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Von einer Kliff-Verwechslung und viel Dramatik

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Die neue Ausstellung "Von Insel zu Insel" im Heimatmuseum zeigt Syltmotive aus dem Föhrer Museum Kunst der Westküste / Ulrich Schulte-Wülte erzählt die Entstehungsgeschichte der Gemälde

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Keitum | Kritisch beobachtet Professor Ulrich Schulte-Wülwe, wie Sven Lappoehn und Petra Mainusch ein großes Gemälde im üppig verzierten Goldrahmen an die Wand des Heimatmuseums hängen. Zu sehen sind bedrohlich aufgetürmte Wolken, ein vom Sturm aufgepeitschtes Meer und einige vereinzelte Sonnenstrahlen, die durch die Wolkendecke brechen. "Ein bisschen höher noch", dirigiert Schulte-Wülwe. "Der Horizont muss auf gleicher Höhe sein mit dem des Bildes daneben."

Der Kunstkenner ist genau der richtige Mann für diese Ausstellung. Schließlich ist der ehemalige Museumsdirektor aus Flensburg heute Aufsichtsratsvorsitzender des Museums Kunst der Westküste auf Föhr und langjähriger Berater des Sylter Heimatmuseums. Da lag es nahe, für das Keitumer Heimatmuseum eine Ausstellung zu konzipieren, die die Syltmotive aus dem Museum Kunst der Westküste zeigt. "Auf Föhr haben wir eine Sammlung mit über 400 Bildern. Die kann man niemals alle zeigen, deshalb lagert eine große Anzahl im Magazin. Dort waren auch diese 16 Bilder mit Sylt-Bezug.", erzählt Schulte-Wülwe.

Alle Bilder stammen aus der Zeit zwischen 1870 und 1930. "Das war eine Zeit, in der Sylt von den Künstlern entdeckt wurde", so der Professor. Der erste Maler war Hans-Peter Feddersen, der aus der Nähe von Niebüll stammt und seine Künstler-Freunde auf das Potenzial der Insel aufmerksam gemacht hat.

Und viele weitere folgten: Da war zum Beispiel Georg Busse, der eigentlich immer nur malen wollte, aber dessen Vater Hans dann das Hotel Miramar eröffnete und seinen Sohn so sehr ins Hotel-Geschäft eingebunden hat, dass der nie wieder zum Malen kam. Oder Hans Bordt, der ursprünglich der Lieblingsmaler des deutschen Kaisers war, weil er dessen Kriegsschiffe so gut in Szene setzen konnte. Als der Krieg dann vorbei war, kam Bordt häufig nach Sylt und machte wunderschöne Brandungsstudien. Viele Künstler blieben auch auf Sylt, weil sie sich in die Insel oder eine Insulanerin verliebt hatten.

Aber egal warum oder wie lange die insgesamt über 800 Maler auf die Insel kamen - ihr aller Augenmerk lag auf den Farb- und Lichtstimmungen, auf dem ewigen Drama von Wolken, Sonne, Landschaft und Meer. "Schließlich gab es zu der Zeit noch keine Farbfotografie und die Künstler waren fasziniert vom Licht- und Wolkenspiel auf der Insel Sylt." In der Regel malten sie direkt in der Natur. Es musste dann sehr schnell gehen, schließlich verändern sich Himmel und Licht auf Sylt ständig und schnell mischt sich fliegender Sand mit den Farben. "Deshalb wurden meist innerhalb von einer halben Stunde Studien angefertigt, die dann in den Ateliers der Großstädte für große Bilder verwendet wurden", erklärt Schulte-Wülwe.

Ein gutes Beispiel dafür ist ein Gemälde von Emil Neumann. In der Ausstellung hängt das großformatige Bild als Blickfang direkt gegenüber der Eingangstür, und zieht den Besucher förmlich in den Raum. Zu sehen ist ein Schiffswrack vor dem Morsum-Kliff an einem düsteren, stürmischen Tag. Schiffsbrüchige tragen ihre Habseligkeiten an Land und eine Möwe kämpft gegen den Wind. "Sowohl das Wrack als auch die Menschen und sogar die Möwen entspringen der Fantasie des Künstlers", erzählt Ulrich Schulte-Wülwe.

Woher er das so genau weiß? "Vor Jahren habe ich im Kunsthandel in Kassel ein Bild mit dem Titel Dünenlandschaft auf Rügen entdeckt. Ich sagte zu den Leuten: Ihr seid noch nie auf Sylt gewesen! Das war ganz klar das Morsum Kliff." Auch wenn das Kasseler Bild eine wesentlich positivere Grundstimmung aufweist und wenn die Möwen, das Wrack und die Schiffsbrüchigen fehlen - es ist eindeutig als Vorlage für das Gemälde zu erkennen, das jetzt im Keitumer Heimatmuseum hängt. "Das Bild in Kassel war die Studie, auf der dieses Gemälde mit dem Wrack basiert", so Schulte-Wülwe.

Nicht alle Bilder in der Ausstellung sind so dramatisch, aber der Betrachter erkennt vieles wieder. Da wurden vor über hundert Jahren die sanften Dünenlandschaften im Norden der Insel, das idyllische Landleben im Osten und das Kampener Quermarkenfeuer auf Leinwand gebannt.

Die Ausstellung ist deshalb für alle Syltliebhaber geeignet - egal ob Gast oder Insulaner. Dass es zu einer Konkurrenzsituation zwischen dem Museum Kunst der Westküste und dem Heimatmuseum kommt, daran glaub Sven Lappoehn, Geschäftsführer der Sölring Foriining, nicht. "Beide Museen sprechen jeweils die Urlauber auf den jeweiligen Inseln an. Die meisten kommen ja ohnehin wegen der Natur und dem Meer", erklärt er. "Aber wenn man weiß, dass eine Region so viele Künstler angelockt hat, dann erwartet man auch, ihre Bilder zu sehen." Höchstens, so ergänzt Schulte-Wülwe, könnten sich die Sylter darüber ärgern, dass es auf Föhr ein so großes, privat finanziertes Museum gibt und auf Sylt nicht. "Leider ist aus der Idee, auf dem Gelände der Keitum-Therme ein Museum zu bauen, ja bis jetzt noch nichts geworden."

Sven Lappoehn sieht die Ausstellung "Von Insel zu Insel" als Auftakt für eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den Museen auf Sylt und Föhr. Beide Museen haben eine neue Museumsleiterin bekommen, die sich untereinander gut kennen. Und das, so fasst Ulrich Schulte-Wülwe zusammen, "sind doch die besten Voraussetzungen".

Die Ausstellung "Von Insel zu Insel" wird am heutigen Freitag ab 19 Uhr mit einer Vernissage im Sylter Heimatmuseum eröffnet. Die Einführung macht Ulrich Schulte-Wülwe. Danach kann die Ausstellung bis zum 20. Oktober täglich an den Wochentagen von 10 bis 17 Uhr und an Sonnabenden, Sonntagen und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr besichtigt werden.

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