Sylter Küstenschutz : Vom Entstehen der Sylter Inselenden

Die geschützte Bucht im Inneren der „Ellenbogens“ – der so genannte Königshafen – wurde in vergangenen Jahrhunderten als Anlegestelle für Schiffe geschätzt.
1 von 3
Die geschützte Bucht im Inneren der „Ellenbogens“ – der so genannte Königshafen – wurde in vergangenen Jahrhunderten als Anlegestelle für Schiffe geschätzt.

In der heutigen Folge unserer Serie „Syltschützer“ geht es um die Ausformungen, die von den natürlichen Kräften der Natur rund um die Insel geschaffen worden

shz.de von
05. Dezember 2017, 05:49 Uhr

Eine Insel hat im Idealfall keine Enden – zumindest, wenn sie rund ist. Das ist aber sehr selten der Fall. Inseln haben unterschiedliche Formen, geformt von natürlichen Einwirkungen, sieht jede Insel anders aus. Die Inseln im Nordfriesischen Wattenmeer sind dafür ein gutes Beispiel. Die Insel Föhr sieht am ehesten rund aus, die Insel Pellworm eher tropfenförmig. Die Insel Nordstrand war auch einmal recht rund, bis sie „künstlich“ zur Halbinsel wurde. Die beiden westlichen Inseln, Amrum und Sylt, dagegen haben lange, gestreckte Formen. Die Wasserströmungen im Wattenmeer haben die heutigen Formen dieser sandigen Inseln verursacht. Dabei sind auch die Inselenden entstanden.

Wind und Wellen haben dem weichen Sand immer wieder zugesetzt und so kam es zu den heutigen Formen. Bei der Insel Amrum ist seit dem Jahr 1919 das südliche Ende „festgelegt“ worden. Das nördliche Ende von Amrum ist zu einer schlanken, ins Meer ragende Landzunge geformt worden. Bei uns im Norden nennt man solche Landzungen auch „Odde“ oder „Aad“.

Die Insel Sylt hat im Laufe der Jahrhunderte sogar drei Inselenden erhalten. Den „Ellenbogen“ im Norden, die „Nösse“ im Osten der Inselmitte und im Süden bei Hörnum die „Odde“ Diese Ausformungen sind von den natürlichen Kräften um die Insel herum geschaffen worden. Bei der „Nösse“ in Morsum hätte die Natur möglicherweise noch weitere Veränderungen verursachen können, durch den Bau des Hindenburgdamms wurde die Umspülung des östlichen Insel Endes jedoch gebremst. Durch die Bauunterhaltung des Dammes und der Deichanlage (Nösse-Deich) im südöstlichen Teil der „Nösse“ ist die Veränderung relativ gering geblieben. Im nördlichen Bereich gibt es keinen Deich, das Morsum-Kliff bildet mit seinem mächtigen lehmigen Kern einen guten natürlichen Schutz. Doch auch hier nagt das nicht immer ruhige Wattenmeer an der Substanz.

Der recht eigentümliche Ausformung des „Ellenbogens“ im Norden von Sylt haben die Menschen in den früheren Jahren lange Zeit keine besondere Beachtung geschenkt. Die geschützte Bucht im Inneren der „Ellenbogens“ wurde als Anlegestelle für Schiffe geschätzt. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die preussische Regierung, sich um die Bestand des nördlichen Endes der Insel Sylt zu kümmern. Es wurden verschiedene Schutzmaßnahmen wie Basaltdeckwerke oder Buhnen gebaut. Von einer Festlegung des Inselendes hatte man abgesehen. In der heutigen Zeit ist man über die Strömungseigenarten um den Ellenbogen herum besser informiert.

Man weiß, dass enorme Sandmassen im Unterwasserbereich von Süden um den Ellenbogen herum an dessen Nordseite abgelagert werden. Diese Sandmassen sind dort dem Wechsel der Gezeiten im Lister Tief ausgesetzt. Der zum Ende des letzten Jahrhunderts diskutierte Bau einer langen Betonbuhne vom Inselende bis ins Lister Tief hinein ist recht bald verworfen worden. Hauptsächlich, weil nicht klar war, ob ein solches Bauwerk wirklich den Bestand des „Ellenbogens“ sichern kann. Die heute praktizierten Sandaufspülungen im westlichen Bereich des Inselendes wirken positiv.

Das südliche Ende der Insel ist vor langer Zeit auch als „Odde“ aus geformt worden. Dieser Teil von Sylt war in früheren Jahrhunderten kaum bewohnt. Die Ansiedlung in diesem Abschnitt der Insel war durch die ständigen Veränderungen der Landschaft durch Wanderdünen und Stürme ungemütlich. In jenen Jahren wurde kaum beachtet, dass sich die Insel Sylt immer weiter nach Süden verlängerte. Erst der Bau einer Anlegebrücke, um den Seebäderverkehr in der Inselmitte zu beleben, sorgte für die Entstehung des Ortes Hörnum. In der Zeit ist auch der Leuchtturm errichtet worden. Die natürlichen Veränderungen um das Inselende herum wurden nun mehr wahrgenommen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde Hörnum gegründet. Die kleine Gemeinde wuchs recht schnell. Dieses wurde durch den Tourismus, aber auch durch einen Standort der Bundeswehr gefördert. Durch starke Sturmfluten, die besonders zum Ende des letzten Jahrhunderts erlebt wurden, sorgten sich die Hörnumer um ihre Lebensgrundlage. Ebenso wie im Norden wurde auch in Hörnum über eine lange Buhne aus Beton diskutiert. Die „Sichelbuhne“ sollte 500 Meter ins Meer hinaus ragen. Auch bei diesem Vorschlag war man sich bei der Wasserbaubehörde nicht sicher, ob ein solches Bauwerk den Bestand des Inselendes wirklich sichert. Das mag eine richtige Entscheidung gewesen sein, denn auch der Einsatz hunderter „Tetrapoden“ als Dünensicherung und Querwerk hat die Erosion der Insel nicht wirklich stoppen können.

Dazu muss beachtet werden, dass es der Natur auf einmal gefallen hat, die Insel nicht mehr weiter nach Süden wachsen zu lassen. Seit einigen Jahren biegt die „Odde“ nach Osten ab. Das südliche Ende der Insel Sylt ist zur Zeit der Teil der Insel, an dem man die Einwirkungen der natürlichen Kräfte am deutlichsten beobachten kann. Durch die Praxis der Sandaufspülungen hat man die Ortslage stabilisieren können.

An den Enden unserer Insel sieht es eigentlich ganz gut aus. Wir werden die Veränderungen, die die Natur verursacht, jedoch aufmerksam weiter zu beobachten haben. Wenn man dann mit unseren Küstenschutz-Mitteln Ausgleich schafft, kann man gut mit und in der Natur leben.

Helge Jansen initiierte im Jahre 2007 die Gründung der Stiftung Küstenschutz Sylt. Bis heute ist er der Vorsitzende dieser Stiftung.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen