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Fliegerhorst : Umweltskandal auf Sylt zieht weitere Kreise

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Verwaltung wehrt sich gegen Vorwürfe wegen Entsorgungen auf dem Fliegerhorst-Gelände.

von
erstellt am 05.Mär.2015 | 05:16 Uhr

Abgelagerter Erd- und Bauschutt auf dem Fliegerhorst-Gelände – und keiner will so richtig wissen, wer dafür verantwortlich ist: Dieses Thema schlug nach der gestrigen Berichterstattung in der Sylter Rundschau auf der Insel hohe Wellen.

Bürgermeisterin Petra Reiber äußert sich deutlich verärgert zu den Vorwürfen von Grünen-Politiker Roland Klockenhoff, der der Verwaltung vorwarf, die Vorgänge auf dem Gelände nicht transparent gestaltet zu haben. „Als hätten wir jahrelang verschleiert, was dort passiert. Das haben wir gar nicht nötig“, betont Reiber. Vielmehr habe die Verwaltung beantragt, dass das Gelände eingezäunt wird, dies jedoch habe die Politik damals abgelehnt. Deshalb sei es auch zu zahlreichen illegalen Ablagerungen dort gekommen. Jetzt soll innerhalb der Verwaltung aufgeklärt werden, welche der Aufschüttungen illegal sind, welche von den aktuellen Abrissarbeiten auf dem Gelände herrühren und welche im Auftrag der Gemeinde erfolgt sind. Der springende Punkt: Sind die von der Gemeinde initiierten Ablagerungen in Abstimmung mit der Politik vorgenommen worden. Oder handelte es sich eventuell um den Alleingang eines Mitarbeiters im Tiefbauamt.

Eine gute Nachricht gab es gestern dann doch: Belastungen durch Schadstoffe sind zumindest bisher auf dem Fliegerhorst nicht festzustellen. Laut Auskunft von Umweltamtsleiterin Ruth Weirup haben in der Vergangenheit mehrere Untersuchungen stattgefunden: Zunächst auf Altlasten der Bundeswehr. Dann wurden auch während der Abrissarbeiten mehrere Schadstoffuntersuchungen durchgeführt – alles ohne negatives Ergebnis. „Ich gehe nicht davon aus, dass Schadstoffe in den Bodenablagerungen enthalten sind“, erklärt Weirup deshalb. Die schlechte Nachricht allerdings: Bei den im Ausschuss kritisierten Entsorgungen handelt es sich um Bodenablagerungen, die ohne Genehmigung auf zum Teil geschützte Flächen verbracht wurden – dort also naturgemäß nicht sein sollten. „Das ist nicht in Ordnung“, so die klare Aussage der Umweltamtschefin. „Wir arbeiten aber daran, diese Missstände zu beheben.“

Der Sylter CDU-Vorsitzende Oliver Ewald fordert, in der Zukunft sorgfältiger vorzugehen. „Augenscheinlich sind einige Missstände auf dem Gelände aufgetreten. Eine willkürliche und nicht genehmigte Zwischenablage von Bodenaushub ist nicht zu akzeptieren“, sagt Ewald. „Offensichtlich wurde in der Vergangenheit bei der Renaturierung und dem Abriss der Gebäude mehr auf Schnelligkeit als auf Gründlichkeit geachtet.“ Allerdings kritisiert er auch, dass der ungehinderte Zugang zum Gelände, der gegen den Widerstand der CDU umgesetzt wurde, sicherlich ebenfalls zu dem beklagenswerten Zustand geführt habe. Die Insel-SPD dagegen verlangt Aufklärung und erwartet in der nächsten Sitzung des Hauptausschusses am 10. März eine klare und ausführliche Stellungnahme der Verwaltungschefin. „Und das ausdrücklich im öffentlichen Teil“, sagt der Vorsitzende Eberhard Eberle. „Es müssen dringend Konsequenzen aus dieser Schweinerei gezogen werden, falls notwendig, auch personelle“. Eberle warnt vor den finanziellen Folgen, nicht nur wegen des gescheiterten Ökopunkte-Konzepts. „Wir wissen ja noch gar nicht genau, was alles abgetragen und wieder hergerichtet werden muss. Ich befürchte, dadurch können weitere Kosten entstehen, die ganz gewiss im höheren sechsstelligen Bereich liegen werden.“ Die SPD fordert dringend eine Bestandsaufnahme überall auf dem Fliegerhorstgelände. Aber das sei wohl eher eine Sache für den neuen Bürgermeister Nikolas Häckel, so Eberle, der dann „unbelastet im wahrsten Sinne des Wortes“ an die Sache herangehen werde. Allerdings stecke die gesamte Aufklärung noch in den Anfängen: „Was am Ende dabei herauskommt, weiß keiner.“

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