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Christian Wolff auf Sylt : Vom Förster zum Sylter

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Schauspieler Christian Wolff (Forsthaus Falkenau) und seine Frau Marina waren über 30 Jahre lang nicht mehr auf der Insel – und doch sofort wieder begeistert.

Die Rolle eines Försters machte Christian Wolff (78) zum Star. „Forsthaus Falkenau“ wurde mit ihm zum Quotenerfolg und schließlich zur längsten Vorabendserie Deutschlands. Doch der 1938 in Berlin geborene Schauspieler und Absolvent der Max-Reinhardt-Schule war in weitaus mehr Rollen im Fernsehen und am Theater zu sehen. Seine Stimme kennt jeder – nicht zuletzt als Synchronstimme von Alain Delon, Pierre Brice und Anthony Perkins.

Gestern Abend trug er im Rahmen des Kampener Literatur- und Kultursommers im Kaamp-Hüs Gedichte und Satiren von Erich Kästner und Ephraim Kishon vor. Wir trafen ihn und seine Frau Marina im Kampener Landhaus Südheide.

Herr Wolff, während Sie in Kampen Kishon und Kästner vortragen, läuft im Kino Ihr neuer Film „Treppe aufwärts“ an. Haben Sie trotzdem etwas Zeit mitgebracht?

Wir sind nur drei Tage da, länger geht’s leider nicht wegen unseres Hundes, der zu Hause Hundesitter braucht, wenn wir weg sind. Die können wir aber nicht zu lange strapazieren.

Konnten sie ihn denn nicht mitbringen?

Nein, weil wir vorher zur Filmpremiere nach Berlin fliegen mussten. Wir sind gestern auf Sylt angekommen, aber ich hab das Gefühl, ich wär schon ein paar Tage da.

Marina Wolff: Das ist die Champagnerluft ...

Worum geht es in dem Film?

Das ist eine Geschichte um Spielsucht, über drei Generationen erzählt, und produziert von meinem Sohn Patrick. Ich spiele den Großvater, der mit seiner Spielsucht seine gesamte Familie, auch die seines Sohnes, ruiniert hat, aber davon nicht mehr allzuviel weiß, weil er dement ist. Immer, wenn er im Haus irgendwo Geld findet, geht er in die Spielothek und versucht sein Glück. Das wird erzählt über den Sohn und das Enkelkind, das bei der Mutter aufwächst, weil auch die Ehe durch die Spielsucht des Großvaters zerstört wurde. Auch der Sohn treibt sich in Spielotheken herum, doch es stellt sich schnell heraus, dass er auf einem kriminellen Weg ist – er manipuliert die Spielautomaten, um mit dem Gewinn daraus die hohen Schulden seines dementen Vaters zu tilgen. Also ein Drama, kein leichter Stoff. Ein Happyend gibt es nicht, höchstens ein gedankliches.

Marina Wolff: Der Film ist schon auf vielen Festivals gelaufen und sehr gut angenommen worden.

Ein Drama ist nicht unbedingt das, wofür sie bekannt sind – das TV-Publikum liebt sie als Förster Martin Rombach.

Stimmt, viele Menschen werden mich zunächst nicht erkennen. Dabei habe ich am Anfang meiner Filmkarriere in den 50er und 60er Jahren eine ganze Menge Rollen gespielt, die nicht der romantische Träumer waren. Aber kein Mensch außer dem Produzenten, in dem Fall Patrick Wolff, hätte mir diese Rolle angeboten, weil sie total gegen das ist, womit ich mich in den letzten Jahren im Fernsehen rumgetrieben habe. Dabei waren es sogar zwei Kinofilme innerhalb kürzester Zeit. Eine Woche vorher ist ja schon „Hannas schlafende Hunde“ angelaufen, auch ein Drama. Da geht es um die nicht bewältigte Vergangenheit des Judenhasses in einer österreichischen Kleinstadt in den 60er Jahren. Dieser Film ist gerade auf dem Filmfestival in Shanghai gelaufen und hat den Preis für das beste Drehbuch bekommen.

Was war ihr erstes Erlebnis, wenn sie an Sylt denken?

Marina Wolff: Das musst Du erzählen. Du hast doch einen Wettbewerb gewonnen, damals als Jüngling.

Ich war mit 17 Jahren hier, mit dem Fahrrad aus Berlin, ohne Geld auf dem Campingplatz südlich von Westerland. Da habe ich dann bei einem Gästewettbewerb teilgenommen, vielleicht im Kursaal, und eine Parodie auf Freddy Quinn gesungen – und ich glaube, sogar gewonnen. Das ist meine erste Erinnerung an Sylt. Später war ich noch oft auf Sylt. Meine Frau und ich haben uns vor über 40 Jahren kennengelernt, waren dann oft auch noch gemeinsam hier. Dann wurde unser Sohn Patrick geboren und wir suchten einen Ort, an dem es wärmer und milder ist, und landeten auf Korsika. Als er dann vier oder fünf Jahre alt war, waren wir mit ihm hier auf Sylt, aber er fand das grauenvoll. Das Meer, die Quallen, der weite Weg mit den Spielsachen zur Buhne 16 – das hat ihm nicht gefallen. Wir sind dann wieder nach Korsika gefahren. Dann hab ich die Taucherei angefangen und damit war Sylt für uns erstmal erledigt, denn das ideale Tauchrevier ist die Nordsee nicht.

Aber irgendwann ging es doch wieder aus dem Chiemgau in den Norden?

Letztes Jahr hatte eine Freundin von uns 80. Geburtstag – Dorothee Windfuhr. Viele ältere Insulaner werden den Namen noch wissen, weil ihr Mann ein bekannter Inselarzt war. Wir kamen nur für ein paar Tage, aber die Atmosphäre dieser Insel hat uns sofort wieder gefangen genommen. Mein Gott, warum waren wir 30 Jahre lang nicht da? Dann habe ich Frau Friese vom Tourismus-Service kennengelernt und so kam der Kontakt zum Kampener Kultursommer zustande.

Wie hat sich die Insel in ihren Augen verändert – zum Vorteil oder zum Nachteil?

Wir sind beide der Meinung, dass diese Insel im Moment nicht den schlechten Ruf verdient, den sie zumindest bei uns im Süden hat. Wenn man von Sylt spricht, heißt es, da kann man nicht mehr hin, da ist nur noch Schickimicki. Stimmt ja alles gar nicht. In den 60er und 70er Jahren, als ich hier als Junggeselle unterwegs war, waren die so genannten Schickimickis zahlreicher vertreten als heute. Die Sylter Kurdirektoren sollten aufpassen, dass dieser Trend für die Insel nicht schädlich wird, und etwas dagegen unternehmen.

Wird man sie und ihre Frau nun häufiger hier antreffen?

Also, wir sind jetzt wieder da und wir arbeiten schwer daran, dass wir bald mal wieder einen richtigen Urlaub auf der Insel haben werden. Dieses Jahr nicht mehr, aber für nächstes Jahr ist es fest eingeplant.

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erstellt am 24.Jun.2016 | 05:39 Uhr

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