Steigende Zahlen : Unterkünfte für Asylbewerber auf Sylt gesucht

In solchen Containern wurden Asylbewerber und Flüchtlinge bis 2006 am Flugplatz untergebracht. Das sollte sich nicht wiederholen, finden Beate Lück-Wummel und die Mitglieder des Sozialausschusses.  Foto: Archiv/Syltpicture
In solchen Containern wurden Asylbewerber und Flüchtlinge bis 2006 am Flugplatz untergebracht. Das sollte sich nicht wiederholen, finden Beate Lück-Wummel und die Mitglieder des Sozialausschusses. Foto: Archiv/Syltpicture

Die Zahl der Asylbewerber im Norden steigt - auch auf Sylt. Das Ordnungsamt sucht derzeit händeringend Häuser und Wohnungen, um die Menschen auf der Insel unterzubringen.

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18. Juli 2013, 01:31 Uhr

Sylt | uDas Ordnungsamt der Gemeinde Sylt sucht händeringend nach Unterkünften für Asylbewerber. Momentan leben 26 Asylbewerber auf der Insel - doch bis zum Ende des Jahres wird sich die Zahl voraussichtlich um rund 18 erhöhen. Das geht aus einem Schreiben des Landrats des Kreises Nordfriesland hervor, welches am Montagabend im Sozialausschuss der Gemeinde Sylt thematisiert wurde. Dieter Harrsen weist die Ordnungsämter im Kreis darauf hin, dass durch die hohe Anzahl an Asylsuchenden in ganz Deutschland die Zuweisungen auch für den Kreis Nordfriesland und seine Gemeinden zunehmen: "Im ersten Halbjahr 2013 musste der Kreis bereits 80 Personen aufnehmen und unterbringen." Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeute das eine Zunahme von 140 Prozent. Der Kreis weist die Asylsuchenden den Gemeinden zu - die gesetzlich dazu verpflichtet sind, den zumeist aus Krisengebieten fliehenden Menschen eine Unterkunft zu bieten.
Dieser Pflicht nachzukommen ist für Beate Lück-Wummel, Leiterin des allgemeinen Ordnungsamts, keine leichte Aufgabe: "Die Bereitschaft auf der Insel, an die Gemeinde zu vermieten, damit wir Asylbewerber unterbringen können, ist sehr gering." Gerade die Vorkommnisse in Keitum, wo eine Vermieterin empörte SMS von ihren Nachbarn erhielt, nachdem sie ihr Haus an die Gemeinde Sylt vermietet hatte, würden die Sylter verunsichern, glaubt Lück-Wummel. Dabei sei die Gemeinde ein zuverlässiger Mieter, der regelmäßig zahle und bei Problemen sofort zur Stelle sei. Auch die verbreitete Angst, dass es durch Asylbewerber zu Ruhestörungen oder anderen Zwischenfällen kommen würde, sei unbegründet. Sie hofft daher sehr, dass sich Vermieter finden, die Wohnungen, Häuser oder auch einzelne Zimmer zur Verfügung stellen.

Hoffnung auf Hilfe der Sylter

Da die Gemeinde, wie Christian Thiessen (Piraten) vorschlug, Häuser im Notfall nicht einfach zwangsenteignen kann, müsste im absoluten Notfall zu eher ungünstigen Lösungen wie einer zeitweisen Unterbringung im ehemaligen Pionierlager oder in Wohncontainern gegriffen werden, sagte Lück-Wummel im Sozialausschuss. Besonders letztere, für die oftmals traumatisierten Asylbewerber unschöne Wohnform sollte aber möglichst vermieden werden, war sie sich mit den Ausschussmitgliedern einig.
"Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, dass die Politik an das Kommunale Liegenschaftsmanagement herantritt, und wir auf diesem Wege zumindest eine Wohnung finden", sagte Lück-Wummel, die aber vor allem auf die Hilfe der Sylter hofft.

Vermieter gesucht

Um auf die Vorfälle in Keitum zu reagieren, beschloss der Sozialausschuss einstimmig eine von den Piraten eingebrachte Resolution gegen Fremdenfeindlichkeit. Außerdem wird die Verwaltung, auf einen SPD-Antrag hin, ein Konzept erarbeiten, wie die auf der Insel lebenden Asylbewerber über das gesetzlich vorgeschriebene Maß weiter unterstützt werden können. Unter anderem soll die Möglichkeit geprüft werden, Deutschkurse an der Volkshochschule anzubieten.
Wer der Gemeinde eine Wohnung zur Vermietung anbieten möchte, kann Kontakt per Mail (beate.lueck-wummel@gemeinde-sylt.de) oder Telefon aufnehmen (04651/851540).

Finanzierung Asylbewerber
Das Sozialzentrum Sylt legt die Kosten für die Asylbewerber aus, sie werden zu 70 Prozent vom Land Schleswig-Holstein übernommen, die restlichen 30 Prozent zahlt der Kreis Nordfriesland.Zum Leben erhält ein alleinstehender oder alleinerziehender Asylbewerber monatlich 354 Euro (ein Harz-IV-Empfänger erhält 382 Euro). Die Mietobergrenze, die die Gemeinde pro Asylbewerber ausgeben darf, liegt bei 307 Euro. Damit es auf Sylt trotz dieser für die Insel eher geringen Miete trotzdem möglich ist, Wohnraum zu finden, müssen Zimmer geteilt oder mehrfach belegt werden.

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