Sylt vor dem Sturm : Veranstalter auf der Insel haben Wetter-Sorgen

Ob im Regen oder in der Sonne: Sylt ist immer schön.
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Ob im Regen oder in der Sonne: Sylt ist immer schön.

Ein Sturmtief zieht auf: Das kann fürs Polo–Turnier schlecht und für die Surfer gut sein.

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24. Juli 2015, 18:13 Uhr

Gewitter und Regen: Ein schweres Sturmtief mit starken Böen soll am Wochenende über Sylt ziehen. Den Sonnenschirm können Urlauber und Insulaner dann wohl eher zusammengeklappt lassen. Warum Touristiker allerdings glauben, dass das einen echten Inselfan nicht kratzt und welche Veranstaltungen wegen des Sturms ins Wasser fallen können, haben wir zusammengefasst.

Bereits in der Nacht zu morgen soll das Tief über Norddeutschland in Richtung Südschweden ziehen, dazu kann es auf Sylt gewittern und Schauer geben, sagte Jens Kieser vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Kräftiger Regen wird auch für Sonnabend erwartet: Bei 18 Grad soll dann am Nachmittag der Wind stark auffrischen. Böen können laut DWD bis zu Windstärke zehn erreichen. Auch am Sonntag bleibe es zunächst sehr stürmisch – die Temperaturen sinken auf 16 Grad. Zum Mittag soll das Windfeld dann langsam abflauen.

Doch auch wenn es jetzt erst einmal ungemütlich wird: Schlechtes Wetter kann erfahrene Sylt-Urlauber nicht abschrecken, glaubt Peter Douven, Geschäftsführer des Insel Sylt-Tourismusservice (ISTS). „Das Wetter ist nordseetypisch wechselhaft und entspricht der sprichwörtlichen Sommerfrische. Nordseeurlauber kennen das und erholen sich besser als bei 40 Grad an überfüllten Stränden; hier zählt eher das Klima als permanente Besonnung“. Auch bei nicht so sommerlichem Wetter gäbe es auf Sylt genug Freizeitangebote. „Jetzt steht uns ein etwas windigerer Tag bevor, aber auch das ist Naturerlebnis pur“, bewertet Douven das Sturmtief geradezu positiv.

Auch Hörnums Kurdirektorin Finja Fröhlich zeigte sich gelassen: „Wir haben hier auf der Insel schon ganz andere Stürme erlebt.“ Unbesorgt bleibt auch Henning Sieverts, Tourismuschef der Gemeinde Wenningstedt-Braderup: Die Menschen wüssten, dass es auf der Insel keine Schönwetter-Garantie gibt. Schwierig würde es nur, wenn es mehrere Tage am Stück regnet „dann kann die Stimmung schon mal kippen“.

Im Urlaub kann man so eine Schlechtwetter-Depression nachvollziehen – doch Insulaner dürfte der Regen nicht auf die Stimmung schlagen – zumindest, wenn man einer Studie amerikanischer Psychologen glaubt. Sie sagen: Das Wetter zeigte keinen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit. Selbst Stürme hätten keine Auswirkungen auf die Stimmung ihrer Probanden. Außergewöhnlich schlecht sei der Sommer 2015 – mit seinem wechselhaften Wetter – bisher ohnehin nicht gewesen, weiß der Experte Kieser vom DWD. Sondern einfach typisch für Norddeutschland. Allerdings: „Das was uns jetzt im Norden erwartet, ist für diese Jahreszeit sehr untypisch.“ Ein Sturmtief dieses Ausmaßes passe eigentlich eher in den Herbst oder Winter.

Welche Veranstaltungen, die am Wochenende im Freien auf der Insel geplant sind, stattfinden werden, war gestern zunächst unklar. Die Spieler des Polo-Turniers, das bis zum 2. August in Keitum stattfindet, wollen heute Mittag entscheiden, ob sie auf die Pferde steigen. „Wir gehen aber davon aus, dass wir nicht spielen“, sagte Veranstalterin Stephanie Schneider. Denn auf regennassem Platz kann das Turnierreiten gefährlich sein. Die Spiele sollen aber in der kommenden Woche nachgeholt werden. „Wir haben die großen Pferde-Lkw vor die Zelte mit den Tieren gestellt, um sie zu schützen“, so Schneider.

Bis Sonntag findet der Surf Cup der Windsurfer am Brandenburger Strand in Westerland statt. Der Veranstalter Choppy Waters sieht dem drohenden Sturm mit eine „lachenden und einem weinenden Auge“ entgegen. Für die Aufbauten an Land seien Sturmböen bis zu zehn Windstärken eine Gefahr: Schon gestern began man deshalb, Zelte und Flaggenmasten mit Spanngurten sturmfest zu machen. Für die Windsurfer aber sei das Wetter perfekt. „Am Sonntagmorgen rechnen wir mit drei bis vier Meter hohen Wellen – das ist einfach grandios, und die Bedingungen für das Finale des Surf Cup damit legendär“, so der Veranstalter. Sie hoffen, dass die führenden Surfer der Disziplin Wave am Sonntagmorgen spektakulär auf der Nordsee austoben können.

Wie die Surfer wappnen sich auch die Veranstalter des Dorfteichfests in Wenningstedt, das heute gefeiert werden sol. „Wir hoffen, dass das Sturmtief an uns vorbeizieht“, zeigte sich Henning Sieverts gestern zuversichtlich. Bierwagen und andere Stände stünden schon parat – Kinderhüpfburg und Flohmarktstände wurden aber noch nicht aufgebaut. „Wir warten ab, wie sich das Wetter am Sonnabend, dem Festtag, entwickelt und entscheiden dann“, sagt der Tourismuschef. Wirklich sommerlich soll es auch zum Wochenanfang nicht werden: Bei Regen bleibt es mit 17 Grad eher frisch.

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