Volkszählung: Sylt verliert 2 269 Einwohner

Ergebnis der Volkszählung 2011: Inselweit werden die amtlichen Einwohnerzahlen nach unten korrigiert, in List um stolze 39.8 Prozent

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01. Juni 2013, 03:59 Uhr

Sylt | Auf einen Schlag hat die Insel gestern 2 669 Einwohner verloren. Allerdings nicht durch einen Massenexodus, sondern durch die Neufestlegung der amtlichen Einwohnerzahlen. Grundlage dafür ist die Volkszählung (Zensus) aus dem Jahr 2011, deren Ergebnisse gestern vom Statistikamt Nord bekanntgegeben wurden.

Bislang galt für die offizielle Einwohnerzahl die Volkszählung von 1987, die seither für jede Gemeinde fortgeschrieben wurde, also um Geburten und Zuzüge ergänzt sowie Sterbefälle und Fortzüge reduziert wurde. Laut dieser Fortschreibung hatte Sylt am 30. April 2011 offiziell 20 851 Einwohner mit erstem Wohnsitz in einer der fünf Inselgemeinden. Laut Zensus waren es jedoch nur 18 183 (minus 12,8 Prozent).

Erwartungsgemäß am größten ist die Abweichung des Zensus-Ergebnisses von der bisherigen amtlichen Einwohnerzahl in der Gemeinde List. Hier sinkt die Zahl von 2 574 auf 1 549, was dem landesweit höchsten Einwohnerschwund einer Gemeinde um 39,8 Prozent entspricht. Für Bürgermeister Wolfgang Strenger keine Überraschung: "Angesichts unseres Melderegisters haben wir ja seit Jahren gewusst, dass die amtliche Zahl nicht stimmt." Er rechnet damit, dass die Gemeinde künftig bis zu 300 000 Euro weniger an Schlüsselzuweisungen erhalten könnte, im Gegenzug aber auch geringe Umlagen zahlen muss. Strenger: "Unser Ziel muss es sein, unsere Einnahmen konstant zu erhöhen."

Mit 16,1 Prozent Rückgang (von 608 auf 510) folgt Kampen im Insel-Ranking auf dem zweiten Platz, gefolgt von Hörnum mit 12,7 Prozent (904 statt 1 035). In der Gemeinde Sylt beträgt die Differenz 1 346 Einwohner, deren Zahl fällt um 8,9 Prozent auf nur noch 13 811. Am besten schneidet die Gemeinde Wenningstedt-Braderup ab, wo der Rückgang lediglich 4,7 Prozent (1 408 statt 1 477) beträgt.

Welche Auswirkungen diese deutliche Korrektur der amtlichen Einwohnerzahlen hat, ließ sich gestern noch nicht genau sagen. Zumindest beim kommunalen Finanzausgleich, der sich unter anderem an der Einwohnerzahl bemisst, wird das Land in diesem und wohl auch im nächsten Jahr noch ein Auge zudrücken. Bereits kurzfristige Veränderungen könnte es mit Beginn der neuen Legislaturperiode hingegen bei den Aufwandsentschädigungen für einige kommunalpolitische Ehrenämter geben, da einige Gemeinden und das Amt Landschaft Sylt bestimmte Grenzwerte unterschreiten. Obwohl die Gemeinde Sylt unter die 15000-Einwohner-Marke sinkt, wird es auch weiter eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte geben, da diese auch für die Amtsgemeinden zuständig ist.

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