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Überraschungen in den Ferien : Urlaub auf Sylt: Blackout, Telefonsex und andere Peinlichkeiten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Was man in einem Urlaub auf Sylt für kuriose Dinge erleben kann, hat unser Autor für die Sylter Rundschau zusammen gestellt

Rund 750.000 Gäste reisen alljährlich nach Sylt. Die meisten von ihnen kehren gut erholt in den Alltag zurück. Doch manche von ihnen erlebten unerquickliche Überraschungen, die so nicht eingeplant waren. Was Urlauber so erlebt und erduldet haben, davon künden die folgenden Begebenheiten:


Urlauber sucht nach feuchtfröhlicher Nacht sein Quartier

Als die Leser im Jahr 1960 eines schönen Tages die Sylter Rundschau aufschlagen, staunen sie nicht schlecht: In einer Anzeige sucht ein Urlauber sein Quartier. Wie es dazu kommen konnte? Der Gast aus Dortmund hatte am Abend seiner Anreise einen feuchtfröhlichen Zug um die Häuser unternommen. Was wohl einen totalen „Blackout“ zur Folge hatte: Der Gute suchte seine Unterkunft jedenfalls vergebens und reiste schließlich entnervt ohne Gepäck wieder ab. Die Vermieterin bekam von der Anzeige dann aber doch noch Wind – und schickte dem Unglücksraben seine Koffer hinterher.

Offensichtlich eine zeitlose Begebenheit: Fast ein Vierteljahrhundert später, im Juni 1994, erscheint in der Sylter Rundschau eine Annonce mit folgendem Text: „Achtung Vermieter! Ich habe am Montag bei Ihnen ein Zimmer gemietet und finde dieses leider nicht mehr wieder. Bitte melden Sie sich!“

Darüber konnte ein Sylt-Urlauber Mitte der 1960er Jahre gar nicht lachen: Kaum hatte der Hamburger nach seiner Ankunft in Westerland das Hotel betreten, in dem er zuvor telefonisch ein Zimmer reserviert hatte, klickten die Handschellen. Polizisten hatten den vermeintlichen Bankräuber dingfest gemacht – denn der Hotelportier hatte geglaubt, den neuen Gast kurz zuvor auf einem Fahndungsfoto gesehen zu haben. Zwar klärte sich der Irrtum bald auf, doch für den Mann war die Urlaubsstimmung restlos im Eimer: Er reiste wutentbrannt mit dem nächsten Zug ab.


Eine unbehagliche Unterkunft

Selten ist eine Unterkunft auf Sylt so lausig, dass sie dem Gast den Schlaf raubt. Doch eben ein solcher Fall sorgte in Wenningstedt vor einigen Jahren für Aufsehen. Etliche Urlauber beschwerten sich beim Fremdenverkehrsverein über ihr Quartier – und das aus triftigem Grund: Sie mussten für ein 18 Quadratmeter kleines Appartement 186 Mark pro Übernachtung berappen, dafür aber kräftige Abstriche in Kauf nehmen: Das kombinierte Schlaf- und Wohnzimmer war von dem Bad des benachbarten Appartements lediglich durch einen Vorhang abgetrennt und verfügte über eine Toilette, die sich direkt neben der Kochnische befand. Sich Waschen und ihre Zähne putzen konnten die Gäste nur im Spülbecken der Kochnische. Der Zugang zu dem Appartement war durch einen Kühlschrank halb verstellt, und zu guter Letzt war der Raum auch noch fensterlos. Ein solches Qualitätsniveau mochte der Fremdenverkehrsverein den Touristen dann doch nicht zumuten und vermittelte das Kleinod fortan nicht mehr.


In Unterhose auf dem Balkon ausgesperrt

„Auf Sylt gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, besagt eine Binsenweisheit. Eine recht unpassende Bekleidung wählte im Januar 2005 ein Urlauber, der sich in einem Appartement im achten Stock des Westerländer Kurzentrums einquartiert hatte. Während das Orkantief „Erwin“ mit Windgeschwindigkeiten bis zu 180 Stundenkilometern über die Küste hinweg fegte, wollte der Mann einen Schnappschuss von der tosenden See machen. Nur mit der Unterhose bekleidet betrat er den Balkon, als die Balkontür durch eine Böe zufiel und sich verriegelte. Der Ausgesperrte konnte erst nach längerem Rufen und Winken Passanten auf seine missliche Lage aufmerksam machen und von der Polizei aus der klammen Notlage befreit werden.

Die nächste Episode verdient die Überschrift: Teurer Fernverkehr. Sieben Tage lang verbrachte ein Gast aus Baden-Württemberg Ende der 1990er Jahre seinen Urlaub auf Sylt – von der Insel selbst hat er in dieser Zeit jedoch nicht viel gesehen: Der Mann, der sich unter falschem Namen in einer Wenningstedter Pension einquartiert hatte, hinterließ nämlich nicht nur Mietschulden in Höhe von knapp tausend Mark, sondern auch eine saftige Telefonrechnung: Rund 13  000 Mark hatte der Mann vertelefoniert, wobei er die kostspieligen Erotik-Hotlines unter der Vorwahl 0190 bevorzugte. Die Gesamtdauer der Telefonate betrug 61 Stunden – somit hatte der Mann an jedem Tag mehr als acht Stunden am Telefon gesessen. Bevor dem triebhaften Gast die gesalzene Rechnung präsentiert werden konnte, machte sich der Zechpreller schnell aus dem Staub. Erst später konnte die Kripo die Identität des 35-jährigen Telefon-Neurotikers ermitteln.


Lange Verkettung höchst unglücklicher Umstände

Was sich am 7. April 1998 im Wattenmeer vor Rantum ereignete, das mutet zwar wie ein verspäteter Aprilscherz an, stellt aber sachlich korrekt eine Verkettung höchst unglücklicher Umstände dar: Zwei Urlauber hatten an jenem Tag einen Spaziergang durchs Watt unternommen. Unterwegs rutschte die Frau im Schlick aus und brach sich dabei ein Bein. Als ihr der Ehemann zur Hilfe kommen wollte, stürzte er ebenfalls und brach sich einen Arm. Ein anderer Spaziergänger alarmierte daraufhin das Deutsche Rote Kreuz, das einen Rettungswagen entsandte. Der jedoch musste kurz vor der Unglücksstelle kapitulieren, da sich das Fahrzeug trotz Allradantriebs im weichen Schlickboden fest gefahren hatte. Als nächstes rückte ein Tanklöschfahrzeug der Rantumer Feuerwehr an, um den Krankenwagen aus dem Watt zu ziehen. Was passierte? Auch dieses Fahrzeug fuhr sich fest. Nächster Akt: Ein Traktor der Kurverwaltung wird angefordert und – raten Sie mal – bleibt ebenfalls stecken. Erst mit Seilwinden und der Hilfe eines Baggers konnten alle Fahrzeuge aus der misslichen Lage befreit werden. Fünf Stunden hatte die gesamte Rettungsaktion schließlich gedauert.

Epilog: Die beiden Patienten waren den Umständen entsprechend wohlauf. Bös gelitten hatte durch den regen Verkehr jedoch der Rantumer Binnendeich. „Da sieht's jetzt aus wie auf einem Panzerübungsgelände“, unkte der damalige Kurdirektor.

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erstellt am 01.Mär.2016 | 05:31 Uhr

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