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Sprachunterricht auf Sylt : VHS und ehrenamtlicher Verein konkurrieren um Sprachschüler

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylter Kampf um Sprachschüler: Die Volkshochschule und die Integrationshilfe Sylt geben beide Sprachunterricht für Flüchtlinge. Nun wurde diese Konkurrenz im Sozialausschuss thematisiert.

In anderen Gemeinden wird mühsam versucht, genügend Sprachlehrer zu finden, damit Flüchtlinge Deutsch lernen können. Auf Sylt dagegen streiten sich zwei Einrichtungen, welche von ihnen den Deutschunterricht geben darf – und wer den dafür von der Gemeinde vorgesehenen Zuschuss von 30  000 Euro erhält.

Diesen Kampf um Flüchtlinge hat am Montagabend auf der Sitzung des Sozialausschusses die Volkshochschule Sylt gegen die ehrenamtlich betriebene Integrationshilfe Sylt gewonnen. Bis auf eine Ausnahme und eine Enthaltung stimmten alle Ausschussmitglieder für die Unterstützung der Volkshochschule. Allerdings erst, nachdem sich die beiden Institutionen – auch mit Unterstützung aus der Politik - während der Sitzung öffentlich „zerfleischt“ hatten, wie es Bürgermeister Nikolas Häckel formulierte. Er griff zwischenzeitlich in die hitzige Debatte ein und tadelte das Verhalten beider Bewerber als „dieser Runde nicht angemessen“.

Aber was ist eigentlich das Problem? Die Sylter Volkshochschule und die Ehrenamtler von der Integrationshilfe Sylt führen schon über ein Jahr einen Konkurrenzkampf darum, wer nun die Sylter Flüchtlinge unterrichten darf. Eine kurzzeitige Zusammenarbeit scheiterte, Moderationsgespräche blieben ergebnislos. Nun bieten Volkshochschule und Integrationshilfe zeitgleich an fünf Nachmittagen in der Woche Sprachkurse an, die Asylsuchenden müssen sich also zwangsläufig entscheiden, welche Institution sie besuchen.

Ein Argument, dass die Mitglieder des Sozialausschusses am Montag davon überzeugte der Volkshochschule den Vorzug zu geben, ist, dass die Flüchtlinge dort am Ende der Kurse Zertifikate ausgestellt bekommen, die zum Beispiel für einen Einbürgerungstest nötig sind. Bei den Kursen der Integrationshilfe, die von Ehrenamtlern gegeben werden, ist dies dagegen nicht möglich. „Das ist der Unterschied - die Integrationshilfe bietet Hilfe bei den ersten Schritten an, wir dagegen bieten die verschiedenen zertifizierten Niveaustufen“, erläuterte VHS–Lehrerin Ulrike Bergmann-Fließbach.

Dass wirklich alle VHS-Lehrerinnen für die Abnahme der notwendigen Zertifikate qualifiziert sind, zweifelt die Integrationshilfe allerdings an. Die Anfrage der Sylter Rundschau, ob alle VHS–Lehrerinnen die für die Zertifizierung nötige Ausbildung haben, beantwortete die Verwaltung gestern nicht.

Während der Sitzung hatte sich Verwaltungs-Mitarbeiterin Frauke Wehrhahn, für die Volkshochschule stark gemacht: „Dort wird systematische und professionelle Sprachförderung von Anfang an betrieben.“ Von Seiten der Volkshochschule wurde kritisiert, dass es zwar löblich sei, dass sich auch Ehrenamtler mit den Flüchtlingen beschäftigen. „Warum aber werden die Kurse zur gleichen Zeit angeboten wie unsere?“, fragte die VHS–Lehrerin Tina Ressel. „Das zeigt für mich, dass es Ihnen nicht um die Flüchtlinge geht“, fügte sie in Richtung von Juliane von Holdt hinzu, die in der Sitzung die Mitglieder der Integrationshilfe Sylt vertrat. Von Holdt, die vorher angezweifelt hatte, dass wirklich sämtliche Zertifikate der Volkshochschule sinnvoll sind, hielt dagegen und betonte: „Wenn wir mit 600 bis 800 Menschen rechnen, die auf Sylt untergebracht werden sollen, dann sind die Plätze, die sowohl die Volkshochschule als auch wir anbieten, immer noch nicht genug.“ Sie betonte, ihre gut besuchten Sprachkurse auch dann weiter anzubieten, wenn die Gemeinde sich gegen eine finanzielle Unterstützung entscheide. Von Holdt sagte weiterhin, dass viele ihrer Sprachschüler vorher Kurse der Volkshochschule besucht hätten, nun aber lieber zur Integrationshilfe kämen.

Die Ausschussmitglieder begegneten dieser Auseinandersetzung auf unterschiedliche Art und Weise: Während Ulla Lunk-Lorek (SWG) sich von der Integrationshilfe „unter Druck“ gesetzt fühlte, kritisierte Katrin Krahmer (Grüne) die generelle Konkurrenzsituation zwischen den beiden Gruppen: „Ich finde es fast unerträglich, wenn sich hier zwei Gruppen um Schüler kloppen.“ So ähnlich sah es auch Wolfgang Jensen (CDU). Der Ausschussvorsitzende Eberhard Eberle hielt sich aus der Diskussion heraus – drohte aber zwischenzeitlich der Integrationshilfe, er könne etwas aus einer „Akte“ über sie öffentlich verlesen. Christian Thiessen (Piraten) zeigte sein Unverständnis darüber, „dass hier über Menschen geredet wird, als wären sie kleine Kinder.“ Er stellte dahingehend einen Antrag, dass beide Gruppen Geld für die Sprachkurse erhalten und die Schüler selbst entscheiden, welchen sie besuchen wollen. Obwohl der Ausschussvorsitzende Eberhard Eberle (SPD) diesen Antrag zunächst nicht zulassen wollte, und Lunk-Lorek Thiessen Befangenheit unterstellte, stimmten die Ausschussmitglieder darüber ab, entschieden sich aber gegen Thiessens Vorschlag.

 

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erstellt am 18.Nov.2015 | 05:43 Uhr

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