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Flüchtlinge auf der Insel : Verwaltung sucht nach Flüchtlings-Unterkünften auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zu wenig Betten: Leerstehende Gebäuden oder Container könnten Alternative sein. Ehrenämtler schlagen Unterbringung in Privathaushalten vor

von
erstellt am 15.Sep.2015 | 05:49 Uhr

„Zur Zeit sind 152 Personen über die Gemeinde Sylt untergebracht“, erklärt Bürgermeister Nikolas Häckel die aktuellen Flüchtlingssituation auf der Insel. „Weitere Ankündigungen liegen uns aber bereits für diese Woche mit zwei Personen und für die kommende Woche mit sieben Personen bereits vor.“ Die Zahl der Flüchtlinge in ganz Deutschland steigt weiter dramatisch, die Prognose liegt mittlerweile bei einer Million für 2015. Zehntausende von ihnen reisen bis in den Norden, nutzen Schleswig-Holstein häufig als Transit in Richtung Skandinavien. Aber ebenso, um hier einen Asylantrag zu stellen, um hier vorübergehend eine Unterkunft oder sogar eine dauerhafte Bleibe zu finden – auch auf Sylt.

Bezogen auf ganz Nordfriesland liegt die Prozentquote der Asylbewerber in allen Inselgemeinden bei knapp zwölf Prozent und damit im Mittelfeld des Kreises. Zum Vergleich: In Südtondern beträgt der Anteil fast 20 Prozent, auf Amrum und Föhr sind es nur gut sieben Prozent. Derzeit befinden sich in Nordfriesland zirka 760 Personen im Asylverfahren. Ab Mitte September wird das Landesamt für Ausländerangelegenheiten dem Kreis jedoch wöchentlich etwa 60 bis 80 Personen statt bisher 30 Flüchtlingen zuweisen.

Das größte Problem auf der Insel ist nach wie vor die Unterbringung der zusätzlichen Flüchtlinge, denn derzeit sind alle vorhandenen Unterkünfte weitgehend vollständig belegt. „Deshalb gehen bereits ab heute weitere drei Wohnungen sowie ein Objekt in die Nutzung“, berichtet Nikolas Häckel – aber das wird für den vorhersagten Anstieg nicht ausreichen: „Unsere Verwaltung sucht deshalb weiterhin dringend nach bezahlbarem, dezentralem Wohnraum“, so der Bürgermeister.

Ebenso werde über eine Unterbringung von Flüchtlingen in Wohncontainern auf Sylt weiter nachgedacht. „Die Verwaltung erarbeitet gerade eine Gegenüberstellung der möglichen Varianten einer dezentralen Unterbringung, einer Nutzung der ehemaligen DAK-Klinik Haus Quickborn oder des Gebäudes des Jugendaufbauwerks in Hörnum und auch einer Containerlösung“, sagt Nikolas Häckel. In Kürze soll diese Analyse den politischen Entscheidungsträgern vorgestellt und dann zeitnah umgesetzt werden. Ob die Option einer Unterbringung in Containern überhaupt realisierbar ist, scheint angesichts des deutschlandweit hohen Bedarfs jedoch fraglich: „Die Lieferzeit für Wohncontainer liegt derzeit bei sechs Monaten“, teilt der Bürgermeister mit.

Um mehr Wohnraum für Flüchtlinge auf der Insel zu schaffen, sollte aber auch eine Unterbringung in Privathaushalten erwogen werden, fordert Juliane von Holdt. Ihr Verein Integrationshilfe Sylt plant, dazu in zwei Wochen eine Info-Veranstaltung durchzuführen, möglichst in Zusammenarbeit mit Ordnungsamt und Sozialzentrum. „Ich denke, wir werden auf jeden Fall Bürger finden, die bereit sind, Menschen in Not bei sich aufzunehmen“, so von Holdt.

 


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