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Wohnraumprobleme auf Sylt : Urlaub in der Dauerwohnung

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine Mieterin einer gemeindeeigenen Wohnung in Westerland vermietet diese an Feriengäste – trotz strengem Verbot.

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erstellt am 28.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Sylt | Die Urlauber sind von „Hannas“ Wohnung begeistert: Sie ist „wunderschön“ eingerichtet und „sehr zentral“ in Westerland gelegen, außerdem stellt die Vermieterin ihre große Auswahl an Sex-and-the-City-DVDs den Besuchern zur Verfügung. Die Schlüsselübergabe mit „Hanna“ (so der Netzname der Vermieterin), schreiben die begeisterten Gäste auf dem Onlineportal www.airbnb.de, sei auch ganz unproblematisch abgelaufen.

Man könnte sich für „Hanna“ über ihre erfolgreiche Ferienwohnung „in einer Villa im Bäderstil“ freuen – zudem sie mit 55 Euro pro Nacht auch noch recht günstig ist. Allerdings hat sie die Wohnung selbst vom Kommunalen Liegenschafts-Management (KLM) als angebliche Dauermieterin gemietet – touristische Nutzung ist ihr also streng verboten. „Da haben wir uns wohl die falsche Mieterin ausgesucht“, sagt Holger Flessau und fügt leicht resigniert hinzu: „Solche Entwicklungen sind schuld daran, dass wir bei der Wohnungsvergabe immer misstrauischer und vorsichtiger werden.“ Den Kommunalpolitiker (CDU) ärgert es sehr, wenn gemeindeeigene, recht günstige Wohnungen (in der Villa Helgoland zahlt man pro Quadratmeter im Schnitt 8,65 Euro) von den Mietern so missbraucht werden. Oder, so nennt er ein weiteres Beispiel, wenn Hausscheiben, die auf Erbpachtbasis als Dauerwohnraum vorgesehen waren, auf einmal wieder auf dem freien Markt auftauchen.

Ob „Hanna“ ihre Wohnung dauerhaft an Urlauber vermietet oder ob sie, wie sie in ihrer Online-Annonce schreibt, meist selbst darin lebt, ist dabei rechtlich egal: „Aufgrund der angespannten Wohnraumsituation auf der Insel nutzen wir die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten voll aus“, sagt Marcus Kopplin, Chef des Kommunalen Liegenschafts-Management, „sollte eine touristische Untervermietung von Mietwohnungen erfolgen, wird seitens des Kommunalen Liegenschafts-Management das Mietverhältnis im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen fristlos gekündigt.“ Zur touristischen Vermietung in der Villa Helgoland wollte er sich gestern nicht äußern. Bei den rund 1000 Wohnungen, die KLM vor allem in der Gemeinde Sylt betreut, würden vereinzelte Fälle der touristischen Vermietung in der Regel von den Nachbarn beanstandet.

Auch die Baugenossenschaft Gewoba Nord betont, dass sich die Fälle der rechtswidrigen touristischen Vermietung ihrer rund 1000 Sylter Wohnungen „sehr stark in Grenzen halten“. Anders als bei KLM sei bei der Gewoba jegliche Art der Untervermietung auf Sylt generell untersagt – also auch dann, wenn der Dauermieter beispielsweise für ein halbes Jahr ins Ausland geht. Dies begründet die Gewoba mit der „speziellen Situation auf Sylt“.

Vor kurzem hat das Thema Untervermietung an Touristen auch den Bundesgerichtshof beschäftigt. Das Ergebnis des Prozesses eines Berliner Mieters gegen seine Vermieterin: Eine generelle Erlaubnis, die Wohnung untervermieten zu dürfen, heißt nicht, dass sie auch für die touristische Nutzung verwendet werden darf. In dem Fall ging es allerdings nicht um eine kommunale Wohnung, die unerlaubt an Touristen vermietet wurde, sondern um eine private.

Auf Sylt kann Holger Flessau wenigstens eines trösten: „Auf unserer kleinen Insel kommt recht schnell raus, wenn einer mit einer Dauerwohnung nicht das macht, was er sollte.“

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