Unfälle wegen falscher Beschilderung

Der Weg hinter dem Bahndamm zwischen Keitum und Morsum ist nur in Richtung Westen als Fahrradweg ausgeschildert, bemängeln Sylter Radler.
Der Weg hinter dem Bahndamm zwischen Keitum und Morsum ist nur in Richtung Westen als Fahrradweg ausgeschildert, bemängeln Sylter Radler.

Sylter Anwalt kritisiert, dass der sogenannte Katastrophenweg zwischen Keitum und Morsum falsch beschildert ist/ Autofahrer nutzen Weg als Abkürzung

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15. März 2020, 15:40 Uhr

Keitum/Morsum | Erst vor Kurzem war der als „Katastrophenweg Nösse“ bekannte Weg hinter dem Bahndamm zwischen Keitum und Morsum Thema in der Archsumer Ortsbeiratssitzung (wir berichteten). Seinen Namen hat der Weg, weil er ursprünglich als Rettungsweg im Katastrophenfall dienen sollte – wer nun den kritischen Stimmen zur Beschilderung des nun als Rad- und Fußweg vorgesehenen Weges lauscht, könnte zu dem Schluss kommen, der Name sei Programm: Zunehmend werde der Weg von Autofahrern als Abkürzung genutzt, weil Tore nicht ordnungsgemäß verschlossen seien oder ganz fehlen, beschwerte sich bereits der Archsumer Ortsbeirat.

Julian Raspé fährt den Katastrophenweg drei bis vier Mal in der Woche mit dem Fahrrad entlang, um seine Familie in Morsum zu besuchen. Er meldete sich im Anschluss an die Berichterstattung mit Kritik an der falschen Beschilderung des Weges. Das Problem sei, dass der Weg nur von Osten nach Westen als Fahrradweg ausgeschildert sei, in entgegengesetzter Richtung aber nicht, sagt der Sylter. „Die Gemeinde ermöglicht also auf der einen Seite Autofahrern die Nutzung des Weges ohne Geschwindigkeitsbeschränkung und will auf der anderen Seite Fahrradfahrern das Gefühl geben, sie befahren einen Fahrradweg. Dies ist offensichtlich hoch gefährlich und vermutlich rechtswidrig.“

In seiner neunjährigen Laufbahn als Anwalt für Zivilrecht auf Sylt habe Raspé bereits vier Mandanten betreut, die als Fahrradfahrer auf engen Wiesenwegen einen Unfall hatten, „unter anderem musste eine Radfahrerin einem Auto ausweichen und ist dabei in den Graben gerutscht“.

Auch der Sylter Christian Thiessen (Grüne) fährt eigentlich gerne auf diesem Weg, ihm ist die falsche Beschilderung ebenfalls aufgefallen: „Viele Familien radeln den Weg entlang, die Kinder meist etwas voraus“, so der Politiker. „Wenn dann ein Auto mit 100 Stundenkilometern den Weg entlang rast, ist das sehr gefährlich.“ Breit genug für derartigen Begegnungsverkehr sei der Weg laut Thiessen nicht.

„Die Polizei kann aufgrund der Beschilderung aber leider keine Sanktionen verhängen, wenn dort ein Auto von Keitum kommend entlangfährt.“ Fährt man in Richtung des Weges, wird laut Raspé zuerst die Dreißig-Stundenkilometer-Zone aufgehoben, und nach dem Verlassen des Ortsteils Keitum wird keine neue Geschwindigkeitsbegrenzung festgelegt.

Gelangt man dann auf den Katastrophenweg, weist lediglich ein Sackgassenschild darauf hin, dass die Autos dort nicht weiterfahren dürfen. Bei einer Verkehrsschau im vergangenen Oktober habe der Kreis Nordfriesland den Austausch des Sackgassenschildes angeordnet, erinnert sich Christian Thiessen, „jedoch ist dies durch die Gemeinde bisher nicht erledigt worden“.

Der Gemeinde seien die Probleme bereits bekannt, betonte Bürgermeister Nikolas Häckel auf Nachfrage: „Ich kann den Ärger der Bürger nachvollziehen.“ Vor dem Wechsel der Schilder seien jedoch einige formale Schritte notwendig: „Einige Flurstücke müssen mit einem Widmungsverfahren dem Verkehr neu gewidmet werden – daran arbeiten wir derzeit.“Die korrekte Beschilderung aller Straßen sei ihm sehr wichtig, langfristig wünsche er sich für den Radweg jedoch eine andere Lösung als nur eine Beschilderung und ein Tor, welches offengelassen oder durch Vandalismus zerstört werden kann: „Wir sind bereits dabei, zu prüfen, ob und wie eine bauliche Veränderung vorgenommen werden kann.“ Mit einer Verengung, ähnlich wie im Schlangenfarmweg zwischen Tinnum und Keitum, könnte dann permanent der Autoverkehr daran gehindert werden, den Weg zu nutzen.

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