Interview : Und was kommt nach dem Happy End, Frau Thesenfitz?

Claudia Thesenfitz und ihr Neufundländer James, über den sie gerade ihr nächstes Buch schreibt.
Claudia Thesenfitz und ihr Neufundländer James, über den sie gerade ihr nächstes Buch schreibt.

Im Interview spricht die Bestseller-Autorin Claudia Thesenfitz über ihren neuen Sylt-Roman, heftigen Liebeskummer und die Magie der Insel.

shz.de von
25. Mai 2018, 05:30 Uhr

„Sylt oder Solo“ heißt der neue Roman von Autorin Claudia Thesenfitz. Er ist die Fortsetzung ihres erfolgreichen Bestsellers „Sylt oder Selters“, der sich allerdings auch völlig unabhängig vom ersten Teil lesen lässt. Die Leser treffen (erneut) auf die Protagonistin Nina, die alles hat, wovon sie früher nur träumen konnte: Sie lebt zusammen mit ihrem Traummann Jan auf Deutschlands schönster Insel und die Tage in der Surfschule und dem kleinen Strand-Bistro sind märchenhaft. Doch dann stellen sich Probleme ein und der zu Beginn noch klassische Insel-Liebesroman entpuppt sich als viel tiefgehender, als zunächst angenommen.

In einer Premierenlesung am kommenden Mittwoch, 30. Mai um 20.15 Uhr (Einlass 19.30 Uhr) stellt sie das Buch dem Publikum vor. Im Interview mit der Sylter Rundschau spricht sie aber erstmal über heftigen Liebeskummer, die Magie der Insel und einen ganz neuen Roman.

Frau Thesenfitz, in Ihrem Roman „Sylt oder Solo“ treffen wir wieder auf Nina, die Protagonistin aus „Sylt oder Selters“, die nach einer nicht geringen Erbschaft auf dem Kampener Campingplatz in einem Luxus-Wohnwagen lebt und mit ihrem Freund Jan eine Surfschule betreibt. Das klingt doch alles nach einem Happy End, warum geht die Geschichte weiter?
Mich hat interessiert, was nach dem Happy End passiert. Wie geht es weiter, wenn der Vorhang gefallen ist? Viele Filme, darunter auch „Pretty Woman“ mit Julia Roberts und Richard Gere, hören genau da auf und man erfährt nie, wie es weitergeht. Ich wollte daher wissen, wie sich Glück und Liebe im Alltag halten lassen, wenn der Farbfilm ausbleicht und sich erste Temperaturstürze in die Beziehung schleichen. Der Moment, in dem die Liebe geht, ist schließlich genauso mysteriös wie der, in dem sie kommt. Nina darf immerhin auf ihrer Lieblingsinsel Sylt leben, gemeinsam mit ihrer großen Liebe – also die volle Packung Glück – und die große Frage ist doch: Bleibt das jetzt für immer so?

Was wir hier schon verraten können: Es bleibt nicht so. Die zwei haben mit ganz normalen Alltagsproblemen zu kämpfen...
Genau! Wie schon Goethe sagte: „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“ Und auch in so ein Leben, wie Nina und Jan es haben, schleicht sich irgendwann der Alltag und die Langeweile.

Ohne zu viel vorwegzunehmen: Das Resultat ist ein heftiger Liebeskummer, den Nina im Verlauf der Geschichte durchleben muss. Unter anderem dieser Teil unterscheidet das Buch ganz erheblich von anderen romantischen Insel-Liebesromanen. Außerdem wirkt die von Ihnen erzählte Trauer von Nina so echt. Ist sie das sogar?
(Lacht) Ja, dann verrate ich hier mal ein Geheimnis: Ich kann Bücher immer nur total authentisch schreiben. Sie decken sich grundsätzlich mit meinen Lebensphasen und ich habe mich im Winter, als ich diesen Teil des Buches geschrieben habe, selbst in so einer Trennungsphase befunden. Ich konnte und wollte in dieser Zeit einfach nicht lustig und unbeschwert schreiben und habe eins zu eins wiedergegeben, wie ich mich da gefühlt habe.

