Verhandlungen über Autozug vertagt

Die Zeit läuft runter im Vergabeverfahren um den Autozug – doch noch immer ist keine Entscheidung gefallen
Die Zeit läuft runter im Vergabeverfahren um den Autozug – doch noch immer ist keine Entscheidung gefallen

Gestern fanden bei der DB Netz AG sogenannte Trassenkonfliktgespräche zur künftigen Nutzung der Autozugstrecke statt.

shz.de von
22. Mai 2015, 05:30 Uhr

Eigentlich sollte gestern und heute in einem Konfliktgespräch bei der Vergabeinstanz DB Netz AG geklärt werden, ob eine Einigung darüber erzielt werden kann, welche Trassen von den beiden Bewerbern um den Autozug – die DB Fernverkehr für den Syltshuttle und der neue Konkurrent, die Railroad Development Corporation (RDC) Deutschland – mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember dieses Jahres genutzt werden können. Oder ob letztendlich doch nur eine Versteigerung jeder einzelnen Trasse zum jeweiligen Höchstgebot im sogenannten Windhundverfahren zur endgültigen Klärung führt, wer zukünftig wie viele Fahrten zum Transport von Kraftfahrzeugen aller Art auf die Insel anbieten darf.

Doch wie von Bahninsidern vorausgesagt, hat die DB Fernverkehr längere Strecken als RDC beantragt, um damit den rechtlichen Vorteil zu nutzen, dass grundsätzlich demjenigen eine Trasse zugesprochen werden muss, der weiter fährt. Und die Bahn hat nicht etwa, wie Anfang der Woche berichtet, die Streckennutzung von Westerland bis Husum beantragt, sondern bei den Verhandlungen am runden Tisch der DB Netz AG erklärt, auf allen beantragten 70 Trassen bis nach Hamburg-Altona fahren zu wollen.

Mit Konkurrent RDC blieben dann nicht mehr viele Konflikte zu verhandeln, weil die Tochtergesellschaft eines US-Eisenbahnunternehmes lediglich für die Strecke Niebüll-Westerland angemeldet hatte. Entsprechend erbost reagierte RDC-Geschäftsführer Carsten Carstensen auf die neue Wende im Wettstreit um das lukrative Autozuggeschäft: „Die Deutsche Bahn Fernverkehr AG verfolgt offenbar die Taktik, RDC im Wettbewerb um die Trassenvergabe Niebüll-Westerland dadurch auszustechen, dass sie bei ihrer Konzernschwester, der DB Netz AG, viel längere Trassen bestellt als überhaupt notwendig, um von Niebüll nach Westerland zu kommen.“ Für Carstensen ist das Ganze nur ein Trick, der aber auch finanzielle Gründe habe: „Wer längere Trassen bestellt, zahlt mehr Geld an die DB Netz AG und bekommt dadurch den Zuschlag. Der DB Fernverkehr fällt so eine Bestellung in Höhe von fünf Millionen Euro im Jahr mehr als notwendig leicht, weil das Geld sowieso in der Konzernkasse der DB fällt. Im Ergebnis zahlt also der Bahnkunde für die Wettbewerbstrategie der DB Fernverkehr. Der tut das nicht weh, weil die Strecke nach Sylt eine Cash Cow ist, mit der die Bahn jährlich mindestens 40 Millionen verdient.“

DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen: „Wir haben regelkonform unsere Trassen angemeldet. Offensichtlich gab es mehrere Trassenanmeldungen, die zu Konflikten führen. Wir führen derzeit Gespräche, um diese zu lösen.“ Die Deutsche Bahn wolle weiterhin die gute Versorgung und Anbindung der Insel durch den Syltshuttle gewährleisten. Der heutige zweite Gesprächstermin wurde abgesagt, für den 2. Juni hat die DB Netz AG erneut beide Bewerber an den Verhandlungstisch geladen.

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