Kommentar : Verbot ohne schlüssige Begründung

Michael Stitz, Chefredakteur  sh:z Medienhaus Sylt
Michael Stitz, Chefredakteur sh:z Medienhaus Sylt

Chefredakteur Michael Stitz zur Kontroverse um die King's Kids.

shz.de von
30. Juni 2014, 11:43 Uhr

Jugendarbeit ist etwas Gutes, ja Notwendiges. Leider werden aber junge Menschen immer weniger erreicht, organisieren sich nicht mehr gern in Vereinen und noch weniger gern unter dem Dach der Kirchen. Traditionen brechen weg, Familienstrukturen auch. Da scheint die offene Spielplatzarbeit der Sylter Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden ein gutes Angebot zu sein, um Kinder zu erreichen. Und zwar dort, wo sie sind. Sie für Werte und Traditionen zu begeistern und zu gewinnen, ihnen Halt und Orientierung zu bieten.

Doch genau darin liegt das Problem, sehen Kritiker dieser Arbeit die Gefahr von Einflussnahme auf die Kinder, die so auf eine Religion und Ideologie eingeschworen werden sollen, die für gefährlich eingestuft wird. Denn nicht Toleranz ist hier der höchste Wert, sondern die Befolgung von (strengen) Geboten und Glaubenssätzen.

Im Fall der Sylter King’s Kids gibt es aber keinerlei Hinweise, keine Klage oder Vorfälle, die eine solche Gefahr belegen. Die Vorwürfe bleiben theoretisch.

Es ist schwer zu ermessen, welchen Verlust der Wegfall der Spielplatzarbeit für Sylter Kinder bedeutet. Der Verbotsvorgang ist allerdings auch nicht geeignet, den Menschen, die für diese Arbeit Sympathie haben, klar zu machen, warum sie eingestellt werden muss.

Die Freikirchler stehen jetzt wie die Gutmenschen da, die in ihrem sozialen Engagement vom Staat gestoppt wurden. Es wäre besser gewesen, wenn die Gemeinde Sylt sich in einer offenen Stellungnahmen zu der Spielplatzarbeit geäußert hätte. Noch besser und wirkungsvoller wäre es, wenn sie ein attraktives Alternativangebot – vielleicht sogar mit den Kirchengemeinden der Insel – offerieren würde.

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