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Keitum-Therme : Überraschungen warten im Untergrund

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Beim Abriss der Bauruine geht es jetzt in die Tiefe. Dabei wurden alte Fundamente aus Schwimmbad-Zeiten entdeckt

„Je tiefer man gräbt, desto mehr findet man“ – dieser Ausspruch scheint sich auch beim Abriss der Keitum-Therme zu bewahrheiten. Nach knapp sechs Wochen sind zirka 90 Prozent der oberirdischen Gebäude abgebrochen. Stehen bleiben zunächst allerdings die Stützwände zur Straße Am Tipkenhoog sowie zur Appartement-Anlage „Alte Mühle“. Erst wenn Anfang Mai die Prallmühle zum Brechen der mittlerweile meterhohen Schotterberge auf die Insel kommt, wird auch dieser so genannte Geländeverbau abschnittsweise abgerissen. Zuvor muss jedoch genügend gebrochenes Betonmaterial bereitliegen, damit die Böschungen abgesichert werden können.

Jetzt geht der Abriss in den Untergrund und dort warten offensichtlich einige Überraschungen auf die Arbeiter. Zum einen seien die Sohlplatten mit Stärken von 50 bis 70 Zentimetern deutlich dicker als bisher angenommen, erläutert Guido Brebach von der Abrissfirma Ehlert & Söhne – zum anderen scheint zumindest ein Teil der Fundamente des Thermen-Neubaus auf den Fundamenten des alten Schwimmbads zustehen. „Das ist ungewöhnlich, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt der Vorarbeiter. „Das wird uns noch viel Arbeit machen.“

Die enorm große Sohlplattenfläche der ehemals geplanten „Badeebene“ (siehe Foto oben rechts) liegt zum Beispiel vollflächig auf, die bisher zum Abriss eingesetzten Scheren können nicht mehr greifen. Deshalb muss dort und auch an anderen Stellen ab sofort gehämmert werden, was tendenziell auch zu größerer Lärmbelastung als bisher führen wird. Überraschungen erwartet der Vorarbeiter außerdem im Technikkeller, der fünf bis sechs Meter in die Tiefe geht und mit den beiden Außenbecken verbunden ist.

Der Abbruch dieser Becken stellt die Fachleute vor besondere Herausforderungen: „Dafür werden neue Anbaugeräte für unsere Bagger nach Keitum gebracht“, so Brebach. Außer Löffel, Forke und Crasher soll dann auch eine klassische Abrissbirne zum Einsatz kommen. Die Schwimmbecken müssen zunächst von außen freigegraben werden, dann schwingt von innen die Abrissbirne und bringt die Wände zum Einsturz.

Nicht weniger werden auch die verbauten, daumendicken Bewehrungseisen in den Gebäuden und Fundamenten – intern würde scherzhaft bereits von „tapeziertem Stahl“ statt über Beton gesprochen, sagte Marcus Kopplin, der Betriebsleiter des für den Abriss der Ruine zuständigen Kommunalen Liegenschaftsmanagements (KLM). Bisher sind acht Container zu je zehn Tonnen Gewicht mit Stahlschrott von der Insel gebracht worden. Hinzu kommen Kunststoffabfälle wie Isolierungen, PVC-Rohre und Abdeckfolien, außerdem Holz von Verschalungen, provisorischen Zäunen und Reste von Baugerüsten. Alles muss sorgfältig getrennt und dann entweder recycelt und fachgerecht entsorgt werden. Die immer größere Anhäufung des Betonabbruchs, aber ebenso der anderen Abrissmaterialien sorgt dafür, dass es auf dem Gelände wesentlich enger und damit auch die Rangierbereiche für die Bagger knapper werden. „Im weiteren Verlauf ist nun eine deutlich höhere Bauablauf-Koordination gefragt“, erklärt KLM-Chef Kopplin, „während vom externen Beobachter nur ein vergleichsweise langsamer Fortschritt wahrzunehmen sein wird – dies ist aber jedem Rückbau dieser Art geschuldet.“

Zu den täglichen Beobachtern – und unmittelbar vom Abriss Betroffenen – gehört René Dörr, dessen Apotheke sich vis à vis des Bauzauns der Thermenruine befindet. „Der Lärm hielt sich ja erfreulicherweise in Grenzen. Mal abwarten, wie das jetzt weitergeht“, berichtet er. Nicht angeschlagen hat bisher auch der bei ihm im Keller installierte Sensor, der Erschütterungen und damit mögliche Gefährdungen für die umliegenden Gebäude an die Abrissarbeiter melden soll. „Anders sieht es mit der Staubbelastung aus“, so der Keitumer Apotheker. „Vor allem bei Nordostwind kommt doch Einiges rüber, dann sind Autos, Fenster und Pflanzen mit einer hellgrauen Schicht überzogen.“ Da helfe auch das Wasser nichts, mit dem die jeweiligen Abriss-Stellen besprüht würden. „Im Gegenteil: Als das Hauptgebäude gegenüber abgerissen wurde, legte sich ein dicker Schlammfilm über alles auf unserer Seite“, sagt Dörr. „Aber das halten wir gerne aus, wenn denn nur die Ruine bald wegkommt.“ Von seinen Kunden wird er immer gefragt, was nach dem Abriss auf dem Gelände entstehen soll. „Manche wünschen sich überhaupt keine Bebauung, andere sagen, das sollte wieder ein Schwimmbad wie früher hin.“

Auch Anwohnerin Jutta Thomsen ist froh über den bisher reibungslosen Abriss, macht sich jedoch Gedanken um die Zukunft: „Ich finde, wir sollten erstmal tief durchatmen, nicht gleich wieder neu planen“, sagt die Keitumerin. „In Ruhe nachdenken, sich Zeit nehmen zum Luftholen – das empfehle ich auch unseren Politikern.“ Bevor die Politik neu entscheidet, sollen sich zunächst die Dorfbewohnern Gedanken machen über die künftige Gestaltung des Geländes, erklärt auch Oliver Ewald. Im Rahmen des Projekts „Keitum im Dialog“ werde kommenden Monat ein Gesamtkonzept inklusive der Nutzung der Arena entwickelt, so der Ortsbeiratsvorsitzende.

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erstellt am 24.Apr.2017 | 05:42 Uhr

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