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Sylts Casino-Debatte : Vom Westerländer Rathaus in den Lister Bauhof?

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

List Vegas? Der Lister Tourismusdirektor hätte das Westerländer Casino gern im Inselnorden. Die Betreiber sagen: Wir bleiben im Westerländer Rathaus oder gehen von der Insel runter.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2013 | 06:00 Uhr

List | Das nördlichste Casino Deutschlands, das List Vegas Schleswig-Holsteins – werbewirksame Slogans für ein Casino im Insel-Norden liegen auf der Hand. Nicht nur deshalb spielt Lists Tourismusdirektor Boris Ziegler im Kopf schon einmal durch, was passieren könnte, wenn die Gemeinde Sylt den Pachtvertrag für das Casino im Westerländer Rathaus nach 2015 wirklich nicht verlängert. Darüber hatte der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt diskutiert.

Bevor es komplett von der Insel verschwindet, könnte das Casino dann doch nach List ziehen, findet Ziegler. Als Standort schwebt ihm der momentane Bauhof vor, der beim möglichen Bau einer neuen Lister Feuerwache zur Verfügung stünde. „Das Casino hat sich in Westerland jahrelang gehalten - es scheint also ein Bedarf vorhanden zu sein“, argumentiert Ziegler. Er geht davon aus, dass sich die Besucherzahlen auch am Insel-Ende halten lassen – „Wir sind schließlich der viertgrößte Ort auf Sylt.“ In List könnte man auch durch die erstarkende Kooperation mit der Röm-Touristik vermehrt spielfreudige Dänen anlocken. Alles nur Gedankenspiele, betont Ziegler. In der Gemeindevertretung, in der er den „List Vegas-Plan“ schon einmal nebenbei vorgestellt hat, seien die Reaktionen auf jeden Fall nicht ablehnend gewesen, so der Tourismusdirektor.

Das sieht allerdings bei den Betreibern des Casinos anders aus: „Unser Fokus liegt ganz klar auf dem Westerländer Rathaus“, betont Geschäftsführer Matthias Hein. Eine Alternative zu diesen Räumlichkeiten gäbe es auf Sylt nicht: „Entweder dort, oder gar nicht.“ Nur dort sei die Nähe zum Bahnhof gegeben, nur dort gäbe es die prominente Lage – und vor allem sei es einfach zu teuer, jetzt zu einem anderem Standort zu wechseln: „Um jetzt wieder bei Null anzufangen, müssten wir zu viel investieren - das würden wir nicht machen“, erklärt Hein. In Zeiten von Online-Poker haben Spielbanken einen schweren Stand: „Finden Sie mal jemanden, der heutzutage noch ein Casino eröffnet“. Deshalb richtet die Spielbank SH GmbH ihre fünf Standorte vermehrt nach dem „Clubsino“-Konzept aus: Dabei soll nicht das Klientel der klassischen Zocker angesprochen werden, „die ohnehin im Online-Bereich bedient werden“, sondern Menschen, die sich einen netten, stilvollen Abend im Casino mit Bar und Entertainment gönnen wollen. Daddelhallen für Dänen passen in dieses Konzept nicht.

Dass auf Sylt ernsthaft überlegt wird, die örtliche Bücherei in den Räumen des Casinos unterzubringen, ärgert Hein massiv: „Will man die schöne Lage ernsthaft dafür nutzen, dort alte Bücher zu lagern?“ Zudem wüsste er gern, wie viel die Gemeinde durch die Bücherei erwirtschaftet. Vom Casino flössen jedenfalls jährlich rund 200.000 Euro Spielbankabgabe ins Gemeindesäckle, zusätzlich zu bis zu 80000 Euro Miete: „Da würde ich mir bei einigen Gemeindevertretern etwas mehr Pragmatismus wünschen.“ Wie auch immer die Zukunft des Westerländer Casinos aussehen wird, die die Gemeindevertretung in der nächsten Sitzung diskutiert,: In List liegt sie offenbar nicht.

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