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Zwist : Verträge mit Densch: Droht Schmatloch noch mehr Ärger?

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Investor Herman Densch aus Flensburg ersteigerte im April das Privathaus von Sylt-Osts damals amtierenden Bürgermeister Christoph Schmatloch und verkaufte es an dessen Lebensgefährtin. Fast zeitgleich unterschrieb Schmatloch in seiner öffentlichen Funktion einen städtbaulichen Vertrag mit Densch.

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erstellt am 02.Nov.2008 | 10:43 Uhr

Sylt-Ost | Droht Sylt-Osts von Ende 2005 bis Juni 2008 amtierenden Bürgermeister Christoph Schmatloch (CDU) weiterer Ärger? In der Gemeindevertretersitzung Ende August stand er wegen Fehlern im Bebauungsplan des Mülheim-Grundstücks in der Kritik. Dort wurde eine zu große Grundstücksausnutzung festgeschrieben und Schmatloch beharrte als Einziger darauf, dass diese von den Gremien gewollt gewesen sei. Nach der Sitzung distanzierte sich seine Fraktion in einer öffentlichen Erklärung von ihrem ehemaligen Vorsitzenden. In der Gemeindevertretersitzung am 16. Oktober musste er sich dann einer vertraulichen Anhörung stellen. Grund: Eine kurz vor der Wahl im Mai unterzeichnete Zahlungsverpflichtung in Millionenhöhe zugunsten des Thermen-Planers Uwe Deyle.
An Lebensgefährtin verkauft

Und jetzt wird bekannt, dass der Immobilieninvestor Herman Densch, mit dem Schmatloch als Bürgermeister vertraglich zu tun hatte, dessen Privathaus im Morsumer Skelinghörn ersteigert und einen Monat später an Schmatlochs Lebensgefährtin verkauft hat.

Densch sagte dazu auf Nachfrage: "Ich habe das Haus ersteigert, was mein Tagesgeschäft ist - das mache ich 80 bis 90 Mal im Jahr. Anschließend habe ich es wieder verkauft, logischerweise mit Gewinn."

Im Februar hatte Schmatloch in einem Interview mit unserer Zeitung sein fast abgeschlossenes Insolvenzverfahren thematisiert und gesagt: "Leider geht dabei mein Privathaus drauf."

Zum Versteigerungstermin am 4. April erschien er dann mit einer Vollmacht seiner Lebensgefährtin und Bargeld. Bei dem Geld handelte es sich um die Sicherheitsleistung (zehn Prozent des vom Gericht ermittelten Verkehrswertes von 217 400 Euro ), die Interessenten nachweisen müssen, um bei einer Zwangsversteigerung kaufen zu können. Seit Februar 2007 wird dafür jedoch kein Bargeld mehr akzeptiert.
"Sondergebiet Hotel"

Zudem legte er einen Vertrag vor, der seiner Lebensgefährtin ein noch mehrere Jahre andauerndes Wohnrecht in dem Haus zusagt. Ein interessierter Bieter nahm daraufhin Abstand von dem Objekt. Densch hingegen gab ein Gebot ab, das unter dem ursprünglichen Mindestpreis lag. Am 24. April wurde es offiziell von der Gläubiger-Bank akzeptiert.

Nur zwei Tage vorher hatten sich Schmatloch und Densch in der Kanzlei des Sylter Notars Sebastian Strohmeier gegenüber gesessen. Dort unterschrieb Schmatloch als amtierender Bürgermeister einen städtebaulichen Vertrag, in dem Densch sich verpflichtete, das Haus Pfalzgraf (Gurtstig 5 in Keitum) in ein Appartementhotel umzuwandeln. Die meisten Wohnungen in dem Gebäude gehören ihm bereits und einen Entwurfs- und Auslegungsbeschluss, wonach das Grundstück "Sondergebiet Hotel" sein soll, hatte die Gemeinde am 16. März 2006 gefasst.
Gemeinde muss nicht annehmen

Aus Investorensicht dient ein solcher städtebaulicher Vertrag, so erklären Juristen, dazu, "eine Gemeinde zur Aufstellung oder Änderung eines Bebauungsplans in seinem Sinne zu motivieren." Eine Verpflichtung, diese "Motivation" anzunehmen, besteht für die Gemeinde ausdrücklich nicht.

Gegenüber der Sylter Rundschau erklärte Christoph Schmatloch gestern, in den nächsten Tagen eine Stellungnahme zu dem Thema abzugeben.

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