Ute Farenburg nimmt ihre Hüüf

Ute Farenburg blättert in einem alten Fotoalbum - mit elf Jahren tanzte sie erstmals in einer Trachtengruppe.  Foto: Steur
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Ute Farenburg blättert in einem alten Fotoalbum - mit elf Jahren tanzte sie erstmals in einer Trachtengruppe. Foto: Steur

Nach 22 Jahren gibt Ute Farenburg die Tanzleitung der Sylter Trachtengruppe ab / Henning Krahl soll im nächsten Jahr die Nachfolge antreten

shz.de von
05. August 2011, 06:18 Uhr

Westerland | Ute Farenburg blättert in einem alten Fotoalbum: "Mensch, da hatten wir ja gerade ganz neue Trachten", sagt sie. Die 66-Jährige beugt sich näher über das Bild. "Das da, das bin ich, bei der der Rock so schwingt."

Seit 1989 gibt Farenburg den Ton bei der Sylter Trachtengruppe an. Jetzt soll damit Schluss sein. "Ich denke, es wird Zeit, dass für mich ein Nachfolger gefunden wird. Ich hab das nun wirklich lang genug gemacht." Die Tanzleiterin hat sich auch schon einen ausgeguckt: Henning Krahl. "Er macht gerade seinen Tanzleiterschein, im Frühjahr müsste er fertig sein und dann übergebe ich ihm die Leitung offiziell." Wie und wann das im nächsten Jahr stattfindet, wisse sie selbst noch nicht genau.

1989 erkrankte der damalige Tanzleiter Manfred Holst und dessen Stellvertreterin zog sich daraufhin auch zurück. "Na ja und dann hab ich die Tanzleitung mehr oder weniger aufs Auge gedrückt bekommen", erinnert sich Farenburg augenzwinkernd. Was eine gute Tanzleiterin ausmacht, weiß die Sylterin genau: "Man muss viele viele Tänze kennen, immer wieder neue raussuchen, damit es der Gruppe nicht langweilig wird, man muss alte Tanzbeschreibungen lesen können und eine gute Stimme haben, wenn möglich." Denn in einer Trachtengruppe ist nicht nur tänzerisches Können gefragt, sondern auch melodischer Gesang. "Heute brumme ich leider nur noch, aber früher konnte ich noch singen." Mit ihrem geübten Blick, kann Farenburg am Sitz der Hüüf (der traditionellen Kopfbedeckung der Frauen) sehen, wer auf dem richtigen oder auch auf dem falschen Fuß steht. "Wie viele Tänze ich kenne? 100 oder 120. Aber ich habe sie nicht alle parat, einige müsste ich mir nochmal angucken."

Mit elf Jahren kommt die 66-Jährige erstmals mit Trachtentanz in Berührung: "Der Turnverein war unser Leben damals und weil ich am Jugendwettstreit teilnehmen wollte, musste ich neben Geräteturnen und Leichtathletik auch einen Tanz vorführen." Ein paar Jahre später "schwappte" der Square Dance vom Festland rüber, aber das war so gar nicht Farenburgs Ding. Sie gründete eine Familie, bekam zwei Kinder und fand erst mit Anfang 40 wieder zum ursprünglichen Trachtentanz zurück. "In den Statuten steht ja eigentlich, dass die Tanzleiterin mit dem 65. Lebensjahr aufhören muss, ich bin schon 66", sagt sie. Nach so langer Zeit gebe sie die Gruppe nicht einfach an irgendwen ab. "Henning wird seine Sache gut machen, er kann tanzen und hat eine Menge Humor."

Bis zur Übergabe stehen aber noch einige Auftritte und zahlreiche Trainingsstunden an. "Und da werde ich nach wie vor den Ton angeben." Wie gesagt, noch bis zum Frühjahr - dann nimmt Ute Farenburg ihre Hüüf.

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