Bundesfreiwilligendienst : Viele Sylter Stellen unbesetzt

Einsatz im Erlebniszentrum: Ute Pausch und Frithjof Lemmel.  Foto: Seidel
Einsatz im Erlebniszentrum: Ute Pausch und Frithjof Lemmel. Foto: Seidel

Vor allem soziale Institutionen können Bundesfreiwilligendienst-Stellen nicht besetzen / Naturschutz-Organisationen haben bislang keine Engpässe

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04. August 2011, 06:26 Uhr

Sylt | Sie sollen Pädagogen und Sozialarbeiter bei der Betreuung von Jugendgruppen unterstützen, älteren Menschen ein wenig zur Hand gehen oder bei der Essensverteilung im Krankenhaus helfen - die Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi), der seit einem Monat den weggefallenen Zivildienst ersetzt. Wie die Männer und Frauen unter 25, die sich für ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr entscheiden, leisten die "Bufdis" (ohne Altersbegrenzung) zwölf Monate lang ihren Dienst.

Obwohl viele Institutionen, die vorher Zivis beschäftigten, jetzt auch Stellen für den Bundesfreiwilligendienst haben, ist deren Besetzung auf der Insel sehr ungleichmäßig verteilt. Eine Umfrage der Sylter Rundschau ergab, dass bei den befragten Institutionen etwa die Hälfte der "Bufdi"-Stellen (noch) nicht besetzt sind. Während die Naturschutz-Organisationen keine Probleme haben, gibt es im sozialen und medizinischen Bereich etliche freie Posten.

"Fünf Freiwilligendienstler könnten wir beschäftigen, haben bislang aber keinen einzigen", erklärte Heiko Walter, stellvertretender Personalleiter der Asklepios Nordseeklinik. Die fehlenden Bewerber erklärt er sich so: "Wie zuvor bei unseren fünf Zivis haben wir auch jetzt das Problem der Unterbringung, weshalb uns Leute, die in der Umgebung wohnen, lieber sind." Den Mangel an Freiwilligen müssen nun die regulären Mitarbeiter der Klinik auffangen, denen die Unterstützung fehlen werde, so Walter.

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat zwei Stellen für den Freiwilligendienst - und keine Bewerber. "Geplant war, dass sie uns bei den mobilen sozialen Hilfsdiensten unterstützen, also älteren Menschen bei alltäglichen Arbeiten zur Hand gehen, vielleicht auch mal einen Spaziergang mit ihnen machen oder als Gesprächs- oder Spielepartner zur Verfügung stehen", erklärt DRK-Geschäftsführer Karl Heinz Kroll. Diese zusätzlichen Arbeiten müssten nun entfallen. Für das "Essen auf Rädern" habe das DRK jedoch einen hauptamtlichen Mitarbeiter für einige Stunden pro Woche eingestellt.

Etwas besser ist die Situation in der Wenningstedter Syltklinik. Zwei von drei Stellen sind hier besetzt. Der Standard den die Rehaklinik für krebskranke Kinder und deren Familien anbiete, sei auch ohne Freiwillige gewährleistet, betont Ingo Mansen. "Wir sehen sie als zusätzliche Kräfte, die unsere festen Mitarbeiter unterstützen. Aber es macht die Arbeit natürlich nicht leichter, wenn beispielsweise bei der Betreuung von Kindergruppen ein zusätzliches Paar Augen fehlt."

Die Schutzstation Wattenmeer und die Naturschutzgemeinschaft Sylt - die traditionell stark auf öffentlich bezuschusste Arbeitskräfte angewiesen sind - beschäftigen zusammen sechs Freiwilligendienstler und fünf FÖJler (Freiwilliges Ökologisches Jahr). Und auch Dr. Matthias Strasser vom Lister Erlebniszentrum Naturgewalten ist zufrieden: "Wir haben eine Stelle für den Freiwilligendienst und eine FÖJ-Stelle besetzt, von Engpass kann keine Rede sein." Das gilt auch für die Sölring Foriining, die für ihre Stellen geeignete Kräfte gefunden hat. "Wenn unser Zivi im September geht, könnten wir theoretisch noch einen Freiwilligendienstler mehr einstellen, aber das hat auch noch Zeit bis zum Frühjahr", erklärt Geschäftsführer Sven Lappoehn.

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