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Öko-Skandal auf dem Fliegerhorst : Vieles ist illegal entsorgt worden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Erschreckende Analyse des Umweltamtes: 30 000 Kubikmeter beträgt die Menge aller Haufen mit Erdaushub, Schutt und Müll auf dem Fliegerhorst.

„Wir mussten leider feststellen: Vieles wurde tatsächlich illegal abgelagert auf dem Fliegerhorst“ – so lautete das vorweggenommene Fazit von Petra Reiber zu Beginn der Sondersitzung des Umweltausschusses am vergangenen Mittwoch. Gemeinsam mit der Umweltamtsleiterin Ruth Weirup präsentierte die Bürgermeisterin wie angekündigt erste Ergebnisse einer umfangreichen Analyse aller Entsorgungen von Erdaushub, Bauschutt und Müll auf dem zur Renaturierung vorgesehenen ehemaligen Militärgelände.

Für genau 31 Flächen des Fliegerhorstes werden akribisch deren Größen und die Mengen der dort jeweils entsorgten Bodenablagerungen sowie deren Beschaffenheit, Herkunft und Anlieferung aufgelistet. Von 200 bis 5  000 Kubikmeter groß sind die zahlreichen Hügel aus so genanntem Füllboden, der überwiegend aus Straßenbaumaßnahmen stammt, sowie aus Inselkies, also gesiebtem Sandboden aus Sylter Baugruben. Auf kleineren Flächen wurden aber auch Bauschutt und Baumüll, Gartenabfälle und sogar Sperrmüll entsorgt. Die Gesamtmenge aller Erd-, Schutt- und Müllhaufen beträgt 30  000 Kubikmeter.

Auf 18 Flächen erfolgten die Ablagerungen überwiegend im Auftrag der Gemeinde, zwei Inselfirmen transportierten dorthin in den Jahren 2013 und 2014 mit hunderten LKW-Ladungen zum Beispiel Erdaushub vom Neubau der Feuerwache Westerland, den Straßenbaumaßnahmen in der Steinmannstraße oder von Abriss des Außenbeckens der Sylter Welle. „Diese Vorgänge konnten wir nachverfolgen und genau zuordnen“, erläuterte Ruth Weirup. Zumindest bisher nicht aufgeklärt werden konnte dagegen, wer in wessen Auftrag auf den anderen 13 Flächen ebenfalls Inselkies und Füllboden, aber ebenso Schutt und Müll abgekippt hat. Besonders ärgerlich dabei sei, so die Umweltamtschefin, dass auf so genannten Suksessionsflächen – also dort, wo bereits wachsende Grünflächen entstehen – illegal Boden mit Bauschutt, ganz offensichtlich auch aus dem Straßenbau entsorgt worden sei. Das Umweltamt werde weiter nach den Verursachern suchen, vielleicht erkenne ja der Eine oder Andere seine Haufen sogar auf den Fotos, meinte Weirup mit spitzer Ironie. Gemeindevertreter Sönke Hansen (SWG) verlangte allerdings ebenso wie Hicham Lemssiah (Insulaner/Piraten), dass wegen der großen Anzahl vermutlich illegaler Ablagerungen auf jeden Fall Strafanzeige gegen unbekannt erstattet werden solle. Darüberhinaus forderte Hansen eine noch genauere Aufarbeitung und weitere Analysen, beispielsweise der Keller und unterirdischen Bunkeranlagen auf dem Fliegerhorst.

Eine wichtige Rolle bei der Aufarbeitung der Vorgänge spielen die zuständigen Behörden des Kreises Nordfriesland. Bei einer Ortsbegehung Ende März wurde unter anderem festgestellt, dass die Aufschüttungen im größeren Umfang gesetzlich geschützte Biotope überlagern. Für deren Überfüllung lägen keine Gründe vor und eine Beseitigung der Überfüllungen sei notwendig, teilte die Untere Naturschutzbehörde (UNB) mit. Für eine nachträgliche Genehmigung fehlten damit jegliche Voraussetzungen.

Aufgearbeitet werden müssten selbstverständlich auch die personellen Verantwortlichkeiten, sagte Petra Reiber. Die Gemeinde habe seit mehreren Jahre als externen Berater eine Umweltagentur eingesetzt, die ihre Arbeiten, wie die Begleitung der Abrissarbeiten oder die Kontrolle der Verbringungen von Erdaushub, nur mangelhaft ausgeführt hätte. Auch sei es eine wichtige Aufgabe des Beraters gewesen, alle erfolgten Maßnahmen in Hinblick auf das Ökokonto-Konzept abzugleichen, ergänzte Ruth Weirup. „Die Agentur hat ihre Berichte allerdings erst mit anderthalbjähriger Verspätung geliefert“, sagt die Umweltamtsleiterin. „Hätten wir früher gewusst, was da alles illegal oder auch legal abgelagert wurde, hätten wir schneller handeln und Schlimmeres verhindern können.“

Dringend geklärt werden muss außerdem, ob Mitarbeiter der Verwaltung ihre dienstliche Sorgfalts- und Informationspflichten hinsichtlich der Entsorgungsvorgänge vernachlässigt haben. „Ich unterstelle niemanden irgendwelche Absichten“, betonte Petra Reiber. „Aber wer genau was zu verantworten hat, interessiert mich als Chefin der Verwaltung und Aufklärung erwarte ich natürlich auch als Vorgesetzte im laufenden Verfahren.“ Sämtliche Vorgänge würden weiter untersucht, mögliche vertragliche Verfehlungen der Beratungsagentur geprüft und alle Ergebnisse dann zeitnah sowie regelmäßig dem Umweltausschuss präsentiert, versprach Reiber. Die nächste Sitzung des Gremiums soll deshalb bereits Anfang Juni stattfinden.

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erstellt am 17.Apr.2015 | 05:58 Uhr

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