zur Navigation springen

Kolumne Strandgut : Vergrämen und verschweigen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Möwen, die längste Tempo-30-Zone Deutschlands und eine neue Maßnahme des Bürgermeisters bewegten unseren Autor in dieser Woche besonders.

Es ist eine Plage. Und keiner weiß so recht, wie man dieser Plage Herr werden kann. Ja, die Möwen sind gemeint - und doch nicht nur die. Denn wenn man es genau betrachtet, haben es die Sylter ja mit manchen Herausforderungen zu tun, die wie Plagen empfunden werden.

Nehmen wir nur die längste 30-Zone Deutschlands, die von Westerland bis zur Sansibar reicht und den automobilen Kriechern tief befriedigende, genussvolle Stunden bereiten dürfte. Können sie doch endlich den fetten Karossen hinter ihnen zeigen, dass es jetzt mal so läuft wie es sich überzeugte Schleicher sehnlichst wünschen: gaaaanz langsam...

Diese Form der Vergrämung von Verkehrsteilnehmern, die man für notorische Raser und Protzbrocken hält, ist allerdings genau so fragwürdig und unwirksam wie die angeleinten Plastikfalken auf den Dächern, die die Möwen erschrecken soll. Sind doch die Raubvögel so schlau wie die PS-Junkies. Die haben nämlich längst erkannt, wie man mit den 30-kmh-Erzwingern umgeht: Man überholt sie einfach. Und das mit Schmackes und dem beruhigenden Gefühl, dass sowie mal wieder keiner guckt.

Wir wollen an dieser Stelle aber auch nicht verschweigen, dass die Zeitung von einigen als Plage empfunden wird, insbesondere, wenn sie mal wieder nicht die eigene Meinung oder Überzeugung teilt. Nun kommt dies quasi täglich vor. Mal fühlen sich zum Beispiel bei der Halle 28 die Abriss-Gegner nicht richtig wieder gegeben, ein anderes Mal sind es die Befürworter. Kritisch sollen wir sein, auf Missstände hinweisen - aber bitte nicht nachbohren oder gar kritisieren, wenn es die eigenen Belange, Positionen oder Empfindungen betrifft. Da es auf der Insel von kontrovers diskutierten Themen etliche gibt, wird es wohl auch zukünftig keinen Mangel an hitzigen Reaktionen auf Zeitungsberichte geben.

Vergrämungsanlagen für Zeitungen werden allerdings noch nicht im Internet angeboten. Vielleicht liegt es daran, dass deshalb gern zu klassischen Maßnahmen gegriffen wird. So hat Sylts Bürgermeister jetzt seiner Verwaltung jede Auskunft an die Presse strikt verboten. Verschweigen statt vergrämen. Der Chef selbst will gefragt sein und werden - und als einziger die Antworten geben. Damit ist man zwar noch nicht die Presse los, aber verhindert, dass mehr Infos das Rathaus verlassen, als gewünscht. Wenn es denn so klappt...

zur Startseite

von
erstellt am 09.Apr.2016 | 05:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen