Pachtverträge auf Sylt : Viele Verträge, wenig Transparenz

Die Weststrandhalle in List wird vom Tourismus-Service in List verpachtet.

Die Weststrandhalle in List wird vom Tourismus-Service in List verpachtet.

Der Streit um „Wonnemeyer“ wird auf offener Bühne ausgetragen. Andere Inselgemeinden verhandeln meist hinter verschlossen Türen

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08. Januar 2018, 05:49 Uhr

Wenningstedt | Der „Fall Wonnemeyer“ sorgt bundesweit weiter für Schlagzeilen und für große Aufregung vor allem in den sozialen Netzwerken. Ende Dezember wurde bekannt, dass die Betreiber ihr Strandrestaurant in Wenningstedt für immer schließen und abreißen wollen, weil sie sich mit Tourismus-Service und Gemeinde nicht über eine Fortsetzung des Pachtvertrages einigen konnten. Ob es tatsächlich dazu kommt, bleibt nach aktuellem Stand ungewiss: Pächter Rüdiger Meyer erklärte gegenüber der Sylter Rundschau, er habe die Hoffnung auf erneute Gespräche mit den Verantwortlichen noch nicht aufgegeben und das Einschalten eines „neutralen“ Vermittlers angeboten – eine Antwort des Tourismus-Service liege allerdings bislang nicht vor.

Immer wieder kommt es auf Sylt – ähnlich wie bei „Wonnemeyer“ in Wenningstedt – zu Streitigkeiten, sogar zu juristischen Auseinandersetzungen um strandnahe Liegenschaften, die für gastronomische Zwecke genutzt werden. Wir haben nachgefragt, wer in den anderen vier Inselgemeinden verantwortlich ist und wie dort die Verpachtung solcher Objekte gehandhabt wird.

Für die größte Inselgemeinde Sylt mit zahlreichen Strandrestaurants und -bistros vom Norden Westerlands bis in den Süden von Rantum verweist Bürgermeister Nikolas Häckel auf die alleinige Zuständigkeit des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS). Dessen Geschäftsführer Peter Douven möchte sich zu Details wie Ausschreibungskonditionen oder Pachtdauer und -höhen nicht äußern, sondern erklärt nur allgemein, dass Pachtverträge in ihrer Ausgestaltung von vielen Parametern abhängig seien. „Das Objekt selbst spielt eine Rolle, die Zielsetzung, die Verhandlungen, in die auch gegebenenfalls Investitionsvorhaben einfließen, die insbesondere die Laufzeit beeinflussen“, so Douven. Die Zuständigkeiten wären ebenso unterschiedlich wie rechtliche Betriebsstrukturen. In jeder Struktur gebe es aber Kontroll- oder Aufsichtsorgane, die eine Vergabe mindestens auf Wirtschaftlichkeit und Rechtmäßigkeit überwachten. Im Falle des ISTS ist es ein Aufsichtsrat, der überwiegend mit Kommunalpolitikern der Gemeinde Sylt, aber auch mit Arbeitnehmervertretern sowie dem Bürgermeister besetzt ist.

Auch Kampens Bürgermeisterin Steffi Böhm erklärt auf Anfrage, dass mit Verpachtungen „objektbezogen natürlich unterschiedlich“ umgegangen würde, aber „über Vertragsangelegenheiten mit unseren Pächtern geben wir keine Auskünfte.“ In Kampen gibt es vier gastronomische Betriebe der Gemeinde, von denen aktuell zwei wegen Betreiberwechseln sowie Umbauten geschlossen sind. Bei der Sturmhaube und dem Kaamp Meren gehörten der Gemeinde das Grundstück und das Gebäude, so Steffi Böhm, bei der Buhne 16 und dem Grande Plage würde – wie im Fall Wonnemeyer in Wenningstedt – nur das Fundament zur Verfügung gestellt.

Auseinandersetzungen um Gastro-Pachtverträge beschäftigten auch Hörnum: Der kleine Crêpestand am Hafen sorgte fast zwei Jahre lang für große Aufregung, bis die Betreiber kurz vor Weihnachten erklärten, sie hätten sich „zur Vermeidung langwieriger zivilrechtlicher Prozesse“ mit ihren Nachfolgern geeinigt. Für Rolf Speth ist damit ein Streit beendet worden, „der lieber mit Halbwahrheiten als sachlichen Argumenten“ geführt worden sei. Was er zum „Fall Wonnemeyer“ höre, komme ihm bekannt vor. In Hörnum jedoch würde nicht versucht, „den Leuten das Leben schwer zu machen“, sondern man halte sich „an gewisse Vertragsinhalte und Gesetzesvorgaben“, sagte der Bürgermeister in seiner Neujahrsrede.

Im Inselnorden wird die Verpachtung gemeindlicher Liegenschaften transparenter gehandhabt. Für den Lister Hafen gibt es sogar eine öffentlich einsehbare Entgeltordnung für Flächennutzungen zu Verkaufszwecken und sonstiger gewerblicher Nutzung. Andere Objekte würden frei verhandelt, erklärt Kurdirektor Boris Ziegler, und die Verträge dann in der Gemeindevertretung nicht-öffentlich beschlossen. Dazu gehöre auch die Weststrandhalle, in deren noch zwei Jahre laufenden Vertrag zu Ostern 2017 „Wonnemeyer“ mit Zustimmung von Politik und Tourismus-Service eingestiegen ist.

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