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Geburtshilfe auf Sylt : Unklarheiten beim Notfallplan

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach der Schließung der Geburtenstation in der Nordseeklinik ist immer noch nicht klar, was bei Notfällen mit Schwangeren geschehen soll.

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2014 | 19:05 Uhr

An wen soll sich eine schwangere Sylterin wenden, wenn die Wehen einsetzen? Diese mitunter lebenswichtige Frage lässt sich offenbar nicht so leicht beantworten. Auch drei Monate nach Schließung der Geburtenstation der Asklepios Nordseeklinik (wir berichteten) herrscht auf der Insel Uneinigkeit in diesem Thema.

Auslöser für die aktuell laut werdende Kritik am Notfallplan ist ein in der Nordseeklinik durchgeführter Kaiserschnitt ohne Beisein einer Hebamme. „Ein Unding“, sagt Margret Salzmann vom Schleswig-Holsteinischen Hebammenverband. „Zu jeder Geburt muss eine Hebamme hinzugezogen werden.“ Dennoch wurde keine der drei Inselhebammen am Montag angerufen und gebeten, in die Nordseeklinik zur Geburt dazu zu kommen. Der Arzt habe fahrlässig gehandelt, das sei eine Zumutung für die Gebärende gewesen, kritisiert Salzmann. Der Hebammenverband habe einen Anwalt eingeschaltet, der jetzt prüfen soll, ob der Arzt zur Verantwortung gezogen werden kann.

Auf Nachfrage der Sylter Rundschau bestätigte Dr. Franz Jürgen Schell, Medizinischer Pressesprecher des Asklepios-Konzerns, dass eine 31-jährige Schwangere in den frühen Montagmorgenstunden in der Klinik mit Wehen vorstellig wurde. „Obwohl wir ja keine Geburtshilfestation mehr auf Sylt haben, gibt es dennoch eine Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Gynökologen.“ Der diensthabende Arzt wurde dann gerufen und dieser habe dann auch entschieden, dass der Transport aufs Festland nicht mehr möglich sei. „Der Hubschrauber konnte wegen des Wetters nicht fliegen“, so der Konzern-Sprecher. Und der Transport über den Landweg hätte laut Gynäkologen zu lange gedauert. Die Patientin sei in der 39. Schwangerschaftswoche gewesen und hätte eigentlich die Insel schon verlassen haben sollen, so Schell. „Die Entscheidung für den Kaiserschnitt lag beim Gynäkologen“, betonte er.

Der Pressesprecher des Gesundheitsministeriums Schleswig Holstein sagte auf Nachfrage der Sylter Rundschau, dass Geburten in der Nordseeklinik Sylt „nur noch im Notfall, das heißt wenn keine Zeit oder Möglichkeit der Verlegung auf das Festland möglich ist, erfolgen.“ Dies sei in diesem akuten Fall so gewesen und das Notfallkonzept habe funktioniert.

Nach Ministeriumsangaben sieht der Notfallplan wie folgt aus: Sollte das vorgesehene Boarding – also das vorzeitige Aufsuchen einer Klinik auf dem Festland – nicht erfolgen oder erfolgen können, gilt: Der Rettungsdienst transportiert die Schwangere unter Berücksichtigung der Gegebenheiten in eine Klinik aufs Festland oder in Ausnahmefällen auch in die Klinik auf Sylt. Ergänzend wird versucht, eine Hebamme bei geburtshilflichen Notfallsituationen mit heranzuziehen.

Da hakt Inselhebamme Anke Betram ein: „Ich weiß nicht, ob ich auch in einem Notfall befugt bin, in der Nordseeklinik zu arbeiten.“ Sie habe schließlich keinen Vertrag mit der Klinik und sei sich deshalb ihrer rechtlichen Situation nicht bewusst.

Darauf antwortete der Ministeriumssprecher in seinem Schreiben: „Grundsätzlich müssen Ärztinnen und Ärzte nach § 4 des Hebammengesetzes dafür Sorge tragen, dass bei einer Entbindung eine Hebamme hinzugezogen wird. Dies gilt allerdings nicht in Notfällen (in denen jedermann zur Leistung von Geburtshilfe verpflichtet ist). Im Hinblick auf den vorgenannten Grundsatz darf selbstverständlich eine Hebamme zu einer Geburt auch in eine Klinik ohne Geburtsstation kommen.“

Laut DRK-Rettungsdienstleiter Arne Dekarz können 99 Prozent der Patienten, die das DRK um Hilfe rufen, aufs Festland gebracht werden – wenn es medizinisch erforderlich sei. „Eine hundertprozentige Gewährleistung werden wir nie erreichen, das hängt mit unserem Einsatzort zusammen.“ Neben Hubschrauber und Autozug, führte er auch die Personenzüge und die Pidder Lüng an, den Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger, die zum Transport von Patienten aufs Festland bereit stehen.

 

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