Keitum Therme : Verhandlungen über Thermenruine gehen in nächste Runde

Die Ruine der Keitumtherme – steigen die Chancen für ihren baldigen Abriss?
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Die Ruine der Keitumtherme – steigen die Chancen für ihren baldigen Abriss?

Heute könnte es zu einer ersten wichtigen Weichenstellung auf dem Weg zur Beendigung des Keitumer Thermendesasters kommen.

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08. Januar 2015, 05:12 Uhr

Heute Abend könnte es zu einer ersten wichtigen Weichenstellung auf dem Weg zur Beendigung des Keitumer Thermendesasters kommen. Zum zweiten Mal trifft sich eine kleine Verhandlungskommission mit Vertretern aus Verwaltung und Politik, um über die Vorschläge von Bürgermeisterin Petra Reiber und Bauunternehmer Kurt Zech für eine außergerichtliche Einigung zu beraten (wir berichteten).

Auf dem Tisch liegt ein Angebot von Zech, als Hauptgläubiger im Insolvenzverfahren seine Millionenforderungen gegenüber der Gemeinde Sylt fallen zu lassen und gegebenenfalls auch die Kosten für den Abriss der Bauruine zu übernehmen. Im Gegenzug will er seinen Hotelkomplex Severin’s Spa um neun Appartement-Doppelhäuser auf dem oberen Teil der so genannten Christiansen-Wiese erweitern, die sich derzeit im Besitz der Gemeinde befindet.

Neben der Bürgermeisterin und dem Bauunternehmer, Anwälten beider Seiten, KLM-Chef Marcus Kopplin und Bauamtsleiter Martin Seemann nehmen auch die Hauptausschussvorsitzenden Carsten Kerkamm (CDU), Erik Kennel (SWG) und Gerd Nielsen (SPD) sowie der Keitumer Ortsbeiratsvorsitzende Oliver Ewald (CDU) an der Gesprächsrunde teil. Vor allem die politischen Vertreter erhoffen sich mehr Klarheit über mögliche Lösungen zur Beendigung des fast ein Jahrzehnt andauernden Debakels, um dann jeweils ein entsprechendes Votum ihrer Fraktionen zum weiteren Vorgehen einholen zu können. Der Sylter CDU-Chef kündigte an, dass seine Partei im Rahmen einer Mitgliederversammlung darüber beraten und entscheiden wird. „Wir sollten möglichst offen und unvoreingenommen in die Gespräche mit Kurt Zech gehen“, sagt Ewald, „und uns bemühen, zu einer schnellen Lösung zu kommen. Aber wie immer das Ergebnis auch ausfallen mag: es muss hundertprozentig rechtskonform sein“.

Erik Kennel, Fraktionsvorsitzender der Sylter Wählergemeinschaft, erwartet, heute endlich das schriftlich in die Hände zu bekommen, was ihm bisher nur mündlich aus dem letzten Hauptausschuss und der Berichterstattung der Sylter Rundschau bekannt sei. Dazu gehören für ihn neben der Vorlage einer Planzeichnung des Areals zwischen Am Tipkenhoog und Ingiwai vor allem detaillierte Informationen zu Anzahl und Größe der geplanten Gebäude, die Art der Bebauung und Nutzung sowie die Ausstattung der Appartementhäuser. Darüber hinaus möchte Kennel wissen, wie die vertraglichen Regelungen sowohl für den bisherigen Bestand auf dem Zech-Grundstück, als auch für die zukünftig beabsichtigte Bebauung aussehen.

„Aber natürlich interessiert mich außerdem sehr, wie flexibel Herr Zech ist“, sagt Kennel. „Stimmt er einem Deal nur zu, wenn ihm die Errichtung von Hotelneubauten erlaubt wird? Oder kann er sich auch nur eine Beendigung seiner Forderungen inklusive Thermenabriss vorstellen?“ All das soll dann der demokratischen Meinungsfindung in der SWG-Fraktion sowie der Vorbereitung einer dritten Gesprächsrunde zu dem Thema dienen. Wie es danach weitergeht, welche gemeindlichen Gremien sich wann als nächstes damit befassen könnten, möchte Kennel nicht voraussagen: „Dazu ist es nach dem jetzigen Stand der Dinge mit zahlreichen offenen Fragen noch viel zu früh.“

Ähnlich äußert sich Gerd Nielsen (SPD): „Ich werde Kurt Zech sorgfältig zuhören und das Ergebnis der Gespräche mit ihm, aber auch mit Bürgermeisterin Reiber meiner Fraktion unterbreiten. Wir müssen dann schauen, ob es uns tatsächlich gelingt, einen gemeinsamen Weg zu beschreiten. Unter Zeitdruck setzen lassen werden wir uns aber auf gar keinen Fall.“ Der Fraktionschef der Sylter Sozialdemokraten weist außerdem darauf hin, dass Grundstücksgeschäfte dieser Größenordnung zwingend in den Fachausschüssen beraten und von der Gemeindevertretung abgesegnet werden müssen.

Für Petra Reiber ist und bleibt eine Einigung mit Zech der einzig gangbare Weg, um das Thermenproblem in absehbarer Zeit zu lösen. Damit bestehe nicht nur die Chance, endlich die Bauruine abzureißen, sondern die Gemeinde könne sich durch einen Vergleich zumindest einen Teil des Geldes zurückholen. „Jetzt ist die Politik gefordert und muss sagen, ob sie überhaupt damit leben und wenn ja, wie sie damit umgehen möchte. Das muss ich zunächst wissen, bevor ich überhaupt etwas schriftlich niederlegen kann“, so Petra Reiber. Dem Ergebnis der Gesprächsrunde sieht die Bürgermeisterin hoffnungsvoll entgegen, aber „wenn Grundsätzliches in Frage gestellt werden sollte und wenn es nicht gewollt ist, dann ist das auch für mich in Ordnung“. Allerdings gibt Reiber zu bedenken, dass dann alles dem freien Spiel der Kräfte überlassen sei und voraussichtlich noch viele weitere Jahre das Ende aller Prozesse abgewartet werden müsse.

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