Keine Geburtenstation auf der Insel : Ungewöhnlicher Baby-Besuch auf Sylt

Die Hebamme Anke Bertram mit der schwedischen Babypuppe.
Die Hebamme Anke Bertram mit der schwedischen Babypuppe.

Schwedische Eltern schicken Babypuppe um die Welt. Sie wollen auf Missstände bei der Geburtshilfe aufmerksam machen.

shz.de von
28. Februar 2017, 03:06 Uhr

Rund 1500 Kilometer liegen zwischen der schwedischen Heimatstadt von Gudrun Svea Ådalia und der Insel Sylt: Als Botschafterin gegen die Schließung der geburtshilflichen Abteilung in Sollefteå, die seit 1. Februar dicht ist, hat die Babypuppe mit den glitzernden Wollsocken bereits einen weiten Weg zurückgelegt. Sie soll ein Zeichen setzen gegen die Zentralisierung in der Geburtshilfe auf der ganzen Welt. Eltern in Schweden hatten Gudrun auf die Reise geschickt – seit dem Wochenende ist sie in Schleswig-Holstein unterwegs. Am Sonntag erreichte sie schließlich die Nordseeküste. „Wenn ich sehe, wie wir die Frauen hier auf der Insel empfangen, dann wird mir ganz schlecht“, sagt die Sylter Hebamme Anke Bertram.

Als sich gestern rund 25 Insulanerinnen mit ihren Kindern in den Vorraum des Rathauses drängen, steigen der ersten Vorsitzenden des Hebammenverbandes Schleswig-Holstein Tränen in die Augen: „Die fehlende Geburtenstation auf Sylt ist ein emotionales Thema, ich erlebe das jeden Tag.“ Die Frauen waren gekommen, um gemeinsam für ein Foto zu posieren. Das Bild soll ein Zeichen setzen, dass auch sie unzufrieden sind mit der Situation auf der Insel. Dass die Geburtenklinik auf Sylt wieder öffnet, bezweifelt Bertram nicht.

„Allerdings erst, wenn irgendwas Schlimmes passiert“, sagt sie. Das würde dann – wie schon in anderen Ländern – dazu führen, dass die Menschen zurückrudern und eine wohnortnahe Geburt wieder möglich wird. Das könne aber noch rund zehn Jahre dauern auf Sylt, vermutet die Expertin. Heute reist Puppe Gudrun nach Berlin, von wo aus sie am Mittwoch zurück nach Schweden fliegt. Ihre Reise ist dann beendet, wenn in Sollefteå wieder Geburten stattfinden können, heißt es von den Initiatoren. Interessierte können ihren Weg auf Facebook verfolgen: Gudrun Svea Ådalia. Die Geburtenstation auf Sylt ist seit Ende 2013 geschlossen. Seit Oktober 2015 gibt es auf Sylt nur noch eine Hebammen-Rufbereitschaft.

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