Strandgut : Von Lämmern, Möwen und Watt

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In der Kolumne "Strandgut" erzählt Melanie Steur-Fiener wie man lernt, Sylt zu verstehen - oder auch nicht

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30. März 2014, 16:35 Uhr

Sylt. Die Königin der Nordsee, die Insel der Schönen und Reichen und so weiter, und so fort. Nur weil einem die gängigen Synonyme vertraut sind, muss es die Insel noch lange nicht sein. Und selbst wer Sylt kennt, muss Sylt auch erstmal verstehen. Klingt einfach, ist es aber nicht – wie eine junge Frau in List neulich feststellen musste. Im Urlaubsmagazin las sie unter „Wissenswertes“, dass die Lammzeit Ende März beginnt und etwa sechs Wochen dauert. Seit Tagen läuft nun die arme Frau durch List und sucht nach Lämmern. Vergebens. Der Urlaub jetzt ist jedenfalls hin. Der Bauer hätte doch echt mal Rücksicht nehmen können und sich das Magazin mal ordentlich durchlesen, damit er weiß, wann er Lämmer zu liefern hat.

Ebenso unverständlich erscheint einigen Jugendgruppenleitern die Tatsache, dass eine Wattwanderung nicht zu jedem x-beliebigen Zeitpunkt stattfinden kann. Obwohl diese doch auch in den Urlaubsmagazinen als einmaliges Naturerlebnis, das nicht verpasst werden darf angepriesen werden.

Dass sich die Wattführer nach dem Gezeitenkalender richten, steht nicht drin. Ist aber eine nicht zu unterschätzende Tatsache. Andererseits könnten auch sie deutlich flexibler sein. Ein Spazierang am Wattrand mit Tauchausflug zum Wattwurm hätte doch auch was.

Nicht angepriesen, dafür verboten wird das Füttern von Möwen. Obwohl einem beim Füttern die Vögel doch endlich mal so nah sind, dass Vati mit seiner neuen Kamera das perfekte Urlaubsfoto schießen kann. Und so ein paar Krümel, die machen doch nix. Einer Urlauberin in Westerland sind die Viecher dagegen ein Dorn im Auge. Seit Stunden sitze eine Silbermöwe auf ihrer Balkonbrüstung, klagt sie einem Service-Mitarbeiter am Telefon ihr Leid. Der gibt den Tipp, die Möwe doch einfach sitzen zu lassen. Aber sie traue sich gar nicht auf den Balkon. Der junge Mann spricht ihr Mut zu, einfach nach draußen zu gehen und im Notfall die Möwe zu vertreiben. Vielleicht per Klatschen. Die Frau ist entsetzt. Damit erschrecke sie doch die Möwe, die dann aus dem dritten Stock fallen würde.

Manchmal muss man Sylt vielleicht gar nicht verstehen, sondern einfach nehmen, wie es ist.

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