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Sylter Rundschau

14. Dezember 2017 | 04:00 Uhr

Urlaubsvorfreude

vom

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Ich habe demnächst Urlaub. Wann genau, das verrate ich aber nicht. Bleiben wir schlicht und ergreifend bei der Formulierung "demnächst". Ich freue mich sehr, habe aber auch Angst. Wovor? Na, wir hatten jetzt unschlagbar lange fünf Wochen fast durchgängig traumhafte Sommer-Sonne-Strandtage. Logischerweise wird jetzt also irgendwann was passieren? Richtig, das Wetter wird umschlagen. Statistisch gesehen MUSS es demnächst umschlagen. Und damit wären wir wieder bei meinem Urlaub... Vielleicht mache ich mich ja aber auch völlig zu unrecht verrückt und wir schwitzen sogar noch bis Oktober weiter. Wär das toll. Und damit kommen wir auch schon direkt zu den tollen Dingen, die ich in meinem Sylt-Urlaub unternehmen möchte.

Weiterhin an oberster Stelle meiner Urlaubsliste steht, ob Sie es glauben oder nicht, die (immer noch nicht angetretene) Wattwanderung. Peinlich. Jetzt aber. Versprochen, Angelika. Meine Sylter Freundin möchte das Erlebnis mit mir teilen und tritt mir seit Monaten auf die Füße. Richtig so. Wobei, ich hatte von vornherein gesagt, dass ich es "diese Saison" abhaken werde. Die Autozüge gen Sylt sagen: es ist noch Saison! Also liege ich definitiv noch im Zeitplan. Außerdem möchte ich nach List radeln. Zur "neuen" Eisdiele. Jedes Mal, wenn ich die Insel Richtung Syltfähre verlasse, sehe ich dort ohne Ende glückliche Eis schleckende Menschen draußen sitzen. Ich möchte auch etwas von diesem Glück, und zwar mit doppelt Sahne (hmmmm, die mit besonders viel Fett) und Schokostreuseln.

Auf meiner Urlaubsliste steht ein zweites Mal List. Ich möchte nämlich endlich den Wellness-Bereich im Arosa-Hotel testen, in der Sauna schwitzen und von drinnen nach draußen schwimmen. Soll toll sein. Bin gespannt. Und: ich habe mich bei Landwirt Petersen aus Morsum zum Mähdrescher fahren angemeldet. Oder doch eher aufgedrängt? Egal. Er hat mir übrigens erzählt, dass er schon einmal eine Mähdrescher-Sightseeing-Fahrt mit einem Gast an Bord hatte. "Die Dame erschien in weiß gekleidet mit Hackenschuhen", erläutert er kopfschüttelnd. Ich habe verstanden! Wenn es doch nur schon soweit wäre. Aber "demnächst" ist ja die kleine Schwester von "bald".

Bis dahin halte ich mich mit Tages- beziehungsweise Wochenendbesuchen über Wasser. Ab in die Bahn und rüber über den Damm. Bevor Carsten und ich in Klanxbüll einsteigen wird selbstverständlich noch gewettet: Voll oder nicht voll? Sitz- oder Stehplatz? Meist gewinne ich. Ich habe durch die häufigeren Besuche die Zahl der Reisenden zu Rushhour-Zeiten besser drauf.

Gerade erst passiert: Wir stehen mit geschätzten 12 Personen (davon drei mit sperrigen Rucksäcken auf dem Rücken), zusätzlich eingekeilt von zwei Fahrrädern, im Türbereich des Zuges. Gemütlich ist was anderes. Wenigstens ist es unterhaltsam. "Ich arbeite beim größten Arbeitgeber Deutschlands", tönt ein Tagestourist, nachdem wir den Rest seiner Lebensgeschichte, sowie den seiner Gattin und die des gemeinsamen Pudels Waldemar bereits auf der Hälfte des Hindenburgdamms auswendig kennen. "Und der wäre?" frage ich der Höflichkeit halber (weil niemand anders fragt). "Die Rentenversicherung! Ich bin Rentner", prustet er in die Menge. Es folgt ein Witz nach dem nächsten. Kurz vor der Endstation fragt dann ein junges Mädchen "Weiß jemand, wo wir aussteigen?" Eine Steilvorlage für den lustigen Spaßtouristen: "In Westerland!!" Jetzt kann er sich vor Lachen nicht mehr einkriegen. Als das Mädchen genervt wegschaut, ergänzt er "ich weiß, du wolltest wissen, ob in Fahrtrichtung links oder rechts. Ich glaube links". Nach unserem Ausstieg (links) liegt er sich dann tatsächlich mit der Hälfte der Schicksalsgemeinschaft in den Armen. Man ist kurz vor Verabredung und Adresse austauschen. Ja, die Fahrt war originell, trotzdem sind die überfüllten Bahnen im Sommer und/oder in den Ferien kaum zu ertragen. Vor allem für ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern. Liebe Leute von der NOB: Habt ihr nicht irgendwo noch ein paar Wagons, die ihr an Top-Strandwochenenden anhängen könnt? "Voll" geht allerdings auch anders. Der beste Beweis hierfür ist Feinkost Meyer in Wenningstedt. Ferienzeit. Der Parkplatz ist voll, der Laden ebenso. Aber nix da von wegen Schlangenbildung. Es sind alle Kassen geöffnet. Ich kenne keinen anderen Laden auf der Welt, der gefühlt immer alle Kassen auf hat, auch dann, wenn gerade nur vier Kunden einkaufen wollen. Toll! Ach, ich freue mich auf Sylt. Ich sage nur "demnächst". Für ganze zwei Wochen!

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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