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Ehemaliger Militärflughafen auf Sylt : Viele offene Fragen zum Fliegerhorst

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Noch immer ist nicht geklärt, was aus Halle 28 und englischem Kino wird

Die Arbeiten auf dem ehemaligen Marinefliegerhorstgelände werden wie geplant fortgesetzt. Voraussichtlich bis Ende Oktober sollen das Offiziersheim (im Foto vorne rechts) und das Wirtschaftsgebäude (vorne links) einschließlich der Verkehrsflächen abgerissen werden. Keine Freigabe zum Abriss gibt es nach wie vor für die Hallen 24 und 28 (im Foto oben) sowie für das englische Kino. Ob die drei Gebäude überhaupt abgerissen werden dürfen oder ob sie dauerhaft unter Denkmalschutz stehen, ist noch immer nicht endgültig geklärt.

Petra Reiber vertrat in ihrer Beantwortung einer umfangreichen Anfrage von Bündnis 90/Grüne zur Zukunft des Fliegerhorstes – wir berichteten – den Standpunkt, ein Abriss der Hallen und des Kinos sei zulässig, weil sie nicht unter Denkmalschutz stünden. Als Begründung verwies die Bürgermeisterin in der Gemeindevertretersitzung auf den Kaufvertrages zwischen dem Bund und der damaligen Gemeinde Sylt-Ost von März 2008. „Die vorhandenen Kasernengebäude sollten abgerissen und die frei werdenden Flächen renaturiert werden“, heißt es darin. Laut Landesplanung gelte dies auch für die beiden Flugzeughallen und das Kinogebäude, für die ein Denkmalschutz aufgrund fehlender bauplanerischer Ausweisung nicht wirksam sei. Allerdings kündigte Reiber an, im Rahmen der Änderung des Denkmalschutzgesetzes käme demnächst eine Kommission nach Sylt, um zu überprüfen, welche Gebäude auf der Insel zukünftig denkmalwürdig sind.

Auf Nachfrage der Sylter Rundschau sagte Dr. Astrid Hansen vom Landesamt für Denkmalpflege jedoch, die Hallen und das englische Kino seien bereits seit 2007 in das Denkmalbuch des Landes eingetragen. Es bestehe überhaupt kein Handlungsbedarf, dies neu zu prüfen oder gar zu ändern. Die anhaltende Diskussion, ob die drei Objekte tatsächlich unter Denkmalschutz stehen oder nicht, hat laut Astrid Hansen ihren Ursprung in der komplizierten Rechtslage. „Gemäß Baugesetz sind alle Gebäude durch den Verkauf des Fliegerhorstes vom Bund an die Gemeinde Sylt-Ost quasi als Schwarzbauten einzuordnen, die grundsätzlich nicht schutzwürdig sind.“ Dies aber gehe, so zumindest die Auffassung der Expertin des Landesamtes, in Anbetracht der besonderen historischen Hintergründe der Flugzeughallen und des englischen Kinos völlig an der Realität vorbei.

Die Grünen wollten in ihrer Anfrage auch wissen, welche Nutzungen mit welcher Genehmigung aktuell unentgeltlich oder entgeltlich auf dem ehemaligen Marinefliegerhorst stattfinden. Laut Petra Reiber sind den ehemals zirka 150 Mietern von Lagerräumen und Unterstellmöglichkeiten bereits zum 31. Dezember 2009 die Kündigungen zugestellt worden. Seitdem gäbe es auf dem Gelände keinerlei entgeltliche Nutzungen mehr. Eine aktuelle tabellarische Übersicht über alle unentgeltlichen Nutzungen der noch vorhandenen Gebäude wurde den Mitgliedern der Gemeindevertretung zwar schriftlich übersandt, ist laut Auskunft der Inselverwaltung allerdings nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Auf die Frage der Grünen, wie hoch der Instandhaltungs- und Umbauaufwand sei, um die Halle 28 dauerhaft als zentrale Katastrophenhalle der Insel zu nutzen, antwortete die Bürgermeisterin ausweichend. Im Inselbauamt gäbe es keine Architekten mehr, die sich mit solchen Gebäuden auskennen, sagte Reiber. Außerdem seien die Architekten des Kommunalen Liegenschaft-Managements (KLM) durch laufende Projekte voll ausgelastet. Fragen zu einem Umbau der Halle 28 oder auch zum Neubau einer Katastrophenschutzhalle könnten nur mit „externem Sachverstand“ beantwortet werden.

Für alle Abriss- und Renaturierungsmaßnahmen auf dem Fliegerhorst wurden zirka 3,3 Millionen Euro veranschlagt, die über den Verkauf von Ökopunkten refinanziert werden sollen, sagte Reiber. Die aktuellen Zahlungseingänge zum Ökokonto der Gemeinde Sylt betragen knapp 75 000 Euro, bisher ausgegeben wurden etwa 1,9 Millionen Euro.




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erstellt am 24.Sep.2014 | 06:30 Uhr

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