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Tote Seehunde an Sylter Stränden : Ursache für Seehundsterben noch unklar

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bisher sind an den Sylter Stränden mehr als 100 tote Tiere gefunden worden.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2014 | 05:30 Uhr

Der Seehund an der Ablaufbahn am Lister Hafen liegt reglos im Sand. Ein paar Austernfischer suchen in der Nähe nach Nahrung, Wellen plätschern an den Strand. Seehundjäger Claus Dethlefs fährt mit seinem Wagen so dicht wie möglich ran. „Das ist ein Weibchen“, stellt er nach kurzer Begutachtung des toten Tiers fest. 1,53 Meter lang, äußerlich unversehrt – so wie die meisten Seehundfunde derzeit. 106 tote Seehunde haben die drei Sylter Seehundjäger seit Anfang Oktober von den Stränden der Insel geholt. Das sind laut Claus Dethlefs doppelt so viel wie sonst. Wenn die Männer mit ihren Autos die Küste längs fahren, sehen sie meist schon von weitem die Menschentraube, die sich um den Kadaver herum versammelt hat. Immer wieder dieselben Fragen beantworten die Ehrenamtlichen geduldig, während sie den Seehund vermessen, das Geschlecht feststellen und in eine Tüte legen. „Sie wollen vor allem wissen, woran die Tiere sterben“, berichtet Thomas Diedrichsen, ebenfalls Seehundjäger. Noch habe er keine Antwort darauf. Die Untersuchungen durch Fachleute der Tierärztlichen Hochschule Hannover laufen derzeit. Ob Staupe- oder Influenzaviren für das Seehundsterben verantwortlich sind, soll in den nächsten Tagen geklärt werden.

Wenn ein Tier völlig geschwächt im Sand liegt und kaum noch Regung zeigt, wird es durch die Seehundjäger von seinem Leid erlöst. „Wir können es bei der Menge zur Zeit nicht immer ohne Zuschauer machen“, bedauert Diedrichsen. Die Männer informieren aber vorher die Umstehenden, so dass jeder rechtzeitig weiter gehen kann. Alle toten Seehunde werden in großen Kühltruhen auf der Insel zwischengelagert, bis Mitarbeiter des Nationalparkamtes sie abholen. Welche von ihnen auf den Sektionstisch kommen, entscheiden ebenfalls die Mitarbeiter der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Anfang des Jahres bereits hatten es die Sylter Seehundjäger mit vielen toten oder schwer erkrankten Tieren zu tun. Damals waren Lungenwürmer die Ursache. Das vereinzelte Schießen der Tiere am Strand ging deutschlandweit durch die Presse. „Seehunde sind zwar geschützt sind und dürfen nicht bejagt werden“, erläutert Dr. Hendrik Brunckhorst vom Nationalparkamt in Husum. Dennoch unterliegen sie dem Jagdrecht. „Deshalb kümmern sich in Schleswig-Holstein rund 40 speziell geschulte Seehundjäger – die aus traditionellen Gründen diesen Namen tragen – um kranke oder tote Tiere. Maßgeblich für sie sind einheitliche Regelungen, die die Natur-, Jagd- und Tierschutzbehörden Schleswig-Holsteins, Hamburgs und Niedersachsens 1997 dazu vereinbart haben.“

Während Tierschützer in Deutschland noch befürchten, die aktuell unter den Seehunden im Wattenmeer grassierende Seuche könnte zu einem Massensterben führen, gibt die dänische Naturschutzbehörde bereits Entwarnung. Jens Hjerrild Hansen von der für das Wattenmeer zuständigen Abteilung in Linnet bei Scherrebek erklärte, dass zum Beispiel bei Mandø bis zu 100 tote Seehunde angeschwemmt worden sind. „Zwölf der toten Tiere haben wir zu Untersuchung an die zuständigen Laboratorien geschickt“, so der Mitarbeiter der dänischen Behörde. Man gehe davon aus, dass die Seehunde im Wattenmeer von den gleichen Viren infiziert worden sind wie die Seehunde im Kattegatt und Limfjord. Auch dort waren auch zahlreiche Tiere gestorben.

„Nach unseren Erkenntnissen klingt die Erkrankung nach einer Woche ab. Gestorben sind durchweg erwachsene Exemplare“, so Hjerrild Hansen, der auch berichtet, Laboruntersuchungen hätten gezeigt hatten, dass die toten Tiere von einem Virus befallen waren, die denen der Vogelgrippe ähnelten. „Es handelt sich nicht um die Seehundspest, die vor einigen Jahrzehnten zum Massentod geführt hatte“, unterstreicht der Experte und fügt hinzu, er habe den Eindruck, dass der Höhepunkt der Erkrankungen im dänischen Teil des Wattenmeers bereits vorüber ist. Möglich sei es jedoch, dass sich die Seuche mittlerweile im deutschen Teil des Wattenmeers ausbreitet.
 

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