Vier Wochen lang die Lupe aufgelegt

Die letzten Klicks, die letzten Posts - Tom auf Sylt fährt heute nach Hause.  Foto: Steur
Die letzten Klicks, die letzten Posts - Tom auf Sylt fährt heute nach Hause. Foto: Steur

Der Profi-Urlaub von Tom ist zu Ende / Die vielen Begegnungen mit Menschen, die auf der Insel leben, haben ihn am meisten beeindruckt

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04. August 2012, 09:35 Uhr

Sylt | Profi-Urlauber Tom Tautz (36) ist nach vier Wochen auf Sylt auf dem Weg nach Hause. Den ganzen Juli über hat er andere Syltfans an seinem Urlaub auf der Insel teilhaben lassen - und das rund um die Uhr. SR-Redakteurin Melanie Steur hat Tom an seinem letzten "Urlaubstag" getroffen und mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen.

Nach einem Urlaub auf Sylt fühlen sich die allermeisten Menschen erholt und fit für ein Jahr Arbeit, bevor der nächste Sylt-Aufenthalt ansteht. Wie sieht’s bei dir aus?

Tom Tautz: (lacht und reibt sich die Augen) Erholt oder erschöpft, es ist weder das Eine noch das Andere. Was überwiegt ist ein Gefühl des Erfüllt-Seins. Gut, Schlaf habe ich nicht immer richtig viel abbekommen, aber damit kann ich gut leben.

Du kennst die Insel seit 35 Jahren. Was für ein Bild hast du von Sylt nach deinem Profi-Urlaub?

Ehrlich gesagt hätte ich nicht damit gerechnet, noch so viel Neues kennen zu lernen. Ich ging auch vorher davon aus, dass es mehr um die Insel selbst geht, um die Natur und so weiter. Stattdessen ging es bei mir jetzt vor allem um die Menschen. Und zwar gar nicht in erster Linie um Touristen, sondern um die Menschen, die hier schon ewig leben und einfach zu Sylt dazu gehören. Ohne die ein Stück Insel fehlen würde.

Das wären zum Beispiel?

Krabbenfischer Paul Walter, mit dem ich sehr viel Zeit verbracht habe. Surflehrer Kalle Schmidt mit seiner Lebensenergie. Die Stunden am Strand mit ihm waren der Wahnsinn. Kampens Strandchef Greg Baber mit seiner Lebensgeschichte, der mega-kreative Jens Rittmeyer vom KAI3 und natürlich Kapitän Falk Eitner, von dem ich einen ganz tollen Lebenstipp mit auf den Weg bekommen habe. Hört sich jetzt in einer ganz anderen Situation vielleicht komisch an, aber ich hab mir den Tipp gemerkt: Wenn du Probleme hast, guck auf den Horizont und schmeiß alles, was dich belastet, einfach rüber. Hinter dem Horizont ist nämlich jede Menge Platz.

Was wirfst du hinter den Horizont?

(denkt kurz nach) Probleme, die keine sind, einen aber trotzdem beschäftigen, obwohl es keinen Grund gibt.

Deinen Profi-Urlaub konnte man getrost als Knochenjob bezeichnen. Richtig? Zumindest wenn man nach dem geht, was du in deinem Blog und auf Facebook veröffentlicht hast...

Die Taktung an Terminen, die wir in den ersten zwei Wochen hatten, wäre für die gesamten vier Wochen nicht machbar gewesen. Wir haben das deutlich runter geschraubt. Aber klar hatte ich keinen nine-to-five-Tag. Das wollte ich ja auch gar nicht, wir wollten ja möglichst viel miterleben. Die große Schwierigkeit bei all den Terminen waren eigentlich die Live-Berichte. Denn wenn du so richtig mit jemandem im Gespräch bist und dann noch mal eben schnell was posten möchtest, streikt just dann die Verbindung und außerdem ist die Stimmung im Gespräch dann kaputt.

Was war für dich am beeindruckendsten, unerwartetsten?

Ich bin durchweg auf nette Menschen getroffen. Ich hatte irre viele Gesprächspartner, oft war das Treffen nur kurz, aber immer interessant und ich bin wirklich kein einziges Mal auf irgendeinen Arsch getroffen. Ganz toll war es zum Beispiel auf dem Tinnumer Dorffest. Viele Leute, vor allem Sylter, haben mich erkannt. Einige haben mir auf die Schulter geklopft und sich über die Tom-auf-Sylt-Aktion gefreut.

Dein Profi-Urlaub hat auf der Insel größere Resonanz erfahren, als bei potenziellen Touristen auf dem Festland?

Hmm, ich würde sagen, es hält sich die Waage. Überraschend fand ich die vielen und vor allem positiven Reaktionen der Sylter. Ich dachte eher, die hauen mir das Ganze um die Ohren, von wegen, jetzt kommt da noch ein Touri mehr, dabei haben wir mehr als genug - aber ganz im Gegenteil. Bei den Zugriffszahlen auf Facebook zum Beispiel haben wir gesehen, dass viele Fans aus Norddeutschland kommen, aber eben auch aus Berlin, Köln oder München.

Wie hat sich dein Bild von der Insel durch deine Arbeit verändert?

Es ist nicht unbedingt ein komplett neues Bild geworden, sondern eher besser, also detaillierter. Ich durfte Sylt so ein bisschen die Lupe auflegen und die Menschen, die hier leben kennen lernen und nicht nur den Touristen-Alltag erleben. Und was ich super finde ist, dass die Leute ihre Insel noch zu schätzen wissen. Ich fragte, ob ihr denn trotz der vielen Arbeit und der Probleme die es hier gibt überhaupt noch seht, was ihr hier eigentlich habt. Und die Antwort war immer dieselbe: Ja. Und das finde ich großartig. Es ist nicht einfach auf Sylt zu leben. Bestimmt schöner als an vielen Orten, aber eben nicht einfacher. Mein Bild ist realer geworden, aber dadurch nicht schlechter.

Wann kommst du das nächste Mal nach Sylt?

Ich werde im Herbst wieder da sein und hoffentlich ganz viele der Menschen treffen, mit denen für ein längeres Gespräch während der letzten vier Wochen leider keine Zeit blieb. Und ich freue mich jetzt schon wieder zu kommen.

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