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Sylter Rundschau

18. Oktober 2017 | 22:56 Uhr

Ver.di: "Wir lassen nicht locker"

vom

Überstunden, Fachkräftemangel und ungleiche Bezahlung - Verdi-Vorstand kritisiert Asklepios / Unternehmen verweist auf Einigung aus 2012

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Westerland | Sprechchöre, Trillerpfeifen und Verdi-Flaggen hat man vor der Asklepios-Nordseeklinik seit Ende des vergangenen Jahres nicht mehr gesehen. Nachdem die Belegschaft 46 Streiktage einlegte - einigte sich der Konzern mit den Angestellten. Doch unter der Oberfläche rumort es am Standort noch immer - behauptet jedenfalls Sylvia Günther. Gestern stattete das Mitglied des Ver.di-Bundesvorstandes und Fachbereichsleiterin für Gesundheit, der Klinik einen Besuch ab. Bühler ist erst seit März im Amt, doch die Reise auf die Insel war ihr schon länger ein Anliegen: "Die Auseinandersetzung an der Sylter Asklepios Klinik war eine der schwersten im deutschen Gesundheitswesen überhaupt - auch deswegen wollte ich mir das einmal vor Ort ansehen."

Entgegen den öffentlichen Äußerungen von Asklepios-Besitzer Bernard Grosse Broermann, sei es um den Standort Sylt nicht gut bestellt. Unterhalb der ärztlichen Leitungsebene sähe es für die Angestellten schlecht aus. Hauptproblem sei der fehlende Tarifvertrag, so die Verdi-Funktionärin. "Einzelarbeitsverträge, wie sie für große Teile der Asklepios-Belegschaft abgeschlossen wurden, schaden dem sozialen Frieden im Unternehmen." Gleiche Tätigkeit werde so häufig nicht gleich bezahlt. "Mir wurde von Gehaltsabweichungen von bis zu 400 Euro berichtet."

In der Hamburger Konzernzentrale schüttelt man über die Äußerungen der Gewerkschafterin indes nur den Kopf: "Die Gewerkschaft ver.di und Asklepios haben sich im Oktober vergangenen Jahres auf eine gemeinsame Lösung für den Tarifkonflikt auf Sylt verständigt. Die Klinik unterbreitete den Mitarbeitern dabei ein neues Angebot, dessen Annahme ver.di der Belegschaft sogar ausdrücklich empfahl", wundert sich Asklepios-Sprecher Rudi Schmidt über die jetzige Kritik. Einzelarbeitsverträge könnten die Sylter Besonderheiten wesentlich besser berücksichtigen als ein Tarifvertrag vom Festland.

Aus einer gestrigen Betriebsversammlung berichteten Mitarbeiter, dass unter anderem die große Anzahl an Überstunden thematisiert wurde, die aus Mangel an Fachpersonal resultieren sollen. Demnach hätten allein die sechs Mitarbeiter der Röntgenabteilung bis Ende Juni über 700 Überstunden angehäuft, die nicht durch die Zustimmung des Betriebsrates abgesegnet worden seien. "Herr Broermann muss in einer anderen Welt unterwegs sein. Er weiß um die unhaltbaren Zustände, aber verkauft sie anders", kommentiert Bühler. Eine Klinik dürfe nicht primär an Gewinn orientiert sein. Dem wiederspricht Rudi Schmidt: "Asklepios schüttet keine Gewinne aus, sondern reinvestiert alle zur Verfügung stehenden Mittel, das ist auch in der Nordseeklinik so." Die Ver.di-Funktionärin will das Thema eines Sylter-Tarifvertrags trotzdem noch nicht aufgeben. "Wir lassen nicht locker."

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