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Leistungsschau : Verhaltene Innovationskraft auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zwei Tage lang präsentierten sich verschiedene Aussteller auf der Messe „Sylt Innovativ“ in den Räumen der Lebenshilfe in Westerland

Wenige Minuten erst ist die Messe „Sylt Innovativ“ zu Ende. Die Aussteller packen zusammen, schnell sind Stände und Roll Ups weggeräumt, letzte fröhliche Abschiedsworte werden sich zugeworfen, sich noch einmal ganz herzlich gedrückt. Von Konkurrenzgefühl keine Spur.

Ohne langes Nachdenken oder Absprachen untereinander ziehen die Initiatoren Peter Kötting, Stefan Hartmann, Michael Schlüter und Frank Deppe auf der Terrasse bei Kaffee und Zigarette ein erstes Resümee ihrer zweiten Auflage von „Sylt Innovativ“. Einig sind sie sich in der Beurteilung der Chancen ihrer Messe, mit dieser Veranstaltung zu vernetzen und anzuspornen, Innovationen auf und für Sylt zu entdecken.

Viele gute und auch wegweisende Ideen gäbe es bereits auf der Insel oder wären sinnvoll für Sylt, doch fehle ihnen die Öffentlichkeit, damit sie genutzt werden könnten.

Michael Schlüter vom PC-Service Schlüter unterlegt das mit einem Beispiel. „Heute fragen die Feriengäste bereits nach dem Wlan-Passwort, bevor sie nach dem Schlüssel fragen. Da jeder im Schnitt mit zwei bis drei Endgeräten kommt, ist Internet ein absolut wichtiges Thema. Diese Informationen können ebenso wie Codes für digitale Schlüssel in einer speziellen Wohnungs-App gespeichert werden. Dann braucht niemand mehr einen Schlüssel irgendwo abzuholen oder zu bringen. Das spart Zeit und Geld. Durch Smart Home ist es für den Hauseigentümer möglich, sofort nach Abreise der Gäste deren Verbrauch zu erfassen, zu schauen, ob Licht und Herd ausgeschaltet sind und sich damit unnötige Wege zu sparen. Das gilt auch für Zweitwohnungsbesitzer, die vom Festland aus prüfen können, was sich in ihrem Haus auf Sylt tut“, zählt der Computerfachmann auf und berichtet weiter: „Bei vielen meiner Kunden konnte ich Begehrlichkeiten wecken, die sie vorher nicht hatten, weil sie die Möglichkeiten nicht kannten. Jetzt kann ich Angebote erstellen und Abschlüsse machen.“

Gleiches gilt auch für die Aussteller auf der Messe wie die Firma Gastfreund, die Hotels die Möglichkeit bietet, sich zielgruppengerecht digital mit Informationen an ihre Gäste zu wenden. Vier Kunden hat das Unternehmen bereits auf Sylt gewonnen, in den nächsten Wochen kommt es zu weiteren Gesprächen wieder in den Norden.

„Die Zeit des Papiers für Informationen in einem Hotel ist fast vorbei,“ ist sich Peter Kötting von Eisbär Merch & Events sicher, „Die Menschen bekommen eine App, die ihnen mitteilt, wann wo das Frühstück stattfindet und welche Ausflugsmöglichkeiten es gibt.“ Für Sylter Hoteliers war „Sylt Innovativ“ also eine gute Gelegenheit, sich zu informieren. Das gilt auch für die Bereiche E-Mobilität oder Personalsuche.

Die mangelnde Resonanz, vor allem aus der Wirtschaft, stößt bei den Machern auf Unverständnis. „Wir sollten nicht nur auf Sylt gucken, sondern auch auf das Festland und die enorme Innovationskraft der Gesamtregion nutzen,“ rät Syltfunk-Geschäftsführer Stefan Hartmann. Da auf „Sylt Innovativ“ viele Festlandsunternehmen vertreten seien, gab es auf der Messe die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zum Kennenlernen. „Wo wir sind, da ist vorne!“ sagt der Radiomann nicht ohne Stolz.

Peter Kötting ist da verhaltener: „Wir können uns bislang noch keine Zwei geben, sondern nur eine Drei.“ Zu gering ist seiner Ansicht nach noch die Durchschlagskraft der Veranstaltung. Woran das liegt, müsse jetzt in gemeinsamen Gesprächen analysiert werden. Einen Grund sieht er in der starken Überalterung der Insel. „Ich glaube, auf Sylt ist viel Potenzial. Was fehlt, sind der Blick über den Tellerrand und mehr junge Menschen. Menschen zwischen 30 und 40 Jahren haben einfach ein anderes, innovatives Denken.“

Doch auch der mangelnde Elan könnte ein Grund sein. So hätten die ehrenamtlichen Vereine kaum das Angebot genutzt, sich im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beraten zu lassen. Journalist Frank Deppe zählt auf, dass es jedoch notwendig sei, für unterschiedliche Medien jeweils passend schreiben zu können, um mit seinem Anliegen die Öffentlichkeit zu erreichen: Facebook stelle andere Anforderungen als eine Homepage, Twitter wiederum andere als ein Zeitungsartikel.

„Warum,“ fragt Stefan Hartmann, „schaffen wir für Vereine nicht eine digitale Plattform, in der alle Veranstaltungen am Wochenende gesammelt werden? So sind nicht nur wir Journalisten schneller informiert, sondern auch die Fans. Das nehme ich von der Messe für mein Unternehmen mit: Auch ich muss heutzutage innovativ mit Informationen umgehen.“

Peter Kötting fasst zusammen: „Jeder lernt sehr viel von den Innovationen, doch hat sich hier auf Sylt anscheinend das Potenzial noch nicht gelöst. Viele Leute sagen – toll, dass ihr diese Messe macht. Doch wenn am Messetag die Sonne scheint, kommen sie doch nicht.“

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