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Sylter Rundschau

20. November 2017 | 04:59 Uhr

Von Möwengeschrei und Kulturverfall

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 11:05 Uhr

Wie sehr sich doch der Blick auf Mensch und Tier wandeln kann. Schauen wir auf die 1970er-Jahre und die kulturellen Hervorbringungen jener Zeit, dann fällt nicht nur auf, dass damals auf Sylt noch viel mehr Party und Jetset war, Gunter Sachs noch mit einer Höllenmaschine über die Insel jagen konnte und überhaupt alles viel unkomplizierter erschien. Nein, es wurde in jener Zeit auch noch ein Tier hoch geschätzt, das wir heute weder sehen, noch hören, geschweige denn riechen wollen. Ja, von der Möwe ist die Rede. Die Möwe ist zur Plage geworden, die es zu bekämpfen gilt.

Das war vor über 40 Jahren noch ganz anders. Als Möwe Jonathan kam der Vogel zu literarischen und cineastischen Ehren, wurde zum Symbol für Freiheit und Individualität, so dass sich wohl die Taube als Friedensvogel schon dachte, langsam den Dienst an der Menschheit quittieren zu müssen, weil alle Welt so sein wollte wie die Möwe.

Aktuell sind weder Tauben noch Möwen wohl gelitten, sondern als Schmutzmacher, Essensräuber und Geschiss-Abwerfer verhasste Flugobjekte, denen man nur zu gern die Landeerlaubnis entziehen würde. Da die Raubvögel aber sich ähnlich verhalten wie Putin, nämlich listig, schnell und gnadenlos, versucht der hilflose Mensch mit Tricks den Jonathan-Nachfolgern das Fürchten zu lehren. Die Sylter Lösung, den kreischenden Möwen mal mit Adler-Sound die Lust auf die Insel gründlich zu verleiten, wird mittlerweile bundesweit beachtet.

Eine Zeitung, die für große Bilder und kleine Text bekannt ist , „philosophiert“ in ihrer (ver-) knappen Art von der Sylter Möwen-Vertreibungsanlage und glaubt, dass wir bald von des Adlers Lauten genervt sein werden. Doch ganz so einfach tickt unsere Psyche nun auch nicht. Eher werden wir überlegen, was der niedliche Adler wohl gern futtert. Denn auch der Mensch möchte einen Freund, der ihm treu ergeben ist. Bei den Möwen hat es schließlich auch ganz gut geklappt ...

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