der Gerüchteküche, hätten sich private Vorräte angebaut. Doch auf dem freien Markt sieht es mau aus. „Der Grünkohl richtet sich halt nicht nach dem heidnischen Fest der Friesen“, sagt Thomas Danklefsen vom Fruchtgroßhandel Decker. Seit ungefährt zwei Wochen wurde der liebste Kohl der Norddeutschen in seinem Lager nur noch sporadisch gesichtet. Dramatisch oder gar ungewöhnlich findet Danklefsen dies nicht: Viele Restaurants („auch die guten!“) würden seit jeher auf Dosen- oder Tiefkühlware zurückgreifen – die kocht sich einfach deutlich schneller. Lediglich maximal 200 Kilogramm frischen Grünkohl verkaufe sein Team pro Saison.

Ähnlich beschreibt sein Mitbewerber Lars Hols von der Sylter Fruchthandelsgesellschaft Olfko die Lage: „Es ist seit über 15 Jahren so, dass der Grünkohl vor der Biike knapp wird, auch weil immer weniger angebaut wird.“ Dass die Gastronomie verstärkt auf Tiefkühl-Ware umsteigt, hält er für unproblematisch: „Das macht geschmacklich nicht so viel aus.“

Eckehard Volquardsen vom Braderuper Erdbeerparadies würde ihm da wiedersprechen. Der Biobauer ist neben den Kleingärtnern der letzte, der auf der Insel selbst Grünkohl anbaut. Gastronomische Betriebe, wie die Küche des Hotels Stadt Hamburg, greifen gern auf seinen frischen Bio-Grünkohl zurück. Doch auch von dem ist gut zwei Wochen vor der Biike nichts mehr übrig und Volquardsens Bio-Großhändler kann keinen Nachschub besorgen. „Ich halte das frühe Ende der Saison schon für ungewöhnlich“, sagt Volquardsen, „vielleicht liegt es aber wirklich daran, dass die Nachfrage nach frischem Grünkohl in den vergangenen Jahren immer weiter zurück gegangen ist.“

Wer das Wintergemüse zur Biike trotz des diesjährigen Mangels frisch gekocht auf dem Tisch haben will, dem bleibt nur eine Möglichkeit: sich ganz schnell mit einem Sylter Kleingärtner anfreunden.

 

 

 

 

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