Feuerwehr Westerland : „Übermenschliche Einsatzbereitschaft“

„Es sind in den vergangenen Wochen und Monaten viele kleine Dinge passiert, die mich nicht mehr glücklich gemacht haben“, erklärt Jörg Elias seine Entscheidung.
„Es sind in den vergangenen Wochen und Monaten viele kleine Dinge passiert, die mich nicht mehr glücklich gemacht haben“, erklärt Jörg Elias seine Entscheidung.

Jörg Elias hat sein Amt des Westerländer Wehrführers niedergelegt. Im Interview spricht er über die Gründe und warum er jetzt ein Lächeln im Gesicht trägt.

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08. Februar 2018, 04:37 Uhr

Jörg Elias hat sich entschieden: Nach acht Jahren möchte er nicht länger Wehrführer von Westerland sein. Sein Entschluss überraschte viele seiner Kameraden und langjährigen Weggefährten – sowie Bürgermeister Nikolas Häckel, der dem 55-Jährigen zum 1. Februar die Entlassungsurkunde übergab. „Im Rahmen seiner sehr privat gestalteten Entlassung habe ich Jörg Elias für sein hervorragendes Engagement und seine fast übermenschliche Einsatzbereitschaft zum Wohle des Ortsteils Westerland gedankt“, so der Bürgermeister der Gemeinde Sylt. Jörg Elias habe sich seit der Jugendfeuerwehr dem Brandschutz und der Kameradschaft gewidmet – und könne daher stolz auf sein Wirken sein, betont Häckel. „Ich bedauere seinen Entschluss sehr, respektiere ihn aber natürlich“.

Im Interview mit der Sylter Rundschau spricht der ehemalige Wehrführer über die Gründe für seine Entscheidung, seine künftigen Pläne und warum er ein Lächeln im Gesicht hat.


Herr Elias, Sie haben das Amt des Wehrführers von Westerland niedergelegt. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Die Gründe für diesen Entschluss sind vielschichtig und ich möchte betonen, dass es keinen konkreten Vorfall gab, der mich dazu gebracht hat. Man kann es mit einem Puzzle vergleichen: Es sind in den vergangenen Wochen und Monaten viele kleine Dinge passiert, die mich nicht mehr glücklich gemacht haben und die sich mit der Zeit zu einem großen Ganzen zusammengesetzt haben. Irgendwann kam dann das letzte Teil, das die Entscheidung bewirkte.

Können Sie konkreter werden? Was hat sie nicht mehr glücklich gemacht?
In den vergangenen Jahren haben mich unter anderem der Neubau der Feuerwache oder auch die Anschaffung von sechs neuen Fahrzeugen sehr geschlaucht. Sowas macht man nicht einfach nebenbei. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass die Luft bei mir raus ist und mir die Motivation fehlt. Und wie soll ich meine Kameradinnen und Kameraden motivieren, wenn ich selbst keine Lust mehr habe? Ich musste dann die Reißleine ziehen, auch bevor noch jemand kommt und mir sagt, ich soll doch besser gehen.

Nikolas Häckel (li.) übergab im November die Fahrzeugschlüssel eines neuen Feuerwehrwagens an Jörg Elias.
Dethloff
Nikolas Häckel (li.) übergab im November die Fahrzeugschlüssel eines neuen Feuerwehrwagens an Jörg Elias.


Wie viel Zeit nahm die Arbeit als Wehrführer ein?

Es ist schon sehr arbeitsintensiv. Wir hatten im vergangenen Jahr über 300 Einsätze, dazu kamen die etlichen Stunden zusätzlicher Termine, Gespräche und Versammlungen. Das ist natürlich auch wichtig und richtig, aber ich habe als Veranstaltungsleiter beim Insel Sylt Tourismus-Service keinen normalen Bürojob, sondern eine Arbeit, die mich gerade im Sommer auch mal sechs bis sieben Tage die Woche fordert. Dann habe ich auch noch eine Familie – und das alles unter einen Hut zu bringen war schon immer eine Meisterleistung. Jetzt ist dann einfach das eine zum anderen gekommen.

Konnten Sie sich dabei immer auf die Unterstützung in ihrem Umfeld verlassen?

Ja, und aus diesem Grund möchte ich mich auch sehr bei meinem Arbeitgeber bedanken, der mir sämtliche Freiheiten gelassen hat, sowie bei meinen Kollegen, die oft meine Arbeit mitübernehmen mussten, wenn ich zum Einsatz gerufen wurde. Außerdem bedanke ich mich bei meinen Kameraden für die tolle Zusammenarbeit und natürlich bei meiner Familie, die mich immer unterstützt hat. Meine Frau hat die arbeitsintensiven zwölf Jahre – davon vier als Stellvertreter und acht als Wehrführer – geduldig mitgetragen, während ich tagtäglich mit der Feuerwehr beschäftigt war. Jetzt haben wir mehr Freizeit und auch Zweisamkeit – und viele sagen, ich hätte seit der Entscheidung ein Lächeln im Gesicht.

Gibt es eigentlich schon einen Nachfolger für Sie?
Nein, bisher ist noch nicht bekannt, wer das wird. Das wird auf der Jahreshauptversammlung am 23. Februar entschieden, wenn die neue Wehrführung gewählt wird.

Werden Sie denn der Feuerwehr erhalten bleiben, wenn auch nicht als Wehrführer?

Ja, natürlich. Ich bin seit 43 Jahren bei der Feuerwehr, sie ist ein fester Teil meines Lebens, ich liebe die Arbeit sehr und ich möchte mich auch weiter engagieren. Gerade nehme ich mir zwar eine kleine Auszeit, habe aber einen Antrag gestellt, ab Anfang März in der Reserve tätig sein zu dürfen. Ich hoffe, dass dem stattgegeben wird, denn ich möchte auch weiterhin an Diensten und Einsätzen teilnehmen.

 
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