Kultur auf Sylt : Verzaubert unter der Wolldecke

Primaballerina in Keitum: Iana Salenko vom Staatsballett Berlin beim Rosen-Adagio aus „Dornröschen“

Primaballerina in Keitum: Iana Salenko vom Staatsballett Berlin beim Rosen-Adagio aus „Dornröschen“

Zum dritten Mal war das Verdensballett zu Gast auf der Wiese vor dem Benen-Diken-Hof und präsentierte besondere künstlerische Momente

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14. Juli 2018, 05:49 Uhr

Die Stimmung auf der Wiese vor dem Hotel Benen-Diken-Hof hatte etwas von einer lockeren Sommerhochzeit im Garten – mit weiß behussten Tischen und Bänken, kleinen Snacks und Rosé-Champagner in silbernen Eiskühlern – allerdings mit dem einen großen Unterschied, dass auf der Bühne die Partyband nicht „Love is in the Air“ auf dem Keyboard präsentierte, sondern Weltstars aus der internationalen Ballettszene klassische Tänze aus „Der Nussknacker“, „Schwanensee“ und „Dornröschen“.

Am vergangenen Donnerstag war im dritten Jahr das dänische Verdensballett auf Sylt und zeigte anspruchsvolle Kultur in lockerer Atmosphäre. Damit setzt das Weltballett, wie es auf deutsch heißt, seine Erfolgsgeschichte auf der Insel fort: 2016 kamen 680 Zuschauer, in diesem Jahr war die Veranstaltung mit 972 Karten restlos ausverkauft. Und auch, wenn das Wetter nicht so richtig mitspielte, erlebten die Zuschauer bei frischen Temperaturen um die 15 Grad eingehüllt in Mäntel und Decken wundervolle Ballett- und Opernmomente.

Über zwei Stunden dauerte das Programm vor der malerischen Kulisse. Es gab klassische und zeitgenössische Ballett-Tänze, Musikstücke auf Klavier und Violine sowie gesungene Opern-Arien, dargeboten von Christiane Elmark sowie Jens-Christian Wandt, der nicht nur Opernsänger, sondern auch der Leiter des Verdensballetts ist.

Doch bevor die Top-Stars des Verdensballets, darunter Iana Salenko und Marian Walter vom Staatsballett Berlin oder Lauren Cuthbertson und Federico Bonelli vom Royal Ballet of London auf die Bühne traten, zeigten zunächst die Nachwuchs-Tänzer vom Bundesjugendballett aus Hamburg eindrucksvoll, was in ihnen steckt, entfachten großen Jubel bei den Zuschauern und standen den Profis in nichts nach.

Für alle Tänzer, die an diesem Abend auf der Bühne standen, sind die Auftritte unter freiem Himmel etwas besonderes. Das weiß auch Steven McRae, technischer Leiter des Balletts: „Dadurch, dass wir im Freien auftreten, bekommen die Vorstellungen eine viel natürlichere und menschlichere Komponente. Ich glaube, dass sich das Publikum den Künstlern näher fühlt als in einem herkömmlichen Theater.“ Und vielleicht haben einige der fast Tausend Zuschauer an diesem Abend sogar ihre neue Leidenschaft fürs Ballett entdeckt, während ihr Applaus im wolkigen Himmel verhallte.

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