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Schiffe auf Sylt : „Undine“ in schwierigen Fahrwassern

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylt wartet auf das Frachtschiff, das zwischen Hamburg und Sylt pendelt. Das liegt aber mit Schaden im Harburger Hafen.

von
erstellt am 05.Jun.2015 | 05:30 Uhr

Eigentlich sollte sie schon längst wieder zwischen Hamburg und Sylt hin und her fahren. Doch im Hörnumer Hafen wurde das Segelfrachtschiff „Undine“ in den vergangenen Monaten nicht gesichtet. Warum das so ist, erklärt ihr Eigentümer, Kapitän Torben Hass.

Der Grund sei einfach, sagt er: Momentan liege die „Undine“ im Harburger Binnenhafen – es stehen Reparaturarbeiten an, bevor das Schiff vom Germanischen Lloyd in der jährlichen Besichtigung abgenommen werden muss. Doch damit es wieder fahrtüchtig wird, müsse er ein Ersatzteil für den fast 90 Jahre alten Gaffelschoner erst aufwendig in einer Museumswerkstatt in den Niederlanden herstellen lassen. Wie lange das noch dauert, weiß er nicht. Und wann kommt die „Undine“ zurück nach Sylt? Unklar. Er hoffe, in ein paar Wochen wieder mit dem Schiff auf Fahrt gehen zu können, sagt Hass. Neben Transporten von Strandkörben und anderen Gütern auf und von der Insel sollen dann auch wieder die breit angekündigten Yoga-Events auf der Sandbank stattfinden, die bisher ausgefallen sind.

Durch schwierige Gewässer musste die Undine seit Hass mit ihr seit 2013 das Frachtsegeln wieder populär machen wollte, mehrfach segeln. 2013 beispielsweise konnte Hass laut Medienberichten Reparaturarbeiten an der „Undine“ nur schwer bezahlen. Damals lag sie aufgrund einer kaputten Ankerwinde und einer Havarie mit Treibgut für einige Wochen still.

Das auf der Insel kursierende Gerücht, er stehe jetzt kurz vor der Pleite, weist Hass entschieden von sich: „Ich habe mir auch gerade ein zweites Schiff gekauft.“ Der 100 Jahre alte Motor-Ewer „Annemarie“ ist schon seit des Zweiten Weltkriegs im Wattenmeer unterwegs, fuhr danach von Keitum oder Amrum aus Ladung auf die nordfriesischen Inseln und Halligen. Auch unter Torben Hass fährt das Schiff momentan weiter im Wattenmeer, gerade habe es Klärschlamm von den Halligen aufs Festland gebracht, berichtet Hass. Er will die „Annemarie“ auch dafür nutzen, sein „großes“ Projekt voran zu treiben: Frachtsegeln nicht nur auf kleinen Strecken wie zwischen Hamburg und Sylt, sondern weltweit zu betreiben.

Problematisch sei dabei aber die Finanzierung: Der Kraftstoff zählt bei Motorschiffen zu den laufenden Kosten, erklärt Hass, und diese fallen erst beim Betrieb an. Das Pendant auf modernen Windjammern - die Masten und Segel - müssen jedoch von den Investoren schon beim Bau bezahlt und über die Lebenszeit des Schiffes finanziert werden. Daher sind die Kapitalkosten für Segelschiffe höher und für Segelschiffe kaum eine Finanzierung zu bekommen. „Nun versuche ich, die Investitionskosten für die Masten und Segel vom übrigen Schiff abzukoppeln. Die Kapitalkosten blieben im Vergleich zum Motorschiff damit gleich“ führt Hass weiter aus, „Das Rigg würde in einer gesonderten Abteilung - einem eigenen Business-Case - gerechnet und ähnlich der Tankrechnung des Diesel-Lieferanten mit den Betriebskosten abgerechnet.“

So eine Rechnung sei bei Frachtschifffahrt neu. Deshalb sammele er derzeit mit der „Annemarie“ Daten und Fakten zu Kraftstoffverbrauch und Fahrzeit zwischen den einzelnen Umschlaghäfen: „„Mit in eigenem Business-Case finanzierter, moderner Besegelung ausgestattet soll das Schiff im kommenden Jahr kräftig Diesel einsparen.“ Anhand der zur Zeit erhobenen Daten wird dann errechnet, wie hoch die Ersparnis ist und in den Business-Case „Mast & Segel“ zurückgeführt werden muss. Mit diesen Fakten in der Tasche, lasse sich künftig moderne Frachtsegler finanzieren, ist er überzeugt.

Auch für die „Undine“ sieht Hass eine positive Zukunft, auch mit Blick auf den aktuellen Konflikt um den Hindenburgdamm: „Sollte künftig wirklich kein Güterzug mehr nach Sylt fahren, könnten wir auch häufiger Fracht von Dagebüll aus transportieren“, so der 40-jährige ehemalige Gorch-Fock-Offizier.

Bisher sei das hübsche Segelschiff vor allem dadurch bekannt geworden, dass man auf ihm auch zwischen Hamburg und Sylt mitsegeln kann. „Seit vergangenen Sommer verkaufen wir keine Mitsegel-Tickets mehr“, sagt Hass, „wir wollen das Frachtgeschäft wieder stärker in den Vordergrund rücken.“

 

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