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Wohnen auf Sylt : Verkäufe im Seedeich - Sylter Mieter in Sorge

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zwei Wohnhäuser in Westerland werden von Immobilienmaklern zum Kauf angeboten. Die Gemeinde-Politiker fordern schnelles Handeln, um Verlust von Dauerwohnraum zu verhindern

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erstellt am 10.Sep.2015 | 05:00 Uhr

Angespannte Unruhe herrscht bei den Mietern in der Seedeich-Siedlung: Anfang der Woche wurde bekannt, dass zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 16 Wohnungen verkauft werden sollen. Angeboten werden die beiden, in der 1970er Jahren errichteten Gebäude von der Kampener Immobilienagentur Blume und Hagenah als so genannte Sylter Landhäuser zu Kaufpreisen von 1,25 Millionen beziehungsweise 2,55 Millionen Euro. Zu den derzeit zehn Mietern gehören unter anderem Martin Seemann, der Leiter des Bauamts der Gemeinde Sylt, sowie der bekannte Inselkabarettist und Kolumnist Manfred Degen. „Ich bin in großer Sorge, dass durch den Verkauf dem ohnehin sehr kargen Sylter Wohnungsmarkt weiterer Dauerwohnraum entzogen werden könnte“, sagt er. „Man kennt das ja: Dann droht die Gefahr einer schleichenden Entmietung oder die Häuser könnten umgewidmet werden.“

Seit 1971 wohnt Manfred Degen mit seiner Frau Erika im Erdgeschoss des größeren, damals von der Deutschen Bundesbahn errichteten Gebäudes. „Bis Anfang der Neunziger Jahre hab ich ja selbst noch bei der Bahn gearbeitet. Wir Eisenbahner, drei andere wohnen auch noch hier, erhielten damals ein Wohnrecht auf Lebenszeit.“ Deshalb sei sein Vertrag zwar sehr rechtssicher, hofft Degen. Aber natürlich bleibe die Ungewissheit, was künftig mit dem Wohnhaus, was mit der Seedeich-Siedlung im Ganzen passiert: „Zwei der insgesamt elf Wohnungen werden bereits verdeckt als Zweitwohnsitze genutzt, haben keine dauerhaften Mieter – und eine Wohnung steht derzeit leer.“

Um diese Entwicklung einer weiteren Verdrängung von Einheimischen aufzuhalten, will die Gemeinde Sylt nach und nach ganze Areale überplanen und zum Beispiel als Sondergebiete „Dauerwohnen und Fremdenbeherbergung“ ausweisen, in denen keine Zweitwohner erlaubt sind – wir berichteten. Für den Bereich der ehemaligen Eisenbahnerhäuser zwischen Am Seedeich und Lorens-de-Hahn-Straße gibt es aber noch keinen Bebauungsplan – und für das gesamte Gemeindegebiet gebe es keine Wohnraum-Erhaltungssatzung, kritisiert Christian Thiessen. Deshalb hat der Gemeindevertreter der Insulaner-Piraten für die Bauausschuss-Sitzung am kommenden Montag einen Antrag eingereicht, in dem er fordert, einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan zu verabschieden. Das ist direkt aus dem Gremium ohne Zustimmung der Gemeindevertretung möglich. Damit erteilt die Politik der Verwaltung den Auftrag, ein B-Plan-Verfahren durchzuführen. Dies würde den Maklern einen Verkauf der Gebäude zumindest erschweren, hofft Thiessen. Auch die Sozialdemokraten würden einen solchen Antrag unterstützen, teilt Gerd Nielsen mit. „Das muss unbedingt auf die Tagesordnung, das duldet keinen Aufschub“, so der SPD-Fraktionschef. „Es darf nicht sein, dass wir auf der einen Seite Gas geben beim Bau von Dauerwohnungen, dass uns aber auf der anderen Seite durch solche Verkäufe bezahlbare Wohnungen für Sylter verloren gehen.“ Thiessen allerdings verlangt außerdem eine Veränderungssperre für das gesamte Gebiet – als „deutlich schärferes Schwert“, das für mehrere Jahre gilt. Dem jedoch müsste die Mehrheit aller Gemeindevertreter zustimmen. Darüber hinaus fordert der Piraten-Politiker, das Kommunale Liegenschafts-Management (KLM) zu beauftragen, bei Verkaufsangeboten dieser Art mit den Eigentümern in Verhandlungen zu treten und dann der Politik eine Kalkulation für den Kauf vorzulegen.

KLM-Chef Marcus Kopplin teilte auf Anfrage der Sylter Rundschau mit, ein Kauf beider Seedeich-Gebäude sei „grundsätzlich vorstellbar“, zumal sich in dem Gebiet auch Erbpachthäuser des Gemeindebetriebs befänden. „Allerdings müssen wir das auch finanzieren können. Die aktuell geforderten Preise sind einfach nicht darstellbar“, so Kopplin.










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