zur Navigation springen

Serie zum Küstenschutz auf Sylt : Von Sand, Stränden und Schafen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Ellenbogen, von den Friesen „Alemböög“ genannt, ist eines der markantesten Wahrzeichen der Insel.

Im dritten Teil unserer Serie in Kooperation mit der Stiftung Küstenschutz Sylt, geht es heute um ein markantes Sylter Wahrzeichen: Den Ellenbogen.

Der nordwestlichste Teil unseres Landes gleicht seit etwa 200 Jahren einem menschlichen Körperteil. Friesen nennen ihn „Alemböög“. In den Jahrzehnten davor sah das Gebiet noch etwas anders aus. Es war der natürlicher Hafen von List, der gerne als Schutz vor Stürmen benutzt wurde. Auch der dänische König ließ im 17. Jahrhundert sein Schiff bei Seereisen gerne hier vor Anker gehen, so war die Bezeichnung „Königshafen“ wohl eher im Sprachgebrauch als heute das deutsche Wort „Ellenbogen“. Es ist nicht genau festzustellen, seit wann die Bezeichnung eines Körperteiles für dieses besondere Gebiet auf Sylt genutzt wird. Die Herstellung von genauen Landkarten mag dazu beigetragen haben.
Dieses Gebiet ist Teil des „Listland“ und besteht aus Sand. Dünen haben den einstmals fruchtbaren Boden überlagert. Wanderdünen entstanden. Die Wasserströmungen an der Westküste haben viel zu der Sandbewegung in diesem Gebiet beigetragen, das Hin- und Her fliessen des Gezeitenstromes
zwischen der Insel Sylt und der Insel Röm hat auch bewirkt, dass sich das Listland über die Jahrhunderte verändert hat.

Lange Zeit haben die Bewohner des kleinen Ortes List von den anderen Orten auf der Insel kaum Notiz genommen, es war auch umgekehrt so. Die Veränderungen an der Westküste des Listlandes durch die Stürme hat auf der Insel auch lange niemand zur Kenntnis genommen. Die Weite der Dünenlandschaft, die Höhe der Sandberge und fehlende Straßen, machten den Verkehr in die südlichen Insel Orte auch sehr beschwerlich.

Als im Zusammenhang der beiden Weltkriege die Wehrmacht das Listland als strategisch wichtig betrachtete, führte dieses zu einem erheblichen Wachstum der Einwohnerzahl im Ort. Zum Ende des Jahres 1933 wurden 3000 Einwohner gezählt. Die Errichtung von Militärischen Anlagen und den Unterkünften der Soldaten und Einwohner führte dazu, dass im Jahre 1937 an der Südseite des Königshafen der „Mövenberg-Deich“ errichtet wurde. Er erstreckte sich 2,7 Kilometer lang bis an den Ort List. In dieser Zeit wurden dazu weitere Sicherungsmaßnahmen an der Nordwestecke des Ellenbogens errichtet: Ein 2,3 Kilometer langes Deckwerk aus Basaltsäulen, und dazu sollten noch Stahlspundwände im Unterwasserbereich errichtet werden. Die Spundwände waren nach dem Kriegsende noch nicht fertig gestellt worden. Ein Weiterbau fand nicht statt.


Künstliche Sandeinträge sorgen für Sicherheit


In der folgenden Zeit machte man sich Sorgen über den Sandabtrag an der Westseite des Ellenbogens. Hauptsächlich befürchtete man, dass bei einem Durchbruch der Nordsee in den Königshafens, die Ostlage der Gemeinde bedroht werden würde. Die ständige Süd-Nord Strömung an der Westküste des Listlandes und die Sturmfluten waren die Ursache dazu. Es gab Überlegungen an der Westseite einen Deich zu bauen. Eine riesige, 1  500 Meter lange Betonbuhne war auch im Gespräch. Beide Maßnahmen hätten massive Eingriffe in die Naturlandschaft nach sich gezogen. Nach langen Diskussionen hatte man sich dann doch entschieden, mit künstlichen Sandeinträgen für die Sicherheit zu sorgen. Mit Sandvorspülungen und riesigen Sandsäcken (2 x 1,0 Meter) wurde versucht, die schmale Westseite des Ellenbogens zu schützen. Die Versuche mit diesen geotextilen, sandgefüllten Ballen, den Sandabtrieb zu bremsen, zeigten mangelhafte Ergebnisse. Die starke Strömung von Süd nach Nord hatte den Sandsäcken stark zugesetzt.

Das Aufspülen von Sand hat sich auch in diesem Küstenabschnitt als erfolgreicher erwiesen. Aus diesem Grund wurde Lister Weststrand in den letzten Jahren immer Sand aufgespült. Zu einem Durchbruch ist es bis heute nicht gekommen, doch der „Oberarm“ des heutigen Ellenbogens ist sehr schmal geworden. Der nördliche Teil des Ellenbogens, der „Unterarm“, wird überwiegend mit Sand aus dem Westküstenstrom aufgefüllt. An dieser Stelle sind Zuwächse zu verzeichnen. Den dramatischen Landverlust, wie an der Südspitze der Insel, wird man im Norden, am Ellenbogen, wohl nicht so bald erleben. Der Mövenbergdeich ist im Jahr 2012 nach über 30 Jahren Planungszeit erneuert worden. Er dient nun wieder wehrhaft zur Sicherheit der Ortslage Das Gebiet „Ellenbogen“ ist heute ein Stück Sylt mit einem hohen Freizeitwert. Es ist Naturschutzgebiet mit schönem Bewuchs, Dünen und Strände mit sehr viel Ruhe, zwei Wohngebäude werden genutzt, Feriengäste sind willkommen. Wassersportler haben den Königshafen als gutes „Revier“ entdeckt. Neben dem reichhaltigen Pflanzenbewuchs im Dünensand beleben die Schafe die Landschaft.Die Schafe haben im Listland Vorfahrt. Autofahrer müssen somit auf dem Ellenbogen auf zwei Besonderheiten achten, die freilaufenden Schafe, und die ochsenblutrote Hütte, bei der die Mautgebühr vor der Einfahrt in den Ellenbogen bezahlt werden muss.

Die Nachfahren von „Lille Peer“ (1654 - 1718), dem Eierkönig Peter Hansen, bewirtschaften das Gebiet des Ellenbogens heute als Miteigentümergemeinschaft. Ihr Land war im zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht enteignet worden. Nach dem Ende des 2.Weltkrieges gelang die Rückgabe nur nach einem langen Rechtsstreit mit der Bundesrepublik Deutschland, der 1958 endete. Als Ausgleich für die Enteignung wurde den Listlandeignern gestattet, einen Teil des Naturschutzgebiets als Bauland zu nutzen. Dazu wurde erlaubt für die Nutzung der Straße auf dem Ellenbogen eine Mautgebühr zu erheben.

Helge Jansen, initiierte im Jahre 2007 die Gründung der Stiftung Küstenschutz Sylt. Bis heute ist er der Vorsitzende der Stiftung.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Jun.2016 | 05:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen