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Kunst auf Sylt : Viel Licht in der dunklen Jahreszeit

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Maler Horst Schmied stellt ab jetzt seine Werke in der Stadtgalerie Alte Post aus und zeigt dabei die Vielfältigkeit seiner Arbeit.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 06:00 Uhr

„Schmied auf Sylt“ - dieser Beachtung erheischende Ausstellungstitel macht nicht nur neugierig, sondern lässt an beinahe überlebte Fertigkeiten denken. Weit gefehlt. Dennoch ist bei der am Montagabend in Westerlands Stadtgalerie eröffneten Ausstellung der Sylter Kunstfreunde mit Werken des Niedersachsen Horst Schmied das Handwerkliche nicht von der Hand zu weisen. Hier präsentieren sich Bilder in kraftvoll leuchtenden Farben, die mit ihren teils individuell gefertigten, dem jeweiligen Motiv oft passend zugeordneten Rahmen das Bild gleichsam zum Gesamtkunstwerk erheben. Und damit einem Anspruch des Künstlers gerecht werden, dem es (auch) um eine ästhetische Wirkung seiner Bilder geht.

Verblüffung beim ersten, der Orientierung dienenden Rundgang: Das aufreizende Lippenrot, das Blau der vollen Haarpracht sowie die eigentümlich geformten Gesichtszüge („Harmonie“) lenken die Gedanken rasch auf den großen Nordfriesen Emil Nolde. Nicht anders die Straßenszenen mit den bizarren Häuserfronten in grellem Rot („Faithful Road“) oder die apathisch wirkenden Menschen („Gesellschaft“), die aneinander vorbei zu leben scheinen. Sie rufen spontan Assoziationen zu Motiven aus Ernst-Ludwig Kirchners Berlin-Bildern hervor. Von wegen.

Zwar sind expressionistische Elemente in den Arbeiten des von der Architektur zur Malerei gelangten Schmied (blaue Bäume, rote oder grüne Hausfassaden) unverkennbar. Aber sie machen längst nicht den Kern seines künstlerischen Schaffens aus. „Nur bei oberflächlicher Betrachtung,“ so Gerhard Eckels in seiner Einführung, „mag diese gewisse Parallelität auszumachen sein.“ Schmied wird skeptisch, „wenn er in eine Schublade gesteckt wird“ (Eckels), denn er will mehr. Im Sinne Caspar David Friedrichs erfindet er seine Bilder nicht, sondern „gestaltet“, was er „empfindet“. Er führt jeweils einen „optischen Dialog mit den Menschen und der Natur“ und gelangt durch diese Art Sehen dazu, „die eigentliche Realität zu erkennen“. Ergebnis: eine Kunst mit vielerlei Gesichtern. Die in ihrem Facettenreichtum das Licht der Provence ebenso zum Thema erhebt wie die herbe Schönheit Sylts. Daneben immer wieder Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Bei gerade diesen Szenerien fängt Schmied wie ein Scharfschütze jeweils „entscheidende Momente“ malerisch ein, die die Einmaligkeit seiner Bilder ausmachen. Eckels illustrierte das in seiner anschaulichen und hilfreichen Laudatio an ausgewählten Bildern. Und ermöglichte somit Zugang und Würdigung zugleich.

Und die große Schar der Besucher? Sie war voll einhelligen Lobes über den Künstler und sein Werk. Und fand auch Anerkennung für die Sylter Kunstfreunde, denen unter ihrer Vorsitzenden Petra Nies samt Vorstand ein mehr als glücklicher Griff mit dieser Präsentation gelungen ist. Horst Schmied möchte mit seinen Bildern, so Gerhard Eckels, „Licht in die Herzen der Menschen“ bringen. Wie passend zu diesen Septemberwochen mit ihrem mehr und mehr verblassenden Licht.

„Schmied auf Sylt“, Stadtgalerie „Alte Post“ Stephanstr. 4, Westerland 17. - 28. September 2013 tägl.: 10.30 – 13 Uhr /15 – 19 Uhr


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