Kommentar : Viel Populismus, wenig Konkretes

michael

Der Leiter des sh:z Medienhaus Sylt, Michael Stitz, über die Aktionen von der Gruppe "Rettet die Sylter"

shz.de von
02. April 2014, 06:00 Uhr

Das Internet kann eine wunderbare Plattform sein, sich auszutauschen, in Kontakt zu kommen und Ideen zu entwickeln. Einiges ist dann sympathisch, anderes eher skurril und manches einfach ärgerlich. Die Facebook-Aktion „Rettet die Sylter“ gehört zunächst mal in den Bereich sympathisch. Schließlich ist es immer gut, wenn man etwas retten möchte: Menschen, Tiere, Pflanzen, Gebäude... So weit so gut. Aber wie genau sollen denn die Sylter gerettet werden? Mit Aufklebern, lustigen Bildchen aus aller Welt, wütenden Sprüchen oder mit aktivem politischen Handeln? So weit bekannt, ist das nicht vorgesehen, ja sogar bewusst nicht gewollt. Es bleibt alles im Ungefähren, wenn es darum geht, ernst zu nehmende Vorschläge zur „Rettung“ der Sylter zu entwickeln. Das Netz ist geduldig.

Grundsätzlich ist auch zu fragen, welche Wirkung eine Aktion auslöst, die alle Welt glauben lässt, auf Sylt sei ein Zustand erreicht, der so bedrohlich ist, dass Rettung erforderlich wird. Für eine Insel, die bisher als Ort wahr genommen wurde, auf dem sich entspannt urlauben lässt, eine bedenkliche Botschaft. Soll aus Sylt-Urlaubern jetzt Sylt-Retter werden? Die Insel hat ihre Probleme – wie viele andere Orte auch. Sie lösen zu wollen, bedeutet sich der Komplexität der Probleme anzunehmen. Zielloses Geschmipfe im Netz reicht nicht.

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