So eine traurige Episode ist für einen sogenannten Glücksroman schon sehr ungewöhnlich...
Es gibt genug Glück in der Geschichte – keine Angst! (lacht) Und Veränderungen müssen ja auch nicht immer schlecht sein. In Beziehungen erzeugt Reibung bekanntlich Wärme. Mein größtes Anliegen als Autorin ist es, authentisch zu schreiben – und Liebe kann halt auch manchmal weh tun. Diesen Aspekt wollte ich meinen Lesern nicht vorenthalten. Die Geschichten in meinem Segment, dem Unterhaltungsroman, sind ja meist mit Weichzeichner auf Rosamunde-Pilcher-Niveau geschrieben. Ich falle da durch meine Ehrlichkeit etwas heraus. Außerdem – und das haben mir viele Leser bestätigt – ist es wichtig, dass dieser Teil in dem Buch ist.

Apropos authentisch: Haben Sie für ihre Recherche auch in einem Wohnwagen gewohnt? Waren Sie surfen?
Mein Traum ist das Leben, das ich Nina gegeben habe: Ich würde unheimlich gerne in einem Wohnwagen auf Sylt leben und jeden Tag morgens eine Runde Surfen und dann Schreiben. Das stelle ich mir toll vor – bisher träume ich aber nur davon. Denn aus welchen Gründen auch immer bin ich noch nicht zum Surfen gekommen (lacht). Im Wohnwagen habe ich aber bereits gelebt und das finde ich total gemütlich.


Die Insel nimmt, wie auch in Ihren anderen Romanen, eine ganz besondere Rolle ein. Sie benennen viele Orte, einige davon gibt es allerdings seit diesem Sommer nicht mehr, wie das La Grande Plage oder Wonnemeyer am Strand. Ärgert Sie das als Autorin oder setzen Sie den Lokalen damit sogar ein Denkmal?
Sowohl als auch. Sicherlich ist den Restaurants damit ein Denkmal gesetzt. Schade ist allerdings, dass die Menschen, die das Buch lesen, dort nicht mehr hingehen können. Mir war es immer wichtig, dass die Orte, von denen ich schreibe, nachvollziehbar sind und auch von den Lesern besucht werden können.

Waren das auch Lokale, die Sie gerne besucht haben?
Ja – und dadurch, dass es einige der von mir so geliebten Orte nicht mehr gibt, ändert sich für mich „mein Sylt“ auch ein bisschen. Dennoch ist das der Lauf der Dinge und die Insel behält auch weiterhin ihre Magie.

Was macht diese Magie für Sie aus?
Was ich an Sylt am meisten liebe ist das Meer, der Strand und das Gefühl von Freiheit, das ich merkwürdigerweise nur hier habe. Was die Magie letztlich ausmacht, habe ich aber noch nicht ganz herausgefunden – aber das muss ich ja vielleicht auch gar nicht. Wenn man sich verliebt, kann man ja auch nicht bis aufs letzte aufschlüsseln, woran das liegt. Die Lokale haben sicherlich ihren Teil dazu beigetragen, dass es mir so gefallen hat, aber es werden auch wieder neue entstehen, die mir gefallen. Das neue Buch, an dem ich gerade schreibe, wird sich dann eben auf diese beziehen.

Sie sprechen ein neues Buch an. Wird es eine Fortsetzung von Nina und Jan geben oder schreiben Sie an einer neuen Geschichte?

Ob es noch einen dritten Teil geben wird, steht aktuell noch nicht fest. Erstmal gibt es eine neue Geschichte, die sich um eine Hundehasserin dreht, die auf Sylt einen riesigen Neufundländer betreuen muss. Das Buch heißt „Mit James auf Sylt“ und natürlich wandelt sich die Einstellung der Protagonistin in Bezug auf James im Laufe der Geschichte drastisch – ins Positive!

Wieder ein authentisches Buch?
Ja, natürlich. Mein Neufundländer James ist nach zehn gemeinsamen Jahren leider im letzten Sommer verstorben. Die zahlreichen Erlebnisse, die ich mit ihm hatte, verarbeite ich in dem Buch und dadurch wird es hoffentlich auch wieder sehr echt.

Die Premierenlesung mit Claudia Thesenfitz findet am kommenden Mittwoch, 30. Mai, um 20.15 Uhr (Einlass um 19.30 Uhr im Kursaal³ im Wenningstedter Haus am Kliff statt. Karten zu 15 Euro gibt es an allen Vorverkaufsstellen und im Internet und an der Abendkasse.

„Sylt oder Solo – Ein Glücksroman“ ist überall im Handel für 10 Euro erhältlich.
Ullstein

„Sylt oder Solo – Ein Glücksroman“ ist überall im Handel für 10 Euro erhältlich.

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