Vom Baum des Geigenbauers

Das Orchester begeisterte das Publikum.
Das Orchester begeisterte das Publikum.

Die Musikschule präsentierte „Der Geigenbauer von Venedig“

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19. März 2014, 10:26 Uhr

Zu Literatur und Musik lud am Dienstagnachmittag die Musikschule Sylt. Zum Vortrag kam die fantasievolle Erzählung „Der Geigenbauer von Venedig“ von Claude Clement, die vom Orchester der Musikschule (Leitung: Robert Scheewe) begleitet wurde: vor vollem Haus und begeisterten Publikum, das mit (Zwischen-)Beifall nicht geizte. Stefan Hartmann saß am Lesepult und verstand es durch seinen Vortrag, den Text zum Klingen zu bringen. „Es war einmal in einer kleinen Gasse in Venedig...“ so der Beginn. Da konnte man im Saal eine Stecknadel fallen hören. Selbst die jüngsten Zuhörer lauschten gespannt.

Erzählt wird vom Baum im Garten eines Geigenbauers, der eines Tages stirbt: „Als der Frühling anbrach, wuchsen ihm keine Blätter mehr“. Der alte und lebenssatte Instrumentenmeister schlägt den Baum um, lagert sein Holz und baut daraus – quasi als Vermächtnis eines langen Handwerkerlebens – „das makelloseste Violoncello, das jemals seine Hand verlassen hatte“.

Die Musik, die bereits zu Beginn der Veranstaltung zur rechten Einstimmung geriet, unterbrach an markanten Stellen Hartmanns ansprechenden Erzählfluss. Sie löste jeweils mit Tönen von Telemann und Vivaldi die Spannung und schien mit ihren Klängen, mal lebhaft und beschwingt, dann wieder geradezu melancholisch, des Gehörte zu deuten. Vorgetragen von einem Orchester übrigens, das sich sowohl mit Ernst als auch mit Konzentration dem Spiel hingab und (erfreulich) mit manch jugendlichem Akteur besetzt war.

Das Bühnenbild zeigte venezianische Szenen, einen Gondoliere, Stadtansichten oder den Markuslöwen. Und natürlich einen in hellem Gold erstrahlenden Baum als den handgreiflichen Verweis auf die Geschichte. Daneben eine stimmungsvolle Dekoration des großen Flügels mit Utensilien aus der Werkstatt eines Instrumentenbauers.

Das Ende der Geschichte: märchenhaft und belehrend zugleich. Ein junger Musiker, an dem (bedingt durch den Karneval) alles künstlich und nichts authentisch ist, vermag dem Instrument nicht einen Ton zu entlocken. Erst nachdem er sich aller maskenhaften und geschminkten Verzierungen entledigt und sein gekünsteltes Selbst überwindet, gelingt ihm eine „Musik, die bezaubernder war als alle Klänge“ bisher.

Den lang anhaltenden Applaus hatten sich alle Beteiligten verdienten.

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