Baurecht Sylt : „Viele Nutzungen entsprechen nicht dem Baurecht“

Neuer Stil von Bürgermeister Nikolas Häckel: Alle wichtigen Baupläne der Gemeinde Sylt werden künftig öffentlich vorgestellt und diskutiert.
Neuer Stil von Bürgermeister Nikolas Häckel: Alle wichtigen Baupläne der Gemeinde Sylt werden künftig öffentlich vorgestellt und diskutiert.

Neuer Plan für mehr Dauerwohnraum und weniger Zweitwohnsitze betrifft auch Ferienwohnungen. Im Interview erläutert Bürgermeister Nikolas Häckel, worauf Vermieter achten sollten.

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18. Juni 2015, 10:08 Uhr

Herr Häckel, nach Bekanntwerden der neuen Bebauungspläne für Morsum herrscht nicht nur Unsicherheit bei Zweitwohnungsbesitzern. Auch private Ferienvermieter fragen sich, ob sie überhaupt weiter an Gäste vermieten dürfen?

Alles, was bereits genehmigt ist, hat Bestandsschutz. War also früher eine Ferienvermietung offiziell erlaubt, ändert sich daran durch neue B-Pläne nichts. Viele Nutzungen auf Sylt entsprechen allerdings nicht dem geltenden Baurecht. Deshalb empfehle ich dringend – besonders natürlich vor jedem Erwerb, vor jedem Verkauf, vor jedem Eigentümerwechsel – immer einen Blick in die Baugenehmigung des jeweiligen Objektes zuwerfen. Sollte man diese Unterlagen nicht mehr haben oder finden, ist eine Akteneinsicht beim Bauamt der Gemeinde Sylt oder beim Kreisbauamt möglich. Gerne bieten wir auch eine kostenlose Bauberatung an. Aber bitte vorher anmelden: Dann können unsere Mitarbeiter die Akte raussuchen und schon mal alles vorbereiten.

Was können Eigentümer tun, wenn sie bei Akteneinsicht feststellen, dass eine Nutzung von Teilen ihres Wohnhauses zur Ferienvermietung in der Vergangenheit nicht genehmigt war?

Das hängt von der Lage des Grundstücks ab. Befindet es sich in einem Sondergebiet „Dauerwohnen und Fremdenbeherbergung“ ist eine Ferienvermietung erlaubt und wird auch genehmigt, wenn mindestens 40 Prozent der Geschossfläche als Dauerwohnraum, nicht aber als Zweitwohnsitz genutzt werden. Insulaner, die hier ihren ersten Wohnsitz haben, können also weiter ihren Lebensunterhalt auch über die Vermietung von Appartements für Gäste finanzieren.

Und was gilt bei der Vermietung eines gesamten Gebäudes als Appartementhaus?

War das in der Vergangenheit genehmigt, besteht natürlich Bestandsschutz. Lag jedoch keine Erlaubnis dafür vor, greift auch hier die 40-Prozent-Regelung. Gleiches gilt bei einer wesentlichen baulichen Veränderung des Appartementhauses. Ausdrücklich möchte ich darauf hinweisen, dass auch eine Nutzungsänderung von Zweitwohnsitzen in Ferienwohnungen zulässig ist und genehmigt wird, wenn in dem dann neuen Appartementhaus mindestens zwei Fünftel an Dauerbewohner vermietet werden.

Auf der Insel wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten häufig auch Garagen oder Gartenhäuser als Unterkünfte für Feriengäste umgebaut ...

Das war ja damals bereits unzulässig. Garagen oder Schuppen als Ferienwohnung sind nie genehmigungsfähig gewesen und werden es auch nachträglich nicht sein.

Häufig befinden sich Schlafzimmer oder Bäder auch in den Kellerräumen – von Vermietern oder Maklern oft vornehm als „Warftgeschosse“ bezeichnet. War und bleibt das erlaubt?

Auch für Keller und für die meisten Dachgeschosse sowie Spitzböden gilt bei Bestand: In die Bauunterlagen schauen. Grundsätzlich muss jedoch immer die Gefahrenabwehr gewährleistet sein, es muss also geeignete Flucht- und Rettungswege geben. Ist eine Nutzung nicht genehmigt oder wird neu gebaut, sind bei Dauer- und Ferienwohnungen Aufenthaltsräume, Küchen und Bäder nur in Geschossen zulässig, die vollständig oberhalb der Geländefläche liegen.

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