Tierquälerei in Westerland : Unbekannter schießt auf Sylter Möwen

Irgendwer nimmt in Westerland Möwen ins Visier.
Irgendwer nimmt in Westerland Möwen ins Visier.

In der Westerländer Innenstadt wurden drei Silbermöwen durch Luftgewehr-Schüsse verletzt.

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26. Juli 2014, 06:00 Uhr

Westerland | Drei angeschossene Möwen in drei Tagen – der Sylter Tierschutzverein schlägt Alarm, und hat nach eigenen Angaben Anzeige erstattet. Auf die Tiere wurde mitten in der Westerländer Innenstadt geschossen. Alle drei hatten so schwere Verletzungen, dass sie eingeschläfert werden mussten.

Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag rückten Mitarbeiter des Tierheims aus, um die verletzten Silbermöwen einzusammeln. Die erste wurde in der Tiefgarage in der Elisabethstraße gefunden. „Sie hatte einen gebrochenen Flügel und muss sich dort reingeschleppt haben“, berichtet Jasmin Hartwig. Die Tierpflegerin war selbst am Mittwoch und Donnerstag draußen, um die anderen beiden Möwen abzuholen. „Die Zweite hat ein Pärchen morgens um halb sieben vor dem Syltness-Center entdeckt und in einen Karton gepackt. Die Dritte lag auf dem Parkplatz beim geschäft Outback an der Strandstraße“, sagt Jasmin Hartwig.

In allen drei Fällen ging der Schuss durch den Flügel in den Bauchbereich. Daher sind sich die Mitarbeiter im Tierheim sicher: Die Möwen müssen irgendwo gesessen haben. „Wären sie im Flug angeschossen worden, wäre nur der Flügel oder der Rumpf getroffen worden“, so Jasmin Hartwig. Bei der letzten Möwe wurden Röntgenaufnahmen gemacht, die gezeigt haben, dass der Schuss in Richtung Herz platziert war, und dass es sich um eine Patrone, wahrscheinlich aus einem Luftgewehr, handelt.Tierphysiotherapeutin und Sprecherin des Tierschutzvereins Ulrike Grasedieck ist schockiert: „Dass einer in der Stadt rumballert, geht gar nicht.“ Sie denkt, dass es sich um einen Einheimischen handelt: „Wer fährt denn mit einem Gewehr in den Urlaub?“ Der Schütze soll wissen, dass er nicht einfach ungestraft Möwen abschießen darf, so Ulrike Grasediek.

Jasmin Hartwig arbeitet seit 2002 als Tierpflegerin im Tierheim. In dieser Zeit hat sie es erst einmal erlebt, dass mehrfach auf Möwen geschossen wurde: „Vor ein paar Jahren hatten wir ein paar Schusstiere im Hörnumer Bereich.“

Möwen stehen unter Schutz. Manfred Uekermann, stellvertretender Kreisjägermeister, erklärt, dass es laut Landesjagdgesetz eine ganzjährige Schonzeit für Möwen gibt.

Ausnahme ist die Silbermöwe, für die es von Oktober bis zehnten Februar eine Jagdzeit gibt. Jagdausübungsberechtigte dürfen dann kranke oder nicht überlebensfähige Silbermöwen schießen – mit Munition, die die Tiere nicht zusätzlich leiden lässt. „Der Vorfall in Westerland ist für mich ganz klar Tierquälerei“, so Uekermann.

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