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Halle 28 auf Sylt : Vier Bürgermeister für eine Halle

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Verwaltungschefs von List, Kampen, Hörnum und Wenningstedt kritisieren Gemeinde Sylt: Keine insulare Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“.

Noch zwölf Tage bis zum Bürgerentscheid über die Halle 28 – doch Gegner und Befürworter des Abrisses werden nicht müde, ihre Standpunkte in der Öffentlichkeit deutlich zu machen. Im Zwiestreit zwischen der Gemeinde Sylt und den Katastrophenschützern sei der Standpunkt der anderen vier Inselgemeinden bisher zu kurz gekommen, kritisiert Kampens Bürgermeisterin Stefanie Böhm. Anlass für unsere Zeitung, in Wenningstedt-Braderup, List, Hörnum und Kampen ein Meinungsbild einzuholen. Das Fazit vorweg: Alle sind für den Erhalt.

„Solange es nichts adäquates Neues gibt, ist der Amtsausschuss eindeutig für den Erhalt der Halle 28“, sagt die amtierende Amtsvorsteherin und Bürgermeisterin von Wenningstedt-Braderup, Katrin Fifeik. Eine zentrale Halle für den Katastrophenschutz auf der Insel sei deutlich einfacher zu betreiben als mehrere dezentrale Einrichtungen. Dabei müsse man auch im Blick haben, dass es nicht mehr so viele ehrenamtliche Helfer gibt wie etwa vor zwanzig Jahren. Sie kenne die Halle aus eigener Anschauung, sei auch vor Ort gewesen, als im August 2010 Bewohner eines Wenningstedter Hotels und der Volkshochschule Klappholttal nach einer Brandstiftung dorthin evakuiert werden mussten. „Ohne die Halle 28 wäre das mit der Zahl der Helfer nicht zu bewerkstelligen gewesen.“ Und der bauliche Zustand sei keineswegs eine Gefahr für Leib und Leben: „Die Nutzungsuntersagung vom Kreis kann ich mir nicht erklären.“

Katrin Fifeik bedauerte, dass es „ein insulares Denken immer nur bei den Inselgemeinden gibt, aber nicht bei der Gemeinde Sylt“. Schon von der Schließung der Geburtenstation hätten die Wenningstedter nur aus der Zeitung erfahren – die Gemeinde Sylt habe die Nachbarn zuvor „weder informiert noch mitgenommen“. Ihr Appell: „Wir sollten die Dinge auf Augenhöhe miteinander angehen.“

„Da fehlen einem die Worte“, kommentierte Kampens Bürgermeisterin Stefanie Böhm, „angesichts von so viel Bockigkeit“. Der Beschluss zum Abriss aller Gebäude auf dem ehemaligen Marinefliegerhorst stamme noch aus dem Jahr 2009. „Doch manchmal ändert sich die Sachlage und dann muss man einen Beschluss wieder aufheben.“

„Wir haben jetzt eine gut funktionierende Halle, die von Fachleuten ausgestattet wurde“, sagt Böhm. „Dann sollten wir uns jetzt auch auf das Wort des DRK und sämtlicher Feuerwehren verlassen.“ Die veranschlagte Summe von 500  000 Euro werde für einen Neubau kaum ausreichen, schätzte die Bürgermeisterin, doch die vom Kreis monierten Mängel ließen sich damit sicher beheben. „Warum soll man etwas abreißen, wenn es gut funktioniert?“

Der Amtsausschuss habe auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dass sich die amtsangehörigen Gemeinden an der Sanierung von Halle 28 finanziell beteiligen würden. Der Katastrophenschutz sei wie das Schulwesen und andere Bereiche ein insulares Thema. „Nur leider werden wir nicht miteinbezogen.“

Böhm bedauerte auch, dass ein Tag der offenen Tür, bei dem sich die Bevölkerung ein Bild vom Zustand der Halle hätte machen können, im vergangenen Jahr kurzfristig von der Gemeinde wieder abgesagt worden sei. Die Kampenerin hat zudem „kein Verständnis dafür, dass der Kreis die Nutzung der Halle jahrelang duldet“ und sich dann drei Wochen vor dem Bürgerentscheid „vor den Karren“ der Abriss-Befürworter spannen lasse.

Eine Entscheidung aus Husum, die auch die amtierende Bürgermeisterin von Hörnum, Ulrike Kramer-Lund, bedauert. Ihre Gemeinde stimme im Amtsausschuss für den Fortbestand der Halle 28. Das Thema sei allerdings in der Gemeinde nicht diskutiert worden.

„Pläne für einen dezentralen Katastrophenschutz kennen wir nicht“, sagte der Lister Bürgermeister Ronald Benck unisono wie seine drei Amtskollegen. „Für die kleinen Einsätze wären wir vielleicht mit unserer Turnhalle gerüstet, doch bei größeren Fällen führt an Halle 28 kein Weg vorbei.“ Auch das Lister Gemeindeoberhaupt kritisierte den Umgang miteinander: „Jeder ist auf den anderen bockig – das hat mit vernünftiger Kommunalpolitik nichts mehr zu tun.“ Benck appelliert daher an die Bewohner der Gemeinde Sylt: „Wir hoffen jetzt auf eine rege Beteiligung beim Bürgerentscheid.“

 

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